Die transformative Kraft der Reue…

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Die transformative Kraft der Reue…

                                 

Der höchste Lohn für unsere Mühen liegt
nicht darin, was wir dafür bekommen,
sondern darin, was wir dadurch werden.

John Ruskin (1819 – 1900)

    

Jeder Heilige hat eine Vergangenheit,
jeder Sünder hat eine Zukunft.

Oscar Wilde (1854 – 1900)

    

Wirklich aufrichtig zu sich selbst zu sein,
ist eine gute Übung.

Sigmund Freud (1856 – 1939)

Das innere Gericht stellt uns drei Fragen:

01 – Was habe ich getan…?
02 – Was habe ich dafür bekommen…?
03 – Was bin ich dadurch geworden…?

                                 

Reue – ein wirklich unbequemes Gefühl

Eines der überaus unbequemen Gefühle, mit denen ich es in meinem Leben und insbesondere in meiner Praxis immer wieder zu tun bekomme, ist die Reue, im Straßenslang oft auch als „Schuldgefühl“ bezeichnet… Ich persönlich vermeide letzteren Begriff bewusst, seit mir irgendwann aufgefallen war, dass er uns nahezu immer in die Irre führt…

Tatsächlich freue ich mich darüber, wenn sich in einem Gespräch mit einem Klienten oder einer Klientin Reue zeigt… So unangenehm dieses Gefühl auch ist, so initiiert es meiner Erfahrung nach doch erstaunlich oft eine Art von Transformationsprozess, der über diverse Banden schließlich dazu führt, dass der Mensch, der die emotionalen Achterbahnfahrten, die damit verbunden sind, durchlaufen hat, sich selbst und das eigene Leben danach mit offeneren Augen sieht als jemals zuvor…

Die Reue will uns nicht schwächen… Sie will uns stärken…

Reue tut weh… Immer… Sie öffnet emotionale Wunden, schabt alten, verkrusteten Eiter und Schmock aus ihnen heraus und mit ein bisschen Glück desinfiziert sie sie hinterher gleich mit… Die Reue will uns nicht richten, sondern uns heilen und befreien… Hierauf gehe ich weiter unten noch ein wenig näher ein… An dieser Stelle vorab nur jenes: Das Ziel der Reue ist niemals die Selbstbestrafung, sondern immer die emotionale Heilung unserer Vergangenheit… Mit weniger gibt sie sich nicht zufrieden… Da hat sie schließlich ihren Stolz…

Meinem Modell unserer Gefühle zu Folge ist die Reue eine komplexe Form der Traurigkeit und als diese überaus eng verwandt mit der Scham… Dennoch sind Reue und Scham zwei verschiedene Gefühle…

Die Reue bezieht sich immer auf vergangene Taten, während sich die Scham auf unser Sein und Wesen an sich bezieht…

Die Scham sagt: „Ich bin nicht gut, weil etwas an mir und meinem Sein grundlegend falsch, minderwertig oder sonstwie verachtenswert ist…!“

Die Reue sagt: „Ich bin nicht gut, weil ich Dinge getan habe, die falsch, minderwertig oder sonstwie verachtenswert sind…!“

Der Unterschied mag gering erscheinen, aber er ist doch bedeutsam… Im Umgang mit der Vergangenheit nämlich haben wir keine Chance, Dinge noch zu verändern… Wir haben einzig und allein die Wahl, ob wir lernen wollen, diese Dinge entweder als Teil unserer eigenen Geschichte anzunehmen, was immer irgendwie schmerzhaft ist, oder ob wir unsere Lebenskraft lieber dafür aufwenden wollen, diese früheren Ichs in unserer Lebensgeschichte mit all ihren unbequemen Reuegefühlen zu ignorieren, auszublenden und dadurch in den psychischen Untergrund zu verbannen und dort sich selbst zu überlassen…

                                 

Geschichten der Reue…

Ich sprach mit einer Geschäftsfrau*, die ihre geschäftliche Position auf unehrenhafte Weise ausgenutzt hatte, um einem Mann zu gefallen – was ihr später aus gleich mehreren Richtungen her mehr als heftig um die Ohren flog…

