Liebe, Lust und das „Gesetz der Wirksamkeit“…
Oder: Die unaufhaltsame Wirkmacht der Konditionierung in unseren (Liebes-) Beziehungen…
Oder aber auch: Wie wir lernen, virtuos zu lieben…
„Die Liebe stirbt nie eines natürlichen Todes…
Sie stirbt, weil wir nicht wissen,
wie wir ihre Quelle wieder auffüllen…
Sie stirbt an Blindheit, an Irrtümern und Verrat…
Sie stirbt an Krankheit und Wunden;
sie stirbt an Müdigkeit, an Vertrocknung und Trübsal…“
Vorwort: Alles hat seine Grenzen…!
„Gewalt ist die letzte Zuflucht der Unfähigen…“
In diesem Essay beleuchte ich die Wirkung psychologischer Konditionierungsprozesse auf zwischenmenschliche Beziehungen – insbesondere in Sachen Liebe oder Lust… Ich gehe der Frage nach, wie wir die Prinzipien und Gesetze der Konditionierung dafür nutzen können, im zeitlichen Verlauf unserer Liebesbeziehungen miteinander nicht schleichend weniger, sondern ganz im Gegenteil mehr und mehr an Liebe, Glück und Erotik zu erleben und zu genießen…
Solltet ihr euch in eurem Liebesleben nach mehr Freude, Glück und Eros sehnen, können die hier beschriebenen Spielregeln der Liebe euch potenziell wertvolle Dienste erweisen…
Solltet ihr euch allerdings in einer Beziehung befinden, in der emotionale, verbale oder gar körperliche Gewalt zum alltäglichen Umgang zählen, wird selbst die versierteste Anwendung dieser Spielregeln euch im Rahmen dieser Beziehung vermutlich niemals glücklich machen…
In solchen Fällen kann ich euch nur dringend raten, so zügig wie möglich die Flucht zu ergreifen, aus euren vergangenen Entscheidungen und Erfahrungen zu lernen und in Zukunft klüger zu wählen, mit wem ihr euch auf eurem weiteren Lebensweg auf das Abenteuer Liebe und Lust wirklich einlassen möchtet…
Es gibt in Deutschland separate Hilfetelefone für Frauen und für Männer, die häusliche Gewalt erleben… Nehmt mit diesen Kontakt auf, wenn ihr in eurer „Liebes“-Beziehung von Gewalt betroffen seid:
Hilfetelefon für Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind… (Ruf an…!)
Hilfetelefon für Männer, die von häuslicher Gewalt betroffen sind… (Ruf an…!)
Dies vorangestellt wünsche ich euch allen erbauliche und bestenfalls vielleicht sogar inspirierende Lektüre…!
Einleitung
„Erst wenn du weißt, was du tust,
kannst du tun, was du willst…“
Moshé Feldenkrais. (1904 – 1984)
Ich nehme an, die meisten von uns haben irgendwann schon mal vom psychologischen Phänomen der Konditionierung gehört… Die wenigsten von uns allerdings, so vermute ich, sind sich auch nur annähernd im Klaren darüber, wie bedeutsam und wirkmächtig dieses Prinzip ausnahmslos alle zwischenmenschlichen Beziehungen unseres Lebens durchwebt und Einfluss nimmt auf ihren Verlauf… In keinem Bereich unseres Lebens zeigt sich dies so deutlich (und nicht selten tragisch) wie in der Liebe und der Lust…
„Liebe“ ist kein Gefühl, sondern eine Haltung… Und Beziehungsgestaltung ist kein Schicksal, sondern gleichermaßen Handwerk wie Kunst… Es kann daher sehr hilfreich sein, uns etwas näher mit der Frage zu beschäftigen, mit was für einer Art von „Material“ wir es in Beziehungsdingen eigentlich zu tun haben – und welche Fähigkeiten und/oder Herangehensweisen es braucht, um dieses „Werkstück“ in unseren Händen in eben jene Form zu bringen, die wir uns wirklich, wirklich wünschen…
Ihr merkt bereits: Dieses kleine Essay wird nicht besonders romantisch oder poetisch… In diesem Text werfe ich ganz bewusst einen sehr, sehr sachlichen und nüchternen Blick auf den Verlauf der allermeisten sowie auf den einiger weniger anderer Liebesbeziehungen – und auf die Gesetzmäßigkeiten, die darüber entscheiden, ob eure eigenen Liebesgeschichten sich im Laufe der Zeit wohl eher in die eine oder eher in die andere Richtung entwickeln werden…
