ganz mann, ganz frau: der tanz von yang und yin

Ganz Mann, ganz Frau

Der Tanz von Yang und Yin

Die Frage nach der Gleichwertigkeit der Geschlechter haben wir in unserer Kultur glücklicherweise hinter uns gelassen. Wer hierzulande sich noch berufen fühlt, das andere Geschlecht abzuwerten, tut dies in aller Regel aus ganz persönlichem, unverarbeitetem Leid heraus. Geben wir ihnen unser Mitgefühl und etwas Zeit. Die meisten Ressentiments beruhen auf dem Gefühl der eigenen Minderwertigkeit oder dem Fehlen liebevoller Zuneigung im Leben.

Hierzulande zeigt sich ein anderes Phänomen. Alle Jubeljahre, gerne gegen Sommer, wenn sonst kaum etwas Anderes geschieht, treiben die Medien die altgediente Sau vom Unterschied der Geschlechter durch’s Dorf, der entweder nun klar belegt oder ein für alle Mal aus der Welt geräumt ist. Und sie machen mächtig Auflage damit. warum eigentlich?

Mann und Frau: verschieden oder gleich?

Hast du dir mal die Zeit genommen, die Männer oder Frauen in deinem ganz persönlichen Umfeld miteinander zu vergleichen? Die toughe Unternehmerin mit dem Hausmütterchem am Ende deiner Straße? Den verkannten Schriftsteller in deiner Verwandtschaft mit dem haarigen Gorilla, mit dem seine Frau eine heimliche Affäre führt (oder umgekehrt!)?

Kinners, seien wir doch mal ehrlich zu uns selbst!

Die Frage, ob die Geschlechter nun gleich oder unterschiedlich sind – ist das wirklich interessant? Was uns interessiert, ist die Frage: Wie bin ich selbst? Und: Bin ich gut so, wie ich bin? Was brauche ich, um glücklich zu sein? Um eine stabile, harmonische Partnerschaft zu führen? Um für das einzutreten, was mich im Herzen – und den geographisch darunter liegenden Regionen! – wirklich erfüllt?

Wir können die Artikel hundertmal lesen. Auf die wirklich spannenden Fragen finden wir keine Antwort darin. Ich hätte da eine etwas andere Perspektive im Angebot. Die ist schon ein bisschen älter, zugegeben. aber wischen wir kurz den Staub zur Seite und lassen sie wirken. Vielleicht entdecken wir dann etwas, was uns wirklich weiter bringt…

Yang und Yin, Yin und Yang

Das schwarze Yin, das weiße Yang. Diese Symbolik der Polarität ist uns seit mindestens dreitausend Jahren bekannt. Und das übrigens nicht nur aus China. Auch im Keltentum und in der Kultur des antiken Roms hatte dieses Symbol seinen Platz.

Umgangssprachlich übersetzen wir die Begriffe Yin und Yang mit „Frau“ und „Mann“. Das ist nicht aus der Luft gegriffen, aber es trifft den Kern doch nicht wirklich und nicht ganz. Yang und Yin stehen für mehr.

Yang und Yin stehen für aktiv und passiv, gebend und empfangend, nehmend und sich hingebend. Dies sind die Energien, die jede und jeder von uns in ihrem und seinem Innersten vereint.

Yang, das die Welt nach seinem Willen formt. Und Yin, das sie liebt und umarmt in all dem, was sie ist.

Yang, das geradlinig seine (oder ihre) Ziele verfolgt. Und Yin, das mäandriert, das fließt, das sich dem Tanz des Lebens öffnet und in ihm erblüht.

Yang, die Entschlossenheit des klaren Bewusstseins. Und Yin, die unvorhersehbare Gleichzeitigkeit aller nur denkbaren Möglichkeiten.