Ich sprach mit einem Unternehmer*, der großartig darin war, sein Geschäft aufzubauen, nur um eines Tages festzustellen, dass er zwar eine Ehefrau und Kinder hatte, jedoch keinerlei emotionale Beziehung mit auch nur einem dieser Menschen…

Ich sprach mit Menschen*, die ihr Leben über lange Jahre mit einem gefühllosen, emotional instabilen oder sogar brutalen Partner verbracht (und vielleicht sogar Kinder zur Welt gebracht) hatten, aus schierer Angst davor, die Achtung oder den Halt ihrer Familie oder Gemeinschaft zu verlieren, wenn sie genau dies nicht täten…

Ich sprach mit Menschen*, die ihre Liebespartner:innen getäuscht und betrogen hatten – und dadurch das Vertrauens-Fundament einer wirklich wertvollen Partnerschaft zerbrachen…

Ich sprach mit Menschen*, die über Jahre oder gar Jahrzehnte auf jede Form sexueller Erfüllung verzichtet hatten, weil Teile in ihnen aus den Erfahrungen ihrer Vergangenheit heraus den Schluss gezogen hatten, dass diese ihnen nicht zustünde oder diese ganz grundsätzlich unbedeutend oder unerreichbar wäre…

Ich sprach mit Menschen*, die aus Selbstunsicherheit, Naivität oder innerer Rebellion heraus Dinge taten oder mit sich haben tun lassen, die sie selbst (bzw. besser: Teile in ihnen) sich selbst seither als „selbstverleugnend“, „würdelos“ oder „billig“ vorhalten…

Ich sprach mit einem Lehrer*, der irgendwann entdeckte, dass er aus Unbedachtheit und Unbewusstheit heraus über Jahre bestimmte Schüler:innen seiner Klassen geradezu regelmäßig direkt bis indirekt ausgegrenzt und voraussichtlich regelmäßig emotional gekränkt hatte…

Ich sprach mit einer Soldatin*, die im Rahmen eines „Kriseninterventionseinsatzes“ Menschen (Vätern, Müttern, Brüdern, Schwestern, Söhnen, Töchtern…) das Leben nahm – und damit nun für den Rest ihres Lebens leben durfte…

(* Einzelheiten zum Schutz meiner Klient:innen verändert…)

All diese Geschichten handeln von Reue… Und nicht wenige außerdem leider auch von Selbstverurteilung…

                                 

Selbstverurteilung verhindert Reue…

Die Traurigkeit ist meinem Verständnis unserer Gefühle nach jene emotionale Kraft in uns, die uns dazu befähigt, all das anzunehmen, was wir nicht ändern können, so überaus gerne wir dies auch wollten… Die gilt auch für all ihre komplexen Formen wie Scham, Sorge, Einsamkeit, Sehnsucht oder eben: Reue…

Die Reue führt uns immer wieder gedanklich zurück in vergangene Situationen, in denen wir Dinge entschieden oder taten, die Teile in uns im Nachhinein dessen zutiefst bereuen… Die Reue führt uns vor Augen, was wir nicht mehr verändern können… Sie lässt uns wieder und wieder erleben, wie wir selbst oder andere Menschen durch unsere unbedachten Entscheidungen oder Taten auf die eine oder andere Weise emotionales Leid erfuhren…

Reue tut weh… Abhängig davon, was genau wir taten oder entschieden, und welche Auswirkungen genau dies hatte, tut es manchmal ein wenig weh, manchmal furchtbar und manchmal geradezu unerträglich…

Die Selbstverurteilung dagegen, welche für manche Menschen aus ihren bisherigen Lebenserfahrungen heraus mit der Reue integral einhergeht, ist in Wirklichkeit eine ganz eigene emotionale Reaktion im Umgang mit Reue oder Scham… Sie entspringt emotional eher dem Ärger als der Traurigkeit, will also nicht annehmen, sondern ändern, was ist…

Im Fall der Reue jedoch gibt es nichts zu verändern, weil alle Taten, um die es geht, in der Vergangenheit liegen… Also versucht der Mensch, der unter Selbstverurteilung leidet, alles in seiner Macht stehende, um die ganze Welt und bestenfalls auch sich selbst davon zu überzeugen, dass all diese Dinge niemals nie geschehen sind… Das allerdings führt niemals zur Integration dessen, was war, sondern immer nur maximal zu ihrer Verdrängung…