Ein profundes Verständnis des Konditionierungsprinzips sowie des bereits im Jahr 1911 von Edward Lee Thorndike formulierten „Wirkungsgesetzes“ kann uns nicht nur davor bewahren, uns in jener emotionalen Abwärtsspirale zu verfangen, die viele Langzeitpaare erleben müssen – und die selbst manche Paar-Therapeut:innen (vermutlich nicht zuletzt auf Basis ihrer eigenen Lebenserfahrungen) für geradezu unvermeidbar halten… Es kann uns weit darüber hinaus sogar in die Lage versetzen, miteinander gemeinsam dieselbe Spirale aktiv und bewusst in Aufwärtsrichtung zu nutzen…
In diesem Artikel geht es nur zweitrangig um Gefühle… Erstrangig geht es in diesem Text um Prinzipien und Gesetze… Und darum, wie wir diese aktiv und bewusst nutzen können, um miteinander gemeinsam wahres, tiefes und nicht zuletzt dauerhaftes Liebesglück zu schaffen…
Es ist nämlich nicht nur durchaus möglich, die Liebe und die Lust gerade im Rahmen langfristiger Liebesbeziehungen von Jahr zu Jahr wachsen zu lassen… Es ist genau genommen noch nicht einmal besonders schwierig… Es verlangt lediglich eine Herangehensweise, die potenziell ein kleines bisschen anders ist als das, was uns in Sachen Liebe oder Lust im Laufe unseres Lebens bislang von allen Seiten her gepredigt oder vorgelebt wurde…
Wagen wir gemeinsam nun also einen überaus unromantischen Blick auf die psychologischen Wirkmechanismen, die darüber entscheiden, ob zwei Menschen sich im Laufe ihrer Liebesbeziehung von Jahr zu Jahr wahlweise schleichend immer weiter voneinander entfernen, oder ob sie sich im Laufe dieser Zeit immer wieder neu und immer tiefer ineinander verlieben…
Konditionierung und das „Thorndikesche Wirkungsgesetz“
„Psychologie ist die Wissenschaft vom Intellekt,
Charakter und Verhalten von Tieren,
einschließlich des Menschen…“
Edward Lee Thorndike (1874 – 1949)
Bereits vor über 120 Jahren erlangten die Experimente des Mediziners Iwan Petrowitsch Pawlow weltweite Anerkennung…
Pawlow studierte eigentlich die Arbeit der Verdauungsdrüsen… Hierfür nutzte er Hunde, denen er spezielle Apparaturen zur Messung des Speichelflusses in die Mundhöhle implantierte… Er stellte fest, dass seine Hunde nicht erst beim Fressen, sondern bereits beim Anblick ihrer Nahrung kräftig Speichel produzierten… Dies machte Pawlow neugierig…
Er installierte eine Glocke, die fortan jedes Mal läutete, bevor den Hunden ihr Futter gegeben wurde… Es dauerte nicht lange, bis die Hunde diesen Zusammenhang verinnerlicht hatten, so dass ihnen schließlich allein beim Klang der Glocke jedes Mal das Wasser im Munde zusammenlief…
Pawlow entdeckte, dass es möglich ist, einen vormals neutralen Reiz (Klingeln der Glocke) durch wiederholte Gleichzeitigkeit mit emotionalen (Appetit) und sogar physiologischen Reaktionen (Speichelfluss) auf neuronaler Ebene zu verkoppeln, so dass fortan eben jener Reiz alleine die mit ihm zuvor verkoppelten Reaktionen auslöst…
Nur wenige Jahre später formulierte der Psychologe und Lernforscher Edward Lee Thorndike auf Basis seiner Experimente mit verschiedenen Tierarten das heute nach ihm benannte „Thorndikesche Wirkungsgesetz“… Es besagt in einfachen Worten:
Je häufiger ein Verhalten angenehme Gefühle nach sich zieht, desto häufiger oder wahrscheinlicher wird dieses Verhalten in Zukunft wieder auftreten… Je häufiger ein Verhalten unangenehme Gefühle nach sich zieht, desto seltener oder unwahrscheinlicher wird dieses Verhalten in Zukunft wieder auftreten…
