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ganz mann, ganz frau: der tanz von yang und yin

Der Tanz von Yang und Yin

Dieser Artikel behandelt meine Sicht auf das Verhältnis von Männern und Frauen in unserer Kultur – oder besser: auf unseren kulturellen Umgang mit „Männlichkeit“ bzw. „Weiblichkeit“. Was bedeutet es in unserer Kultur, „Mann zu sein“ oder „Frau zu sein“?! Die Genderforschung hat uns recht deutlich offenbart, dass die Antwort auf diese Fragen weit mehr erfordert als einen scheuen Blick in unsere Unterwäsche. „Mann sein“ und „Frau sein“ hat nicht nur eine biologische Dimension (und noch nicht einmal diese ist, wie wir heute wissen, immer ganz eindeutig!), sondern auch eine soziale, eine politische und nicht selten Dutzende ganz persönlicher Dimensionen obendrauf.

Ich möchte an dieser Stelle gerne eine weitere Perspektive ins Rennen bringen. Eine Perspektive, die es uns vielleicht ermöglichen kann, „das Spiel von Mann und Frau“ mit ganz neuen Augen zu betrachten. Ich glaube nämlich, dass wir in unseren Vorstellungen von „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ ein paar Dinge miteinander vermischen, die viel mehr Sinn ergeben, wenn wir sie getrennt voneinander betrachten…

Die Perspektive, die ich hier anbiete, hat das Potenzial, unseren Blick zu verändern – auf uns selbst, auf einander und auf eine Vielzahl unserer Interaktionen mit Menschen unseres eigenen sowie des anderen Geschlechts. Unser Blick wird weiter und zugleich differenzierter. Wir erkennen: Das, was wir bislang für „typisch männlich“ oder „typisch weiblich“ hielten, ist in Wirklichkeit Ausdruck einer Polarität, die wir in jeder und jedem von uns finden können. Je tiefer wir diese Polaritäten in uns selbst und in einander zu erfassen vermögen, desto freier und bewusster werden wir miteiander (und immer wieder mit uns selbst!) in Begegnung treten. Und schließlich wer den wir erkennen: Das, was uns zuvor wie ein „Kampf der Geschlechter“ erschien, ist in Wirklichkeit eine Einladung zum Tanz.


Im Sommer 2020 hatte ich die Ehre und Freude, Tina Molin vom OWup Magazine ein längeres Interview zu diesem Thema und meiner Sicht darauf geben zu dürfen. Ich persönlich finde es sehr klar und lesenswert. Wer mehr erfahren möchte, findet hier den Link → „Wir leben nicht in einer Männerwelt, sondern in einer Yang-Kultur“


 

Die Frage nach der Gleichwertigkeit von Mann und Frau haben wir in unserer Kultur inzwischen glücklicherweise weitgehend hinter uns gelassen. Wer hierzulande sich noch berufen fühlt, das andere Geschlecht abzuwerten, tut dies in aller Regel aus ganz persönlichem, unverarbeitetem Leid heraus. Die meisten Ressentiments und *ismen beruhen auf dem Gefühl der eigenen Minderwertigkeit oder dem Fehlen liebevoller Zuneigung im Leben. Vermutlich wissen wir alle, wie sich dies anfühlt. Schenken wir diesen verletzten Seelen beiderlei Geschlechts unser Mitgefühl und noch ein wenig Zeit. Und helfen wir ihnen liebevoll dabei, zu erkennen, um wie viel potenzielles Glück sie sich mit ihren Sichtweise selbst betrügen.

Dies bedeutet mitnichten, dass es in Sachen Geschlechtergerechtigkeit in unserem Lande nichts mehr zu tun gäbe. Beispielsweise ist es bis heute in einigen Branchen Usus, Frauen für die gleiche Arbeit substanziell schlechter zu bezahlen als Männer gleicher Qualifikation. Noch immer existieren vermeintlich elitäre Kreise aus ältereren weißen Herren (und ihren jüngeren weißen Speichelleckern), die ihr Möglichstes dafür tun, Frauen jeglichen Zugang zu substanziellem Einfluss zu verwehren. Auch hier bei uns gibt es also noch eine Menge Luft nach oben. Allein die Tatsache, dass unsere Sprache zwar ganz selbstverständlich Begriffe wie „Familienvater“ und „Karrierefrau“ kennt, nicht aber die „Familienmutter“ oder den „Karrieremann“, sagt bei genauerem Hinsehen eine ganze Menge über uns aus. Findest du nicht…?!

Andererseits sind wir, wenn wir den Blick über die letzten 100 Jahre Geschichte schweifen lassen, bereits ein gewaltiges Stück vorwärts gekommen. Bundeskanzlerinnen und weibliche Parteivorsitzende sind in der Politik gefühlt längst ein alter Hut. Frauen kommentieren sportliche Großereignisse und moderieren Wirtschaftsjournale, betreiben wissenschaftliche Studien und lenken Unternehmen. Es stimmt durchaus, dass das Geschlechterverhältnis (noch) nicht im Gleichgewicht ist. Dies allein muss allerdings nicht bedeuten, dass unsere Kultur Frauen keinen Raum gäbe, sich zu entfalten.