Das weiße Yang trägt in sich einen pulsierenden Kern aus schwarzem Yin. Das schwarze Yin hat ein lebendes Zentrum aus weißem Yang. Das ist mehr als antiker Symbolismus. Schauen wir in den Spiegel! Schauen wir uns wirklich ins Gesicht! Ein jeder und eine jede von uns vereint das eine wie das andere in sich.

Die Essenz von Yang und Yin in Mann und Frau

Gönnen wir uns ein kleines, unbedeutendes Gedankenspiel:

Stellen wir uns vor, wir hätten einen wunsch frei. Ein einziges Mal, und nur genau dieses eine Mal im Leben dürften wir mit einem Menschen unserer Wahl unsere sexuelle Essenz in ihrer ganzen Fülle spüren und erfahren. Yinoder Yang – Was würden wir wählen?

Yang sagt: Gib dich mir hin! Ich will dich nehmen! Mit all meiner Liebe, Bewusstheit und Kraft forme ich deinen Leib und deine Lust. Ich raube dir den Atem durch meine unaufhaltsame Kraft, Präsenz und Energie. Gib dich mir hin, du Engel, auf dass du unter meinen Händen hundertfach erblühst in all deiner Schönheit, Heiligkeit und Fülle. Gib dich mir, meiner Kraft und meinem unbändigen Willen hin. Ich nehme dich liebevoll in meine Hände auf. Ich hebe dich über den Himmel hinaus zu den Sternen empor, in deren Mitte du geboren bist!

Yin sagt: Komm her zu mir, du göttliches Tier, du unbändige und unaufhaltsame Kraft! Komm zu mir, nimm und forme mich nach deinem Willen! Ich will mich dir geben. In dich fließen und um dich herum. Ich will mich von deiner Präsenz und Energie davon reißen lassen aus allem, was mich in meinen irdischen Formen noch begrenzt. Ich gebe mich deinen Händen und deiner bebenden Liebe grenzenlos, willenlos und bedingungslos hin. Erfüllt von deinem Licht will ich blühen, auf dass meine Schönheit die ganze Welt umarmt. Nimm mich, forme mich und fülle mich aus! Trage mich auf deinen Händen über den Himmel hinaus bis zu den Sternen empor!

Ein einziges Mal in deinem Leben berührst du deine tiefste sexuelle Essenz durch die eines Partners oder einer Partnerin. Welche dieser Essenzen will aus dir heraus ins Ltreten? Und welche Essenz wählst du zu deinem Partner, wäre dies das einzige, einmalige Spiel deiner polaren sexuellen Essenz?

Was ist meine Essenz?

Das weiße Yang, das schwarze Yin, jedes von ihnen trägt in sich einen Kern der anderen Polarität. Natürlich: Wir wollen beides! Wir sind nicht Entweder-Oder. Wir sind beides. Wir sind Sowohl-Als-Auch. Wir wollen nehmen und genommen sein. Wir wollen unseren Partner zum leuchten bringen, und wir wollen unter seinen oder ihren Händen weich und formbar werden wie goldenes, lebendiges Wachs.

Und doch tragen die meisten von uns in sich eine klare Polarität. In den Allermeisten von uns sind Yang und Yin eben nicht gleichgewichtig verteilt. Von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen hat jede und jeder von uns in sich eine vorliebe für die eine oder die andere Form dieser heiligen Polarität.

Welche Vorliebe hast du?

Das Gleichgewicht der Kräfte

Die Frage ist nicht nur, welche der beiden essenziellen Energien in uns die Oberhand hat. Sondern dadurch umso mehr: In welchem Verhältnis diese Kräfte sich in uns vereinen. 60% Yin heißt 40% Yang. 80% Yang heißt 20% Yin. Von wenigen Ausnahmen abgesehen sind Yang und Yin in uns Menschen nicht im Gleichgewicht. Das heißt, die Polarität der Kräfte in uns sucht nach einem anderen Menschen, braucht ihn, um sich zu harmonisieren, um eins zu sein und ganz zu sein. Und wir finden sie in unserem polaren Gegenstück.