Die Arbeiten von Pawlow, Thorndike und anderen wurden im Laufe des letzten Jahrhunderts immer wieder bestätigt und verfeinert… An dieser Stelle möchte ich lediglich darauf hinweisen, dass die Prinzipien und Gesetze der Konditionierung weit mehr sind als psychologisches Nerd-Wissen… Ihre Kenntnis und Berücksichtigung entscheidet möglicherweise vielleicht über nicht weniger als über das Wohl oder Wehe eures eigenen Liebeslebens…
Nicht zuletzt ist es die Grundlage des nach John und Julie Gottman benannten Gottman-Konstante, welche als leicht handhabbare Faustformel besagt, dass bei langfristig glücklichen Liebespaaren das Verhältnis „positiver“ zu „negativen“ Interaktionen mindestens 5:1 beträgt… Ich kenne solche Paare… Ich kenne allerdings auch Paare, deren Verhältnis in dieser Sache selbst bei wohlwollendster Betrachtung nicht einmal 1:5 beträgt… Sagen wir es so: Eine dieser beiden Gruppen bekommt leuchtende Augen, wenn im Freundeskreis das Thema Liebe oder Lust auf den Tisch kommt… Die andere bekommt an dieser Stelle schmale Lippen…
Im folgenden Kapitel filetiere ich die Liebe und die Lust mit dem Skalpell eben jener Prinzipien und Gesetze und lege frei, was erst bei einem scharfen Blick unter die Oberflächen unseres Liebeslebens sichtbar wird…
Anmerkung: Auch wenn ich in diesem Essay gezielt auf Liebesbeziehungen und deren verborgene Dynamiken eingehe, gelten die hier beschriebenen Wirkmechanismen in ausnahmslos allen sozialen Beziehungen unseres Lebens… Egal also, ob als Liebende, als Geschwister oder Eltern, ob in Freundschaften, Online-Foren oder allen Arten von geschäftlichen Beziehungen: Die hier behandelten Gesetze betreffen und bestimmen jede Beziehung unseres Lebens von Geburt an bis zu unserem letzten Atemzug…
Setzen wir nun also unseren Weg fort und wenden die hier verdeutlichten Prinzipien an auf unsere (Lern-) Erfahrungen in Sachen Liebe oder Lust…
Ein überaus unromantischer Blick auf die Liebe
„Der Mensch kann zwar tun was er will,
aber er kann nicht wollen, was er will…“
Arthur Schopenhauer (1788 – 1860)
Jede Liebesgeschichte auf Erden beginnt mit zwei Menschen, die einander noch nicht kennen und auf die eine oder andere Weise zum ersten Mal begegnen…
Zunächst einmal sind wir füreinander also mehr oder weniger so etwas wie ein „neutraler Reiz“…
Ich sage an dieser Stelle einerseits deshalb „mehr oder weniger“, weil unser Gehirn, wie die meisten von uns wohl aus eigener Erfahrung heraus wissen, bereits nach Sekundenbruchteilen dazu in der Lage ist, eine Aussage darüber zu treffen, ob wir ein bislang noch fremdes Gegenüber intuitiv als anziehend oder eben nicht beurteilen…
Diese intuitive Attraktivitätseinschätzung geschieht unterbewusst und frei von jeglicher willentlicher Kontrolle oder Einflussmöglichkeit… Wir können ebenso wenig entscheiden, welche Menschen wir attraktiv finden, wie wir entscheiden können, welche Arten von Gerichten oder Gerüchen wir ganz besonders lecker oder aber furchtbar finden…
Wo waren wir…?
Ach ja:
Die meisten Liebesgeschichten beginnen mit zwei Menschen, deren gegenseitige Attraktivitätseinschätzung jeweils zu einem mindestens tendenziell positiven Ergebnis führte… Wie wenig diese intuitive Anziehung darüber aussagt, wie die Geschichte dieser beiden Menschen vom Zeitpunkt ihrer ersten Begegnung an weiter verlaufen wird, wissen vermutlich die meisten von uns aus eigener, teils schmerzhafter, Erfahrung…