Ich habe in diesem Zusammenhang ein kleines Experiment für dich:

Frage deine Freunde und Freundinnen doch einmal danach, wer von ihnen es für eine reizvolle Aufgabe halten würde, ein politisches Amt zu bekleiden, die Formel-1-Weltmeisterschaft live zu kommentieren, eine Expedition zum Südpol zu begleiten oder sich als Mitglied einer Sondereinsatztruppe der Polizei ausbilden zu lassen.

Spoiler: Die meisten heterosexuellen Frauen, die ich kenne, haben an derlei Dingen schlichtweg kein Interesse. Ganz ähnlich wie die meisten meiner schwulen Freunde. Ganz im Gegensatz übrigens zu den lesbischen Frauen, mit denen ich über dieses Thema sprach.

Ist das nicht irgendwie interessant…?! Wäre es möglich, dass wir irgendetwas übersehen…?!

Ich persönlich habe immer mehr den Eindruck, wir stellen uns die falschen Fragen.

Typisch „Frau“…?!
Typisch „Mann“…?!

Statt (mit immer wieder fadenscheinigen Argumenten) darüber zu debattieren, ob jetzt das eine oder andere Geschlecht für die eine oder andere Aufgabe besser oder schlechter geeignet sind als das jeweils andere, schlage ich vor, dass wir uns fragen: Was genau haben eigentlich Menschen gemeinsam, die sich von bestimmten Aufgaben herausgefordert oder gar wie magisch angezogen fühlen? Wenn wir es mit dieser Frage ernst meinen, dann werden wir schnell erkennen, dass der Blick auf unsere physische Grundausstattung uns hier nicht wirklich weiter bringt. Es sei denn natürlich, wir kneifen beide Augen so fest zu, dass wir all die Widersprüche ausblenden, über die wir dabei geradezu zwangsläufig stolpern werden…

Diejenigen Frauen, die wirklich Lust darauf hätten, Kanzlerin zu werden oder Vorstandsvorsitzende, Sportreporterin oder Soldatin, haben interessanterweise ein ganz spezifisches Persönlichkeitsfeature gemeinsam: Diese Frauen zeigen in ihrem Auftreten allzumeist eine große Klarheit, Geradlinigkeit und Rationalität, gleichzeitig oft jedoch auch etwas, das von Beobachter*innen als „kalt“, „hart“ oder „gefühllos“ bezeichnet wird. Für diesen Typ Frau hat unsere Kultur sich den vielsagenden Begriff „Karrierefrau“ ausgedacht. Der Straßenjargon ist weniger freundlich: „Das sind im Grunde gar keine echten Frauen; das sind nur Männer mit Brüsten.“

Klarheit, Straightness, Zielorientierung, Sachlichkeit, Verhandlungsstärke und Souveränität gelten in unserer Kultur nach wie vor als „typisch männliche“ Eigenschaften. Frauen, die diese Persönlichkeitszüge zeigen, widersprechen dieser kulturellen Grundannahme. Dasselbe gilt für Männer, für die diese Charaktermerkmale weniger relevant sind als andere; zum Beispiel Mitgefühl, Gemeinschaft, Schönheit, Spontaneität, Lebendigkeit und emotionale Intensität. Dies wiederum sind Facetten des Menschseins, die viele von uns (bislang noch) als „typisch weiblich“ in ihrem (unbewussten) Menschenbild verankert haben. Zarte, mitfühlende und emotional intensive Männer sind, wenn wir ganz, ganz ehrlich mit uns sind, für viele von uns dann doch „irgendwie halt nicht besonders männlich.“

Es ist leicht verständlich, dass derartige Aussagen von jenen, über die sie getroffen werden, zumeist als emotionale Kränkung empfunden werden. Nicht ganz so leicht zu verstehen ist, wie wir durch dieses Missverständnis unseres Menschseins auch uns selbst beschneiden und knechten.

Das, was wir für Unterschiede zwischen den Geschlechtern halten, ist in meinem Verständnis des Menschen ein polares Spektrum an Umgangsweisen mit der Welt und dem Leben an sich, vergleichbar mit der Klaviatur eines Flügels. Wir können auf dieser hohe so wie tiefe Töne spielen, in beliebigen Wechseln und Kompositionen. Die Phantasie von „typisch weiblichen“ und „typisch männlichen“ Charakterzügen suggeriert, dass jede und jeder von uns im Grunde nur eine Hälfte dieser Klaviatur ungestraft bespielen darf: „Ihr Männer spielt die tiefen Töne und ihr Frauen spielt die hohen. Wer sich dabei zu oft vergreift, wird öffentlich verhöhnt.“

Natürlich können wir das so machen. Das steht außer Frage. Aber mal ehrlich: Erscheint uns das wirklich wie eine besonders gut durchdachte Idee…?!