Reue ebenso wie Scham dienen unserem Wachstum, unserer Selbsterkenntnis und dadurch Selbstentfaltung und sind daher, wie ich stark vermute, bereits genetisch in uns verankert… Im Falle der Selbstverurteilung dagegen handelt es sich dabei nicht um eine konstruktive Form der Anpassung oder Entwicklung, sondern um einen familiär, kulturell oder sonstwie sozial erworbenen Reflex dysfunktionaler Selbstsabotage… Da unsere schmerzhaften Erinnerungen nicht gelöscht werden können, werden diese abgespalten und manipulieren fortan aus dem Verborgenen heraus unsere Wahrnehmung, unser Denken und unser Fühlen…

Wer in prägenden Jahren seines Lebens umgeben war von Ignoranz, von Missgunst oder sogar Feindseligkeit beispielsweise, erwirbt nicht selten eine Neigung dazu, sich selbst und andere Menschen für jegliche Art von Unvollkommenheit zu verurteilen und zu verachten… Manche Kinder verurteilen oder schlagen sich selbst, weil sie gelernt haben, dass Mama oder Papa eben damit aufhört, wenn sie dies selbst übernehmen… Manche Kinder hörten einfach so oft, dass sie nie etwas richtig machen würden, dass sie diese Einflüsterung schließlich mit ihrem eigenen Selbstbild verwoben… Solche Lernerfahrungen, nicht selten noch dazu wiederholt eingeprägt unter hohem emotionalen Stress, brennen sich oft so tief in eine menschliche Psyche ein, dass sie nur allzu leicht als Charakterzüge missgedeutet werden…

Selbstveruteilung also ist eben nicht integraler Bestandteil der Reue, sondern nur eine mögliche emotionale Reaktion auf diese… Ich persönlich allerdings empfehle aus meinen eigenen Erfahrungen heraus, wenn irgend möglich lieber auf diese Zusatz-Option zu verzichten…

                                 

Reue fermentiert vergangene Fehler…

Worum geht es im Gefühl der Reue wirklich…? Worin besteht ihr Kern…?

Auf Basis unzähliger sehr emotionaler Gespräche mit vielen anderen Menschen und mir selbst komme ich zu der Auffassung:

Die Reue führt uns eben jene vergangene Entscheidungen oder Taten immer wieder in Gedanken vor Augen, die bislang noch keinen stimmigen Platz in unserer eigenen Lebensgeschichte gefunden haben… Die Reue richtet ihre Scheinwerfer auf die verbannten und geächteten Anteile in uns… Sie zeigt uns, wo wir uns auf Arten und Weisen verhalten haben, die wir selbst „eigentlich“ ablehnen oder fürchten… Sie zeigt uns, wo wir uns rachsüchtig verhalten haben, niederträchtig, verantwortungs- oder würdelos…

Das Ziel der Reue jedoch besteht nicht darin, uns zu bestrafen oder klein zu machen, sondern darin, aus unserer Vergangenheit zu lernen für die Zukunft… Die Reue will uns nicht schwach machen, sondern stark… Sie führt uns vor uns selbst vor Gericht, das stimmt… Vor diesem Gericht aber gibt es nur ein einziges gültiges Ergebnis… Und das lautet: „Freispruch…!“ Erst, wenn dieses Urteil innerlich gesprochen wurde, wird diese Akte geschlossen und ins Regal der eigenen Lebensgeschichten einsortiert…

Anders ausgedrückt: Du kannst dich selbst für dein Verhalten in der Vergangenheit ablehnen, verurteilen oder bestrafen, so viel du willst… Auf die Stärke oder Dauer deiner Reuegefühle indes hat all dies keinen Einfluss… In dem Augenblick jedoch, in dem die bislang geächteten oder verbannten Puzzleteile aus der eigenen Lebensgeschichte sich in eben dieser auf eine gute und wirklich stimmige Weise einfügen, zeigt sich schlagartig die transformative Kraft der Reue…

In diesem Augenblick verwandelt die Reue sich und dich…

                                 