Abgesehen davon sind wir Menschen füreinander natürlich weit mehr als nur ein einzelner, isolierter Reiz… Wir nehmen einander (insbesondere in Liebe oder Lust) multisensual wahr… Wir sehen einander, hören einander, riechen, schmecken und spüren einander… All dies vereinigt sich in unserem Gehirn zu einer sinnlichen Gesamterfahrung desjenigen Menschen, mit dem wir es zu tun haben… Der Einfachheit halber bezeichne ich diese multisensuale Gesamterfahrung in meinen folgenden Überlegungen schlicht als „Reiz“… Und all das, was daraufhin in Körper und Psyche ausgelöst wird, als „Reaktion“…
Zurück zu unserer kleinen Liebesgeschichte:
Wir begegnen also einem Menschen, den wir bislang noch nicht kannten, und der durch das, was wir von ihm bislang wahrnehmen, in uns intuitiv eine Art von Anziehung oder Interesse auslöst…
Stellen wir uns nun vor, auch unserem Gegenüber geht es in Bezug auf uns erfreulicherweise ganz ähnlich… Auch er oder sie empfindet uns auf Anhieb als intuitiv anziehend und ist daher neugierig darauf, uns ein kleines bisschen näher kennenzulernen…
Also kommen wir einander auf die eine oder andere Weise näher… Wir sprechen miteinander, interagieren miteinander und erleben einander in gemeinsamen Erfahrungen unterschiedlichster Art…
Und so entsteht zwischen uns und diesem Menschen schließlich nach und nach die eine oder andere Art von Beziehung… Die Qualität dieser Beziehung hängt nun allerdings nicht allein davon ab, welche konkreten Erfahrungen wir mit diesem Menschen machen, sondern insbesondere davon, wie wir uns während unserer gemeinsam verbrachten Zeit in der Gegenwart dieses Menschen wiederholt fühlen…
An dieser Stelle schließen wir den Bogen und finden uns unvermittelt zurück und mittendrin im Thema „Konditionierung“ und erkennen mit Freude oder Schrecken:
Empfinden wir in der Gegenwart eines Menschen vorrangig angenehme Gefühle wie Freude, Dankbarkeit, Stolz, Staunen, Vergnügtheit, Leidenschaft oder Geborgenheit, so können wir uns gar nicht dagegen wehren, uns mehr und intensivere Zeit mit diesem Menschen zu wünschen… Allen anderen Menschen auf Erden geht es in dieser Hinsicht ganz genauso…
Empfinden wir in der Gegenwart eines Menschen vorrangig unangenehme Gefühle wie Angst, Ärger, Traurigkeit, Frustration, Schuldgefühle, Langeweile oder Scham, so können wir uns gar nicht dagegen wehren, intuitiv sowohl emotional als auch räumlich möglichst große Distanz zu diesem Menschen zu suchen… Allen anderen Menschen auf Erden geht es auch in dieser Hinsicht ganz genauso…
Das biochemische Äquivalent unserer Gefühle sind Hormone und Hormon-Cocktails, die in speziellen Drüsen unseres Körpers produziert und ausgeschüttet werden… Ich verzichte an dieser Stelle auf alle medizinischen Fachausdrücke und spreche stattdessen sehr grundlegend:
Je öfter die Drüsen in unserem Körper in der Gegenwart eines anderen Menschen wahlweise Glücks- und/oder Lusthormone ausschütten, desto intensiver und unignorierbarer werden wir in uns das unwillkürliche Verlangen verspüren, mehr von der eigenen Lebenszeit in der Gegenwart dieses Menschen zu verbringen sowie ihm oder ihr das durch sie oder ihn erfahrene Glück bestenfalls so zügig wie möglich mit gleicher Münze zurückzuzahlen…
Je öfter die Drüsen in unserem Körper in der Gegenwart eines anderen Menschen Stresshormone ausschütten, desto intensiver und unignorierbarer werden wir in uns das unwillkürliche Verlangen verspüren, möglichst wenig von der eigenen Lebenszeit in der Gegenwart dieses Menschen zu verbringen sowie ihm oder ihr das durch sie oder ihn erfahrene Leid mit gleicher Münze zurückzuzahlen…
Lies diese beiden Sätze gerne noch einmal…
Lies sie so oft, bis du sie wirklich verstanden hast…
Herzlich Willkommen in der „Schmidt’schen Konditionierungsspirale“…!