Die Sehnsucht unserer göttlichen Essenz nach Harmonie hat nichts mit rationalen Entscheidungen zu tun. Und sie schert sich nicht darum, was wir an Plänen und Vorstellungen vom Leben oder unserer Partnerschaft haben. Eine Frau mit 80% Yin und 20% Yang sehnt sich nach einem Mann mit 80% Yang und 20% Yin. Einen Mann mit 60% Yang und 40% Yin ziehen Frauen wie magisch an, die in sich 60% Yin und 40% Yang vereinen.

Auch in homoerotischen Liebespartnerschaften finden wir das gleiche Prinzip wieder. 30% Yang und 70% Yin sucht nach 70% Yang und 30% Yin. Und so weiter und so fort.

In aller Regel überwiegt in den meisten Männern die Energie des Yang. Die allermeisten Frauen tragen in ihrem innersten Kern die göttliche Essenz von Yin. Aber das ist kein Gesetz. Es gibt ebenso Yang-Frauen, wie es Yin-Männer gibt. Aber auch hier gilt: eine Frau mit 70% Yang sucht ihrem Wesen nach nach einem Mann mit 70% Yin. Alles Andere ist für sie nicht atraktiv. Ein mann mit 90% Yin verzehrt sich nach einer Frau mit 90% Yang.

Das Verhältnis dieser Kräfte ist nicht über das Leben stabil. Es kann sich verändern. Fließen. Und so fließen auch unsere Vorlieben, Wünsche und Sehnsüchte an unsere Liebes- und Sexualpartner. Wenn wir uns in einer – möglicherweise schon seit vielen Jahren mehr oder weniger stabilen – Partnerschaft befinden, und sich das Verhältnis der Kräfte in uns durch äußere oder innere Prozesse verschiebt, das unseres Partners verändert sich währenddessen allerdings nicht entsprechend mit, kann dies für unsere Partnerschaft zu einer schweren Belastung und Probe werden. Umso mehr, wenn wir nicht gelernt haben, miteinander offen und liebevoll über unsere sehnsüchte und wünsche zu sprechen.

Ganz Mann. ganz Frau.

Wir sind mehr als unsere Rollen. Wir sind mehr als das, was man von außen sieht. Wir sind mehr als unsere Gedanken, Gefühle und Wünsche. Wir sind: Lebendige, liebesvolle Teilhaber einer heiligen, göttlichen Polarität. Einer Polarität, die größer ist und mächtiger als all unsere Pläne, all unsere Selbstbilder und alle Vereinbarungen, die wir getroffen haben. Wir können den Magnetismus dieses dualität unter Kontrolle halten, wenn wir dies wirklich wollen. Aber wir sollten wissen: Das erfordert eine ganze Menge an Entschlossenheit, Bewusstheit, Selbsterkenntnis und Energie. Und manchmal werden uns die Energien in uns unerbittlich prüfen.

Schwarz sehnt sich nach weiß. Yin verzehrt sich nach Yang. Das Tier in uns sucht in unserem Gegenüber den Engel. Und umgekehrt.

Ganz werden heißt, all diese Aspekte unseres Seins und unserer Sehnsucht in uns willkommen zu heißen und zu bejahen. Ganz werden heißt, uns unserer selbst bewusst zu werden, uns anzunehmen und zu lieben in all dem, was wir sind. Und uns dann, auf diese Weise, von Angesicht zu Angesicht auf Augenhöhe zu begegnen. Von Mann zu Frau. Von Mann zu Mann. Von Frau zu Frau.

Gleich und gleich gesellt sich gerne. Das stimmt. Doch was uns anzieht wie ein unerbittlicher, lustvoller Magnet – ist der Unterschied.

Wie erlebst du die archaische Macht der Polarität? Wie gehst du in deiner Liebesbeziehung oder Sexualität um mit ihr? Hinterlasse uns einen Kommentar!

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