Typisch „Yin“
Typisch „Yang“

Halte deine Esoterik-Vermutung, wenn es geht, noch für einen Augenblick zurück. Ich selbst betrachte mich als wissenschaftlich denkenden Menschen. Wenn ich an dieser Stelle also Begriffe wie „Yang“ und „Yin“ ins Rennen führe, dann fühle ich mich ganz von allein intuitiv ein bisschen in Erklärungsnot. Dennoch sind es die besten Begriffe, die ich bislang gefunden habe, um die hier beschriebene Polarität, die vermutlich wir alle so oder öhnlich aus unserem eigenen Leben kennen, kurz und prägnant in Worte zu fassen.

Was genau bedeuten diese Worte eigentlich…?

Das schwarze Yin, das weiße Yang. Dieses Symbol der Polarität ist uns seit mindestens dreitausend Jahren bekannt. Und das übrigens nicht nur aus dem fernen Asien. Auch im Keltentum und in der Kultur des antiken Roms hatte dieses Zeichen offenbar seinen Platz.

Umgangssprachlich übersetzen wohl die meisten von uns die Worte „Yin“ und „Yang“ mit „weiblich“ und „männlich“. Womit wir in unserer Sache dummerweise keinen Schritt weiter wären. Ich gebe zu, dass diese begriffliche Verquirlung durchaus nachvollziehbar ist. Dennoch halte ich sie für nicht nur sachlich falsch, sondern kontraproduktiv obendrein. „Yin“ und „Yang“ stehen nicht für unsere Geschlechter. Sie stehen für mehr. „Yin“ und „Yang“ stehen für Prinzipien.

Yang und Yin: hell und dunkel, Licht und Schatten. Dies sind die ursprünglichen Bedeutungen. Dieses „Dunkle“ jedoch hat nichts Negatives oder Beängstigendes an sich. Es ist dunkel wie die Nacht, in die wir uns hingeben an die Liebe oder den Schlaf, wie der Schatten, der uns vor sengender Sonne bewahrt, und wie der weibliche Schoß, der aufnimmt und beglückt – und durch das Aufnehmen ins eigene Dunkle selbst Glück und Wonne erfährt.

Im weiteren Sinne bedeuten Yang und Yin: zielorientiert und intuitiv, planend und spontan, denkend und fühlend, aktiv und passiv, gebend und empfangend, sich nehmend und sich hingebend, die Welt kontrollierend und die Welt umarmend. Schauen wir hin: Das hat nichts mit „Mann“ oder „Frau“ zu tun. Es sind Energien, die jede und jeder von uns in ihrem und seinem Innersten vereint. Und über dies: Energien, die wir wie Werkzeuge zum Einsatz bringen können im Umgang mit dem Leben und der Welt.

Yin und Yang:

Yang, das die Welt nach seinem Willen formt.
Yin, das sie liebt und umarmt in all dem, was sie ist.

Yang, das geradlinig seine (oder ihre) Ziele verfolgt.
Yin, das mäandriert, das fließt, das sich dem Tanz des Lebens öffnet und in ihm erblüht.

Yang, die Entschlossenheit des klaren Bewusstseins.
Yin, die unvorhersehbare Gleichzeitigkeit aller nur denkbaren Möglichkeiten.

Im Zeichen des Yin-Yang trägt das weiße Yang in sich einen pulsierenden Kern aus schwarzem Yin. Das schwarze Yin hat ein lebendes Zentrum aus weißem Yang. Das ist mehr als antiker Symbolismus. Schauen wir in den Spiegel! Schauen wir uns wirklich ins Gesicht! Wir alle, jeder und jede von uns, vereinen in uns diese Polarität.

Die Essenz von Yin und Yang in uns

Gönnen wir uns ein kleines, vielleicht aber erhellendes Gedankenspiel:

Stell dir uns vor, du hättest einen Wunsch frei. Ein einziges, letztes Mal, und nur genau dieses eine, einzige, letzte Mal im Leben darfst du mit einem Menschen deiner Wahl (lebend oder verstorben, real oder fiktiv – du hast diesmal wirklich die asbsolut freie Wahl!) deine eigene sexuelle Essenz in ihrer ganzen Pracht und Fülle spüren und erfahren. Welche Kraft würdest du noch einmal, ein letztes Mal, in ihrer ganzen Pracht und Fülle spüren: Yin oder Yang?

Yang sagt: Gib dich mir hin! Ich will dich nehmen! Mit all meiner Liebe, Bewusstheit und Kraft forme ich deinen Leib und deine Lust. Ich raube dir den Atem durch meine unaufhaltsame Kraft, Präsenz und Energie. Gib dich mir hin, du Engel, auf dass du unter meinen Händen hundertfach erblühst in all deiner Schönheit, Heiligkeit und Fülle. Gib dich mir hin, meiner Präsenz und meinem unbändigen Willen. Ich nehme dich liebevoll bei der Hand und führe dich. Ich hebe dich über den Himmel hinaus zu den Sternen empor, in deren Mitte du in meinen Händen neu geboren wirst!