Vor Gericht mit uns selbst…

Die Psyche des Menschen ist meiner Erfahrung nach kein Singular, sondern ein integraler Plural… Ich glaube, es gibt unzählige innere Anteile in uns, unter anderem jede Menge frühere Versionen von uns, die uns bis an das Ende unseres Lebens als Teil unserer Psyche begleiten werden, und die sich in dieser wahlweise geachtet oder verachtet fühlen – und sich dem entsprechend verhalten werden…

Ich glaube zutiefst, jeder und jede von uns tut zu jedem Zeitpunkt unseres Lebens, das Beste, was uns einfällt, um möglichst unsere wichtigsten körperlichen und/oder psychischen Bedürfnisse zu erfüllen… Welche Wahl wir in welcher Situation treffen, hängt also nicht zuletzt davon ab, welche Handlungs- oder Reaktionsmöglichkeiten wir in solchen Situationen überhaupt jemals als wirksam miterlebt oder bestenfalls sogar bereits ausprobiert und am eigenen Leibe erfahren haben…

Das gilt nicht nur für das, was wir heute oder morgen tun, sondern auch für alles, was wir in unserer Vergangenheit jemals getan haben… Immer ging es uns darum, unsere eigenen Bedürfnisse zu stillen – oder uns ihre Erfüllung für die Zukunft zu sichern… Immer taten wir das Beste, was wir in dieser Situation für möglich hielten… Das Ergebnis mag nicht immer besonders berauschend ausgefallen sein, aber die Intention irgendwo ganz tief dahinter dahinter war in jedem Fall eine zum Guten…

Das ist der Grund, warum der innere Gerichtsprozess mit unserer Vergangenheit mit einem Freispruch enden muss… Der Mensch, der wir waren, hat damals das Beste getan, was ihm eingefallen war… Es hätte objektiv betrachtet bessere Lösungen geben können, das stimmt vielleicht… Wenn wir damals jedoch nicht an sie dachten oder aber glaubten, standen uns diese in diesen Situationen unseres Lebens schlichtweg nicht zur Verfügung…

Dieser Freispruch jedoch, so notwendig er ist, ändert allein nichts an unserem Gefühl der Reue… Denn selbst wenn wir damals potenziell keine andere Wahl hatten, weil uns schlichtweg keine bessere Option eingefallen war, so stehen wir weiterhin vor der Tatsache, dass wir durch eben jenes Nichtbesserwissen oder vielleicht auch unser unbewusstes Verhalten in der Vergangenheit Dinge ausgelöst haben, die wir nun nicht wieder rückgängig machen können, so gerne wir dies auch täten…

Diese Last nimmst selbst der innere Freispruch nicht von unserem Herzen…

Hierfür braucht es einen weiteren mutigen Schritt…

                                 

Auge in Auge mit unseren inneren Verbannten…

Betrachten wir die Sache mit der Reue hier noch einmal ganz pragmatisch:

Da gibt es einen Anteil in uns, der Dinge getan hat, um sich selbst in einer oder mehrerer konkreter Situationen auf bestmögliche Weise die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen… Das konkrete Wie mag nun im Blick zurück vielleicht nicht zwingend das klügste oder beste gewesen sein… Für bedeutend wichtiger halte ich die Frage nach dem Wozu…

Was genau wollte dieser Anteil in uns in jener Situation oder in jenen Situationen erreichen…? Worum ging es uns damals…? Was fürchteten wir zu verlieren oder zu erleiden, wenn wir uns anders entschieden hätten…?

Sehnten wir uns vielleicht nach Sicherheit, nach Leichtigkeit, Lebendigkeit oder von Verbundenheit – oder fürchteten wir den Verlust eben dieser Qualitäten…?

