gefühle: abgründe und urgründe

Sexualität als göttliches Geschenk

Sex ist weit mehr, als man uns weisgemacht hat

Sie hat Königreiche und Familien begründet und dem Untergang geweiht. In ihr finden wir die Krönung oder Vernichtung unseres Wertes als Mann oder Frau. Sie ist der Urfunke unseres gesamten Lebens und in ihm auf direkte oder subtile Weise omnipräsent.

Wir behandeln sie in unserer Kultur wie einen niederen Trieb. Wie etwas, das es zu verheimlichen und zu verstecken gilt. Sie ist der Gegenstand zotiger Witze, die wir uns erst dann erzählen, wenn genügend alkohol unsere Hemmschwellen senkt. Wir blenden sie aus oder verniedlichen sie. Weil wir sie fürchten oder in alt-anerzogene Scham geraten. Vor den animalischen Kräften in uns. Oder unserer Verletzlichkeit.

Sex, so viel ist klar, ist weit mehr, als man uns immer wieder weismachen will.

Sex macht verletzlich

In keinem Aspekt unseres Lebens fühlen wir uns so verletzlich. So schutzlos. So zart. In keinem Bereich des Lebens sind wir so deutlich konfrontiert mit der Frage: Bin ich gut so, wie ich bin? Darf ich so sein? Werde ich geliebt?

Gleichzeitig gibt es keine Ebene unseres Seins, die uns in gleicher Weise Erfüllung zu schenken vermag wie sie. Die jede unserer Zellen derart kompromisslos mit Energie auffüllt. Die unsere Augen so hell zum Leuchten bringt. Die die eine, große Frage so unmissverständlich beantwortet: Ja, Gott, ja! Ich liebe, und ich werde geliebt!

Sex verbindet uns

Unsere Sexualität verbindet in sich unsere grundlegendsten Sehnsüchte. Nach Nähe, nach Verbundenheit und Angenommensein. Nach Leidenschaft und Freude. Nach Zartheit und animalischer, unbändiger Kraft.

In unserer Sexualität begegnen wir einander in einer Tiefe und Fülle, die keine andere Art des miteinander seins uns schenken kann. Als kleine Jungen und kleine Mädchen – in unserer ganzen Zartheit und Verletzlichkeit. Als erwachsene Männer und Frauen – in all unserer Größe, Schönheit und Würde. Als archaische, animalische Wesen – wild und frei und hemmungslos. Als reines, göttliches Licht.

All das sind wir in jedem Moment unseres Seins. Wir sind immer: Kind, Erwachsener, Tier, Engel. Doch die ganze Fülle unseres Seins – und die Fülle all dessen, was unser Gegenüber ist, spüren wir nur selten so klar, so eindeutig, so intensiv wie in den Stunden einer von Liebe getragenen und von Wonnen erfüllten Sexualität.

Sexualität verbindet uns. Miteinander. Mit unserem eigenen Kern. Mit der Göttlichkeit des Lebens selbst.

Sex erleuchtet uns

Stellen wir uns einen Freund oder eine Freundin vor, die in diesen Tag aus einer berauschenden Nacht der sexuellen Freude und Erfüllung erwacht ist. Keine zwei Stunden geschlafen hat sie. Sein Geist ist noch ein bisschen verwirrt von den intensiven Erfahrungen der Stunden hinter ihm. Vielleicht verstecken ihre kleider blaue Flecken, Kratzspuren und Bissmale. Schauen wir ihm oder ihr in die Augen. Was sehen wir?

Sehen wir Erschöpfung, Mattheit, Müdigkeit? Ist die Haut fahl und grau vor Erschöpfung? Künden die Mundwinkel vom Schmerz des Muskelkaters? Nein. Nein! Wir sehen Augen, die strahlen. Wir sehen eine Haut von glänzender Schönheit. Ja, da mag der eine oder andere Schmerz aufkommen, wenn er oder sie sich bewegt. Aber unser Freund lächelt, wenn er ihn spürt. Als wäre jeder Kratzer, jeder schmerzende Muskel, jedes Mal, ein lebendiges Zeichen der Ehre und des Segens.

Sex macht schön, schlau und gut gelaunt.

Alle wissenschaftlichen Studien zu diesem Thema kommen auf dasselbe Ergebnis: Menschen, die ein lustvolles, freudiges und reges Sexualleben feiern, sind gesünder, sehen besser aus und haben bessere Laune als ihre weniger beschenkten Mitmenschen, seien diese alleinstehend oder verheiratet.

Wer in seiner Sexualität erfüllt ist,der ist in vielerlei Hinsicht schlicht: satt. Wer eine reiche und lustvolle Sexualität lebt, der muss sich nicht mehr verbiegen, um irgendwo Anerkennung oder Wohlwoolen zu bekommen. Darum sage ich: Wer sich in seiner Sexualität geehrt und genährt fühlt, den kann keine Macht dieser Welt beherrschen. Der oder die ist so nah an seinem oder ihrem innersten Kern und so nah dran an all dem, was wir heilig oder göttlich nennen, dass nichts und niemand ihn oder sie in diesem Augenblick unterwerfen kann.

Nichts in unserem Leben erfüllt uns mit dieser unbändigen Fülle und Kraft, wie es eine erfüllte und erfüllende Sexualität vermag. Das ist es, wovon ich spreche, wenn ich unsere Sexualität als heilig bezeichne. Das ist es, was möglich ist. Wenn wir uns ganz öffnen. Wenn wir uns dem Leben frei und mutig hingeben. Wenn wir es für möglich halten.

Und so stehe ich hier und lade uns ein: Erwecken wir die heilige Kraft unserer Sexualität! Entfachen wir das Feuer unserer reinen und göttlichen Lebendigkeit. Wann? Ich für meinen Teil finde, heute ist ein guter Tag dafür.

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