Yin sagt: Komm her zu mir, du göttliches Tier, du unbändige und unaufhaltsame Kraft! Komm zu mir, nimm und forme mich nach deinem freien Willen! Ich will mich dir geben, in dich fließen und um dich herum. Fülle mich aus und durchdringe mich! Ich will mich von deiner Präsenz und Energie davon reißen lassen aus allem, was mich in meinen irdischen Formen noch begrenzt. Ich gebe mich deinen Händen und deiner bebenden Liebe grenzenlos, willenlos und bedingungslos hin. Erfüllt von deinem Licht will ich blühen, auf dass meine Schönheit die ganze Welt umarmt. Nimm mich, forme mich und fülle mich aus! Trage mich auf deinen Händen über den Himmel hinaus bis zu den Sternen empor, auf dass ich die Welt erleuchten kann!

Ein einziges Mal in deinem Leben berührst du deine tiefste sexuelle Essenz durch die eines Partners oder einer Partnerin deiner absolut freien Wahl. Welche dieser Essenzen will in dir lebendig sein? Und welche Essenz wählst du zu deinem Partner, wäre dies das einzige, einmalige und letzte Spiel deiner polaren sexuellen Essenz?

Yang und Yin sind die Pole einer Dualität, so wie Tag und Nacht, hell und dunkel, Subjekt und Objekt. Geprägt durch das christliche Verständnis von Gott und Satan bzw. „gut“ und „böse“, sind wir es gewohnt, die zwischen den Zeilen mitgefütterte Bewertung und Zäsur ebenfalls zu schlucken. In eine Seite nämlich, die gut oder richtig ist, und eine andere, die böse ist oder schlecht. Geübt in wirtschaftlichen und naturwissenschaftlichen Begriffen können wir auch sagen: weiter entwickelt oder unterentwickelt, höherwertig oder minderwertig. Welche Worte wir auch wählen, immer wieder unterliegen wir der Falle, die Welt in „kategorisch richtig“ oder „kategorisch falsch“ zu unterteilen. Mir persönlich ist privat wie weltgeschichtlich kein Ereignis bekannt, das durch diese Art des Denkens zu seinem Besten gelöst worden wäre.

Yin und Yang sind nicht böse oder gut. Sie sind schlicht polare Gegensätze, die das Prinzip einer Wechselwirkung zum Ausdruck bringen: Je mehr Raum das eine in unserem Leben und Erleben einnimmt, desto weniger Raum bleibt uns für das andere. Gemeinsam ergibt sich hieraus ein relativ stabiles Verhältnis aus Yang und Yin in jeder und jedem uns.

Interessant ist, was passiert, wenn wir auf einen Menschen treffen, der ein relativ spiegelverkehrtes Spektrum an Yin und Yang mitbringt. Sollte dieser Mensch nicht aus kategorischen Gründen (falsches Geschlecht, falsches Alter, schwere gesundheitliche oder moralische Bedenken) als Sexualpartner mit einem „Veto“ belegt sein, so wird er oder sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen deutlich spürbaren Reiz in uns hinterlassen. Ebenso wie wir bei ihm oder ihr. Wie die Geschichte weitergeht, hängt ab von den individuellen Bedingungen der Situation.

Wir können entscheiden, ob wir der Anziehung folgen oder nicht. Aber wir können nicht entscheiden, ob wir sie spüren und uns von ihr angezogen fühlen. Schopenhauer sagte sehr schön: „Wir können zwar tun, was wir wollen, aber wir können nicht wollen, was wir wollen.“ Dies lässt sich weiter zuspitzen. Wir können nämlich weder nicht wollen, was wir wollen, noch können wir wollen, was wir nicht wollen. Ist das nicht erfrischend?! Die Krise im heimischen Schlafzimmer im Lichte philosophischer Erkenntnislehre…

Was ist meine Essenz?

Das weiße Yang, das schwarze Yin, jedes von ihnen trägt in sich einen Kern der anderen Polarität. Natürlich: Wir wollen beides. Denn wir sind beides! Wir sind nicht Entweder-Oder. Wir sind Sowohl-Als-Auch! Wir wollen nehmen und genommen sein. Wir wollen unseren Partner zum Leuchten bringen, und wir wollen unter seinen oder ihren Händen weich und formbar werden wie goldenes, lebendes Licht.

Und doch fühlen die meisten von uns sich mehr der einen als der anderen Seite der Polarität verbunden. In den Allermeisten von uns sind Yin und Yang eben nicht gleichgewichtig verteilt. Von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen hat jede und jeder von uns gewissermaßen eine innere Vorliebe für das Yin oder das Yang.

In unserem unverschämten Gedankenspiel vorhin, wie ist es dir da ergangen? Welche energetische Qualität hast du gewählt?