Worum auch immer es ging:

Allein die Tatsache, dass wir in jener Situation spätere Reuegefühle (potenziell sehenden Auges) in Kauf nahmen, zeigt deutlich, WIE wichtig das, was uns in solchen Situationen unseres Lebens angetrieben hatte, für uns und unser Wohlbefinden und Gedeihen ist… Das, wonach unser damaliges Ich strebte, war mindestens damals oder ist möglicherweise vielleicht sogar ganz grundlegend etwas für unser System zutiefst Nährendes und potenziell geradezu Überlebenswichtiges…

Dieser Mensch, der wir waren, hat sein oder ihr Bestes gegeben, vielleicht sogar ahnend oder wissend, dass er oder sie es später bereuen würde… Und lebt seither mit dieser Reue in uns…

Jetzt bitte festhalten, es folgt ein radikaler Perspektivwechsel:

Was würde wohl passieren, wenn dieser Teil in uns, der wir waren, als wir taten, was wir später bereuten, miterleben würde, wie eben diese Entscheidungen und Erfahrungen fermentiert durch echte, tiefe und überaus schmerzvolle Reue dazu führten, dass wir heute, im Hier und Jetzt gewillt und in der Lage dazu sind, bessere Entscheidungen zu treffen, als sie oder er es damals tat…?

Was würde passieren, wenn er oder sie in uns erfahren würde, dass eben jener Schmerz, den er oder sie durchlebte, uns heute dazu befähigen würde, unser eigenes (Liebes- oder Lust-) Leben selbst-bewusster, aufrechter oder würdevoller zu leben, als wir dies jemals zuvor getan hatten…?

Was würde möglich werden, wenn jene Teile unserer Vergangenheit miterleben würden, wie wir heute, geschmiedet in ihrer Qual, unserer Gegenwart und allen möglichen Zukünften entschlossener und bewusster, aufrichtiger und präsenter begegneten, als wir dies jemals zuvor für möglich gehalten oder gewagt hatten…?

Was würde dann mit unserem Gefühl der Reue passieren…?

Ich sage es euch: Wenn das passiert, dann verwandelt sich die Reue in Selbstannahme und manchmal sogar außerdem in eine Mischung aus Dankbarkeit und Stolz…

                                 

Der Blick in den Spiegel – eine Einladung…

All dies vor Augen lade ich dich nun ein zu einem kleinen, psychomagischen Experiment… Es mag sich unbedeutend anfühlen, aber möglicherweise entfaltet es eine hochgradig wirksame Dynamik… Wenn du magst, lass dich gerne darauf ein:

Sollte es in deinem Leben Dinge geben, die du bereust, möchte ich dich gerne einladen zu einer kleinen Übung… Alles, was du dafür brauchst, sind ein paar wenige Minuten Zeit und ein Spiegel…

Stelle dich vor den Spiegel und schau dir selbst in die Augen…

Erlaube dir, die Reue zu spüren, die aufkommt, wenn du an dein vergangenes Verhalten und an seine Folgen denkst…

Schau deinem Spiegelbild in die Augen, bis du den Eindruck hast, in Kontakt zu sein mit jenem vergangenen Ich, das nur sein bestes tat und sich jetzt für seine vielleicht sogar schweren Entscheidungen auf der Anklagebank fühlt…

Schau ihm oder ihr in die Augen… Lass dich berühren von der Traurigkeit und Reue in ihren oder seinen Augen… Lass dich berühren von ihrem oder seinen Schmerz…

Und dann zeige deinem Gegenüber im Spiegel, dass sein oder ihr Leid nicht umsonst gewesen war… Lass sie oder ihn spüren, dass du gewillt und dazu im Stande bist, aus den Entscheidungen und Erfahrungen deiner Vergangenheit zu lernen…

Gib jenem Menschen, der du einmal warst, als du getan hast, was du getan hast, und der seither bis in alle Ewigkeiten ein Teil in dir sein wird, hier und heute ein Versprechen…

Ich gehe noch einen Schritt weiter: Leiste dir selbst gegenüber ihr oder ihm zu Ehren einen heiligen Schwur…!