Das Gleichgewicht der Kräfte

Richtig spannend wird die Frage in meinen Augen, wenn wir nicht nur darauf schauen, welche dieser beiden essenziellen Energiqualitäten in dir oder mir die Oberhand hat, sondern darauf, in welchem Verhältnis sich diese Kräfte in uns vereinen. 60% Yin heißt 40% Yang. 80% Yang heißt 20% Yin. Von wenigen Ausnahmen abgesehen sind Yang und Yin in uns Menschen nicht im Gleichgewicht. Das heißt, die Polarität der Kräfte in uns sucht nach einem anderen Menschen, braucht ihn, um sich zu harmonisieren, um eins zu sein und ganz zu sein. Und wir finden sie in unserem polaren Gegenstück.

Die Sehnsucht unserer erotischen Essenz nach Harmonie hat nichts mit rationalen Entscheidungen zu tun. Und sie schert sich nicht darum, was wir an Plänen und Vorstellungen vom Leben oder unserer Partnerschaft haben. Eine Frau mit 80% Yin und 20% Yang sehnt sich nach einem Mann mit 80% Yang und 20% Yin. Einen Mann mit 60% Yang und 40% Yin ziehen Frauen wie magisch an, die in sich 60% Yin und 40% Yang vereinen.

Auch in homoerotischen Liebes- und Sexualbeziehungen finden wir das gleiche Prinzip wieder. 30% Yang und 70% Yin sucht nach 70% Yang und 30% Yin. Und so weiter und so fort.

In aller Regel überwiegt in den meisten klar heterosexuellen Männern die Energie des Yang. Die allermeisten eindeutig heterosexuellen Frauen tragen in ihrem innersten Kern die göttliche Essenz von Yin. Homo- und bisexuelle Männer und Frauen haben ein etwas anderes Mischungsverhältnis. Aber all das ist kein Gesetz. Es gibt ebenso Yang-Frauen, wie es Yin-Männer gibt (mit jeder Art von sexueller Ausrichtung). Aber auch hier gilt: eine Frau mit 70% Yang sucht ihrem Wesen nach nach einer/einem Partner*in mit 70% Yin. Alles Andere ist für sie nicht atraktiv. Ein Mann mit 90% Yin verzehrt sich nach einer Frau (oder einem Mann oder *) mit 90% Yang.

Das Verhältnis dieser Kräfte ist nicht über das Leben stabil. Wir entwickeln uns weiter, verändern uns. Dadurch verändern sich auch unser Bild von uns selbst und unsere Strategien im Umgang mit der Welt. Ebenso und währenddessen verändern und verschieben sich auch unsere Vorlieben, Wünsche und Sehnsüchte in Sachen Liebe, Partnerschaft und Sexualität. Wenn wir uns in einer – möglicherweise schon seit vielen Jahren mehr oder weniger stabilen – Partnerschaft befinden, und sich das Verhältnis der Kräfte in uns durch äußere oder innere Prozesse verschiebt, das unseres Partners verändert sich währenddessen allerdings nicht entsprechend mit, kann dies für unsere Partnerschaft zu einer unangenehmen Feuerprobe werden. Umso mehr, wenn wir es bis dato nicht gelernt haben, miteinander offen und liebevoll über unsere Sehnsüchte und Wünsche zu sprechen.

Ganz Mann. Ganz Frau. Ganz Intersex.

Die Gender-Debatte hat uns nicht nur die Option zum dritten Geschlecht gebracht. Vor allen Dingen führt sie uns immer wieder vor Augen, dass in Sachen Sexualität der alleinige Blick auf unseren Körper zu kurz greift. Wir sind schlichtweg nicht allein das Ergebnis genetischer Faktoren, sondern auch kultureller, memetischer. Wir haben Selbstbilder und soziale Konzepte, Prägungen und Vorlieben.

Hier geht es nicht um richtig oder falsch. Hier geht es um „Was tut mir gut, und wonach sehne ich mich?“ „Yang und Yin“ sind keine Wahrheit, keine wissenschaftlich präzise messbaren Fakten, sondern lediglich ein hilfreiches und nützliches Modell.

Ein Verständnis der Polarität von Yin und Yang jedoch kann mir und dir helfen, uns selbst und andere Menschen besser zu verstehen. Warum dein/e Partner*in dich weniger anziehend findet als deinen Bruder. Warum er oder sie dich nicht mehr kickt seit jenem Karrieresprung oder Karrieresturz. Warum du (oder er oder sie) dich immer nach einem sehr ähnlichen Typus von Frau oder Mann (oder *) umschaust. Auch kann es dir helfen, mit deinem Liebes- oder Sexualpartner mit einigen neuen Vokabeln vielleicht präziser über das zu sprechen, was ihr vermisst oder euch voneinander wünscht.

Was unsere Sexualität angeht, sind wir mehr als unsere sozialen Rollen und (oftmals vor Urzeiten eingerosteten) Selbstkonzepte. Wir sind mehr als unsere Körper, mehr als das, was man von außen sieht und mehr als unsere Gene. Hinter all dem sind wir lebendige Teilhaber in einem Spiel polarer Anziehung und Abstoßung. Einer Polarität, die größer ist und mächtiger als all unsere Pläne, all unsere Selbstbilder und die verkopften Vereinbarungen, denen wir irgendwann mal zugestimmt haben. Wir können den Magnetismus dieser Dualität durchaus eine Zeit lang unter Kontrolle halten, wenn uns dies wichtig erscheint. Aber das erfordert eine ganze Menge an Entschlossenheit, Bewusstheit, Selbsterkenntnis und Energie. Und manchmal werden uns die Energien in uns unerbittlich prüfen.

Schwarz sehnt sich nach weiß. Yin verzehrt sich nach Yang. Das Tier in uns sucht in unserem Gegenüber den Engel. Und umgekehrt.

Ganz Mann oder Frau, besser vielleicht: Ganz Mensch zu werden heißt in meinen Augen nicht zuletzt, uns selbst in all unseren Fähigkeiten und Grenzen, Vorlieben und Sehnsüchten wirklich anzunehmen und lieben zu lernen. Meine Erfahrung ist diese: Je mehr wir uns selbst wirklich anzunehmen und zu ehren bereit sind für all das, was wir und wie wir wirklich sind, desto mehr können wir der Welt wirklich zu dem Geschenk werden, das wir ihr in diesem Leben sein könnten. Ein bedeutender Schritt auf diesem Weg liegt meines Erachtens darin, die polaren Energiequalitäten von Yang und Yin in uns erkennen zu lernen und schließlich als Teil unserer eigenen Ganzheit anzunehmen.

Wer sowohl das Yang wie auch das Yin in sich annimmt, kann ebenso mit ganzem Herzen führen wie mit ganzem Herzen folgen, kann ebenso schenken wie empfangen, weiß mit dem Schlagbohrer ebenso umzugehen wie mit der Weihnachtsdekoration.

Gleich und gleich gesellt sich gerne. Das ist wahr. Doch was uns derart anzieht, dass wir uns miteinander ausziehen wollen (wie ein unerbittlicher, lustvoller Magnet)… ist der Unterschied.

Das Spiel oder den Tanz von Yang und Yin zu verstehen, kann uns also sehr dabei behilflich sein, uns selbst und einander besser zu verstehen und besser, weil treffender, miteinander zu kommunizieren.

Doch die Polarität, die ich hier beschrieben habe, hat nicht nur Auswirkungen auf unsere Interaktionen in den Feldern der Liebe und Lust, sondern auch auf alle anderen Bereiche unseres menschlichen Miteinanders. Sie beeinflusst unsere Art zu wirtschaften, unser Verständnis von Innen- wie Außenpolitik, unseren Umgang mit Krisen wie mit unserem Planeten, unsere familiäre ebenso wie unsere mediale Kultur.

Auch in diesen Bereichen bekommen wir durch das Verständnis von Yang und Yin Zugang zu Stellschrauben, die wir bislang möglicherweise übersehen haben.

What the world needs now…
(Der wahre „Gender Gap“)

Was unsere Kultur, in Politik und Ökonomie, in Wissenschaft und Verwaltung, meines Erachtens mehr als dringend braucht, sind nicht (nur) mehr Menschen mit einem X- und einem Y-Chromosom in den Genen – also sogenannten „Bio-Frauen“. Selbstverständlich begrüße ich von ganzem Herzen (!) jeden Schritt in Richtung höherer Diversität in allen entscheidenden Gremien und Instanzen. Gleichwohl bin ich der Überzeugung, dass nicht das es sein wird, was uns den Wandel bringt.

Wie oben beschrieben fühlt sich derzeit nur ein geringer Anteil an Frauen dazu berufen, in Wirtschaft, Politik oder Wissenschaft auf Führungsebene mitzugestalten. Es werden immer mehr. Das heiße ich sehr willkommen. Gleichzeitig ist es in unserer Kultur bislang so, dass Frauen wie Männer, die an die Schalthebel der Macht kommen wollen, dies in vielen Fällen nur dadurch erreichen, dass sie alles, was in ihnen weich und mitfühlend ist, impulsiv und spontan, ganzheitlich und synergetisch, aus ihrem Selbstverständnis ausblenden oder unterdrücken.

Zu lange, so deute ich die Lage der Welt, haben wir uns einreden lassen und selbst eingeredet, dass allein das Yang-Prinzip („Höher, schneller, weiter – tschakka, du schaffst es!“) uns führen und retten könne. Das war zwar nicht vollständig dumm, aber es war dennoch nicht zuende gedacht.

Ja, es stimmt: Das Yang-Denken hilft uns massiv dabei, Ziele zu verfolgen oder Probleme zu lösen. Was Yang nur leider überhaupt gar nicht kann, ist den Augenblick genießen, und zwar nicht einmal den seines größten Erfolges. Yang registriert lediglich Zielerfüllungsgrade. Yin spürt und erfährt das ganze, pure Leben. Die Niederlage ebenso wie den Triumph.

Die Welt, in der wir leben, ist hochtechnisiert, voller Möglichkeiten und Optionen. Die Menschen in ihr aber leiden fortschreitend an sozialer Verarmung und Einsamkeit, an Depressionen, an Ängsten und emotionalem Schmerz. Ich sage: So sieht eine Welt aus, die seit Generationen ihr Yin unterdrückt.