Schau deinem Spiegelbild in die Augen, sieh durch deine heutigen Augen dein damaliges Ich und sprich mit ganzem Herzen die Worte:

„Dir, jüngere/r (eigenen Namen einsetzen), deinen Erfahrungen und deinen Gefühlen von …, … und … zu Ehren verspreche ich mir selbst hier und heute, fortan und in alle Zukunft nie wieder …, sondern stattdessen …!“

Sprich dir selbst gegenüber diesen heiligen Schwur laut aus und schau deinem Spiegelbild in die Augen dabei…

Vertraue mir in dieser Hinsicht: Er oder sie da im Spiegel vor dir wird wissen, ob das, was du sagst, ein echtes Kommitment ist, oder nur aus schlechtem Gewissen heraus dahingesagt…

Und vertraue mir auch hier: Selbst wenn niemand dein Tun beobachtet – dein Spiegelbild wird von nun an in jedem Augenblick deines Lebens wissen, ob du dich an dein Versprechen ihm gegenüber hältst oder nicht… Ein kurzer Blick in den Spiegel wird dir verraten, ob dieses Spiegelbild beim Blick in deine Augen Dankbarkeit und Stolz empfindet oder andere, potenziell weniger erbauliche Gefühle…

                                 

Die transformative Kraft der Reue

Reue löst sich meiner Erfahrung nach niemals auf durch Gram oder Selbstverurteilung… Reue löst sich meiner Erfahrung nach allerdings auf durch einen selbst-bewussten und unkorrumpierbaren Schwur, den wir uns selbst gegenüber (bzw. konkret: jenem jüngeren Anteil von uns in uns…) leisten und fortan unsere Entscheidungen durchwirken lassen…

Das Ziel der Reue besteht nicht darin, uns zu schwächen – ganz egal, was wir aus unseren bisherigen Erfahrungen heraus gelernt zu haben glauben… Das Ziel der Reue besteht darin, den Schmerz unserer Vergangenheit verfügbar zu machen als eine selbstbestimmte Antriebskraft für die Entscheidungen unserer Gegenwart und Zukunft…

Reue tut weh, das stimmt… Reue reißt emotionale Wunden auf, kratzt verkrusteten Eiter und Schmock aus ihnen heraus und desinfiziert sie bestenfalls hinterher gleich mit… Der emotionale Schmerz der Reue ist nicht schön, das stimmt… Wenn wir uns allerdings schützen vor Selbstanklage und Selbstverurteilung, kann dieser Schmerz ein Heilungs- und Wachstumsschmerz sein, der uns dabei behilflich ist, über bisherige Grenzen oder Vorstellungen von uns selbst hinaus und eben dadurch tiefer in unser ganzes Wesen und Potenzial hinein zu wachsen…

Darum sage ich: Heißt die Reue in eurem eigenen Leben und im Leben eurer Liebsten willkommen…

                                 

Ladet euch selbst und ladet einander ein dazu, euch die und den drei bitteren Fragen der Reue zu stellen:

01 – Was habe ich getan…?
02 – Was habe ich dafür bekommen…?
03 – Was bin ich dadurch geworden…?

                                 

Ermutigt euch selbst und einander dabei, euch selbst Auge in Auge mit eurer Reue Versprechen zu geben, die euer Leben auf Erden leichter, liebevoller oder bunter machen…

Wir mögen unsere Vergangenheit nicht ändern können, aber wir können sie doch als Schwungrad dafür nutzen im Hier und Jetzt unserem wahren Wesen näher zu kommen als jemals zuvor…

auf diese Weise entfaltet die Reue ihre fermentierende und tranformierende Kraft zum Guten…

Glaubt mir kein Wort…

Probiert es aus…

                                 

💜💙💚💛🧡❤️

                                 

Ihr habt Lust, euch selbst im Umgang mit (Selbst-) Liebe oder Lust professionell begleiten oder supporten zu lassen…? Ein Erstgespräch mit mir ist immer kostenlos und unverbindlich, aber offenbar nur selten umsonst…!

Nehmt gerne hier KONTAKT mit mir auf…!

                                 

Was denkt ihr jetzt über die Sache mit der Reue…?

Ich würde mich freuen, wenn diese Perspektiven und vielleicht auch das kleine Experiment euch dabei behilflich sei können, eure eigene Vergangenheit ganz bewusst als Kraftquelle und Schwungrad für die Gegenwart und Zukunft zu nutzen…

Wenn ihr mögt, hinterlasst mir sehr gerne einen Kommentar…!

                                 

Ihr habt Lust auf mehr Input…?
Lest
sehr gerne hier weiter:

klüger fühlen

Eine Ode an den Neid…

Die subtile Macht der Dankbarkeit

Die Sache mit der Scham…

                                 

 

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