Zum Leidwesen der Prediger des Rationalismus indes ist die polare Kraft des Yin ein integraler Bestandteil unseres Menschseins. Das Irrationale und Empathische, das Impulsive und Intensive, verschwindet nicht, nur weil es kulturell geächtet wird. Es will leben, und es findet seine Wege. Dafür hat es schließlich inzwischen lang genug im Untergrund gelebt. Überdies hat es in diesem Spiel recht gute Karten. Während Yang nämlich, in all seiner vermeintlich klugen Rationalität, maximal Zufriedenheit bieten kann, lockt Yin unverhohlen mit Erfahrungen puren, intensiven Glücks. Wer kann dazu schon auf Dauer „nein“ sagen…?! Oder besser: Was, wenn wir dazu gar nicht „nein“ sagen müssten…?!

Wenn wir einen offenen und ehrlichen Blick in unser Leben wagen, dann werden wir erkennen, wie unsinnig und darüber hinaus unnötig es ist, uns wahlweise nur durch unsere rationale oder unsere emotionale Seite zu definieren.

Wer Zugang hat zu seinem oder ihrem Yang, kann im Angesicht aller Stürme des Lebens aufrecht und unbeugsam zum eigenen Weg und den eigenen Werten stehen. Wer mit seinem oder ihrem Yang in Verbindung ist, kann klare Entscheidungen treffen und diesen konsequent folgen. Aus der Kraft unseres Yang heraus verstehen wir unser Leben und die Welt und wirken lenkend oder ordnend darauf ein. Immer, wenn wir Ärger verspüren, spüren wir darin die unbändige Entschlossenheit und Kraft unseres Yang. Yang ist großartig, denn es lässt uns Großes bewirken.

Aber natürlich kann unser „Yang“ auch entarten und degenerieren. Vieles von dem, was derzeit unter den Begriff der „toxischen Männlichkeit“ subsummiert wird, ist in meinen Augen „degeneriertes Yang“. Die Verhaltensweisen, die hiermit verbunden sind übrigens, finden wir, wenn wir genau hinschauen, bei allen Geschlechtern, und nicht nur bei den Männern.

Wer in Kontakt ist mit seinem oder ihrem Yin, erfährt das Leben als multisensualen Augenblick. Wer mit seinem oder ihrem Yin verbunden ist, verbindet sich auch mit den Menschen um ihn oder um sie herum. Yin ist zutiefst empathisch. Yin spürt ganz genau, wenn etwas vor sich geht. Yin hat mehr Antennen, als es selber zählen kann. (Allerdings zählt Yin auch nicht besonders gerne.) Unser Yin ist es, das uns dazu befähigt, die Welt und unser Leben, unser Gegenüber wie uns selbst, mit offenen Armen anzunehmen und zu umarmen. Nicht zuletzt in der Traurigkeit, im schmerzhaften Prozess des Annehmens, kommen wir in direkten Kontakt mit unserem Yin. Ebenso wie in jedem anderen Moment, in dem wir uns dem Leben, einem Menschen oder unserer Lust ganz und gar schutzlos hingeben. Yin ist im wahrsten Sinne wundervoll; es bringt uns wahrhaftig in Kontakt mit den Wundern unseres Lebens.

Erkennen wir langsam, wie wichtig und hilfreich es ist, unsere verkrusteten Vorstellungen davon, was es bedeutet, „Mann“ zu sein oder „Frau“ zu sein, über Bord zu werfen…?! Erkennen wir langsam, wie sehr wir uns selbst beschränken, wenn wir nur eine Hälfte unserer Klaviatur bespielen…?! Erkennen wir langsam, was uns möglich wird, wenn wir sowohl unser Yang als auch unser Yin wirklich umarmen und in unserem Leben willkommen heißen…?!

Stellen wir uns vor, wie das wäre: Eine Kultur, in der Rationalität und Emotionalität keine Widersprüche wären… Eine Kultur, die ihr Yang ebenso feiert und ehrt wie ihr Yin… Eine Kultur, in der Sensibilität und Empathie genauso hoch angesehen sind wie Entschlossenheit und Intelligenz… Was könnte das wohl für eine Kultur sein?

Nun vielleicht wäre das eine Kultur, in deren Bildungsverständnis nicht nur Lesen und Schreiben eine Rolle spielten, sondern auch Selbstreflektion und empathische Kommunikation, nicht nur Arithmetik und Geometrie, sondern auch Psychologie und Philosophie. Vielleicht wäre dies eine Kultur, in der Synergien und Wechselwirkungen ebenso bedeutsam wären wie Kennzahlen und Ergebnisse. Vielleicht wäre dies eine Kultur, die die Brillianz ihrer Wissenschaftler und Ingenieurinnen bewusst und entschieden dafür nutzt, den Menschen, die in ihr leben, möglichst viele Gelegenheiten des Glücks und der Fülle zu bescheren. Ganz sicher wäre dies eine Kultur, die ich persönlich allzu gerne einmal ausprobieren würde.

Wir sind heute im Stande, das All zu bereisen und Nanoroboter zu bauen. Sicher, da ist noch einiges mehr möglich, aber zum Glück darf da auch noch eine Menge mehr passieren. Im Lichte von Yin und Yang wird in meinen Augen sehr deutlich, dass der kulturelle Wandel, der jetzt ansteht, nicht das Ziel haben kann, von einer dieser Polaritäten in die andere zu wechseln. Das ist, als würden wir uns statt der rechten Hand nun die Linke auf den Rücken binden. Der kulturelle Wandel, der in meinen Augen längst begonnen hat, ist kein Umsturz, sondern eine Transformation. Der Unterschied ist: Wir behalten das, was uns gute Dienste geleistet hat, doch wir ergänzen es um jene Teile, die im Laufe der Zeit scheinbar zuerst verloren und dann vergessen wurden.

In diesem Sinne bin ich davon überzeugt, das, woran es uns wirklich fehlt, sind nicht mehr Frauen in Führungspositionen – zumindest bei Weitem nicht nur. Was uns dringend fehlt (nicht nur aber doch insbesondere auf diesen Posten!) sind Menschen, deren Entscheidungen ebenso auf Ratio beruhen wie auf Empathie. Wir brauchen Menschen, die gewillt und in der Lage sind, sich von den Gefühlen anderer Menschen berühren zu lassen. Wir brauchen Menschen, die im Stande sind, in Synergien und Wechselwirkungen zu denken, und denen mehr daran gelegen ist, nachhaltig für die Gesamtgemeinschaft gute als individuell medial verwertbare Lösungen zu finden.

The times, they are…

Die Corona-Krise hat viele von uns in Kontakt gebracht mit ihrer eigenen Verletzlichkeit. Pläne wie Gewissheiten zerbröselten uns zwischen den Fingern zu Staub. Jeder Tag und jede Woche kann uns potentiell vor eine vollkommen neue Situation stellen. Wo bricht die Infektion als nächstes aus? Wie wird die Politik reagieren? Welche Auswirkungen hat all dies auf mein Leben?

Und machen wir uns nichts vor: Corona ist nicht die einzige Krise (und möglicherweise noch nicht einmal die einzige Pandemie), mit der wir es derzeit zu tun haben und in Zukunft immer deutlicher zu tun bekommen werden. Die weltweite Flüchtlingskrise und die globale Klimakrise haben gerade erst begonnen. Es kommt ganz offensichtlich in den kommenden Jahren noch so einiges auf uns zu…

All diese Krisen sind geprägt von einem hohen Maß an Unvorhersehbarkeit und Komplexität. Spontane Ereignisse können ungeahnte Auswirkungen nach sich ziehen, scheinbar unbedeutende Faktoren massive Effekte haben. Werkzeuge, die gestern noch einwandfrei zu funktionieren schienen, können morgen schon nutzlos sein. Gewissheiten zerstäuben zu bloßen Wahrscheinlichkeiten. Die Welt zeigt uns ihr Yin-Gesicht. Wir können dies als Bedrohung empfinden. Oder aber als eine Einladung.

Die Krisen unser Welt, die durch das übersteigerte Yang-Denken der vorangegangenen Generationen geschaffen wurden, fordern uns in meinen Augen ebenso eindeutig wie eindrücklich dazu auf, unser Verständnis von uns selbst und unser Verständnis der Welt radikal zu erweitern. Das, was die kommenden Jahre und Jahrzehnte mit sich bringen werden, fordert immer wieder unser Bestes heraus. Unser Mitgefühl ebenso wie unseren Verstand, unser Zartheit ebenso wie unsere Entschiedenheit, unsere Spontaneität ebenso wie unsere Beharrlichkeit.

Hören wir also bitte damit auf, heute und hier, uns selbst zu beschneiden durch anachronistische Vorstellungen, die uns zu vermitteln versuchen, dass sowohl Männer als auch Frauen irgendwie grundsätzlich beschränkt wären auf bestimmte „typische“ Eigenschaften! Erlauben wir uns, heute und hier, uns selbst in unserer ganzen Fülle und Größe zu erkennen! Wir alle, jeder und jede von uns, vereinen in uns all das, was bei uns als „typisch männlich“ gilt, und all das, was bei uns als „typisch weiblich“ gilt. Und wenn es eine Sache gibt, die die aktuellen Krisen mir unmissverständlich erklären, dann dies: Wir alle, jede und jeder von uns, brauchen Zugang zu beiden Energiequalitäten in uns, wenn wir die anstehenden Jahre und all den Wandel, den sie mit sich bringen werden, selbstbestimmt und emotional gesund überstehen wollen.

Besseren Sex erleben wir dadurch auch noch…

Worauf warten wir eigentlich…?!

 

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Lies hier weiter:

„Wir leben nicht in einer Männerwelt, sondern in einer Yang-Kultur“
(Interview mit Tina Molin im OWup Magazine)

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