Die „Schmidt’sche Konditionierungsspirale“ 😉
„Was immer wir auch über diese Welt sagen,
es sind Aussagen über unsere Erfahrungen…“
Humberto Maturana (1928 – 2021)
Die beiden zugegebenermaßen etwas spröden Merksätze am Ende des voran gegangenen Kapitels erklären in meinen Augen ebenso verständlich wie eindringlich, warum Anziehung und Begehren bei den allermeisten Paaren von Jahr zu Jahr immer schwächer und fragiler werden, während andere Paare glaubhaft davon berichten, dass sie einander von Jahr zu Jahr immer tiefer und substanzieller lieben und begehren…
Es gibt Beziehungen, in denen die beteiligten Partner in ihrem Miteinander permanent unter Stress stehen… In denen stetig Streit und emotionales Drama in der Luft hängen… Viele Menschen in dieser Art von Beziehungen empfinden sich selbst als Opfer, das unter den Vorstellungen, Erwartungen, Launen oder Impulsen des oder der anderen in diesem Beziehungs-Spiel zu leiden hat… Daher haben sie miteinander oft offene Rechnungen der einen oder anderen Art, um deren Erfüllung bzw. Abwehr sie miteinander permanent ringen… Es mag ein wenig bitter klingen, aber ich spreche in derartigen Konstellationen nicht von Beziehungs-Partnern, sondern eher von Beziehungs-Gegnern…
In einem solchen Miteinander haben Mitgefühl, Wohlwollen und Dankbarkeit einen schweren Stand… Jede/r versucht, von der oder dem jeweils anderen unter so wenig Einsatz wie möglich (wovon auch immer) so viel wie möglich (wovon auch immer) zu kriegen…
Solche Liebes-Gegnerschaften sind ein ständiges Ringen, Kämpfen, Fürchten, Flüchten, Abwehren und Runterschlucken… Ja, auch in solchen Beziehungen gibt es Augenblicke intensiven Glücks oder glühendster Lust aufeinander… Zum Beispiel, wenn es gerade irgendwie doch noch gelungen ist, wenigstens das allerschlimmste Drama oder die dupzigste Trennung („Dieses Mal ist es mir WIRKLICH ernst…!“) abzuwenden… Oder wenn die Energie ungelöster Konflikte sich übersprunghaft in leidenschaftlichen (allerdings oft triebhaft-oberflächlichen) „Versöhnungs-Sex“ entlädt…
Menschen in solchen Beziehungen entdecken nicht selten eines Tages, dass die Drüsen in ihren Körpern bereits damit beginnen, Stresshormone zusammenzumixen und auszuschütten, wenn sie lediglich an ihren sogenannten „Schatz“ denken… So wandelt sich die intuitive Anziehung von einstmals im Laufe der Zeit zu intuitiver Abwehr… Aus dem ursprünglich blühenden Beziehungs-Garten wurde im Laufe der Zeit ein emotionales Minenfeld voller Krater, Ruß und rauchender Knochen…
Nicht jede unglückliche Beziehung ist allerdings laut und theatralisch… Viele Menschen leiden und verkümmern still vor sich hin in sogenannten „Liebes“-Beziehungen, deren gelebtes Miteinander jedoch geprägt ist von Desinteresse, emotionaler Kälte oder einem gut funktionierenden Nebeneinanderher in der Bewältigung des Alltags… Die unangenehmen Gefühle in derartigen Beziehungen sind meist weit weniger heftig und dramatisch wie in dem vorgenannten Beispiel… Dafür allerdings sind in derartigen Konstellationen auch die miteinander erlebten Glücksmomente in aller Regel deutlich seltener und weniger intensiv… Die erotische Lust aufeinander stirbt (mindestens bei einer der beteiligten Personen) in solchen Beziehungen nicht selten einen ebenso zügigen wie nachhaltigen Tod…
Menschen in dieser Art von Beziehungen entdecken möglicherweise eines Tages, dass die Drüsen in ihren Körpern beim Gedanken ihren vermeintlichen Special Someone so ziemlich gar nichts produzieren… So wandelt sich die intuitive Anziehung von einstmals im Laufe der Zeit zu intuitiver Gleichgültigkeit… Aus dem ursprünglich blühenden Beziehungs-Garten wurde im Laufe der Zeit ein emotionales Ödland…
Beide vorgenannten Arten von „Liebes“-Paaren verenden meiner Erfahrung nach über kurz oder lang in dem Zustand, den ich selbst bedauernd, aber dann doch schulterzuckend, als „kaputt gespielt“ bezeichne…
Und dann gibt es da noch jene Paare, denen es auf Dauer gelingt, dafür zu sorgen, dass die Menge der in ihrem Miteinander ausgeschütteten Glücks- und Lust-Hormone stetig mindestens ein kleines bisschen größer ist als die Menge aller Stresshormone, die ihre Körper im Umgang miteinander produzieren…
In den meisten Fällen ist dies kein Zufall… Auch wenn sie ihr Verhalten anders begründen würden, als ich dies hier in diesem Essay tue, wenden diese Liebespaare (ganz ohne alle Anführungszeichen) bewusst oder unbewusst die Gesetze und Prinzipien an, von denen in diesem Text die Rede ist…
Sturmfeste Liebe als Herz- und Handwerk…
„Nicht die Glücklichen sind dankbar;
es sind die Dankbaren, die glücklich sind…!“
Die Liebe ist kein Wellness-Urlaub… Die Liebe fordert uns heraus, konfrontiert uns mit einander und mit uns selbst und legt ihre salzigen Finger über kurz oder lang in jede emotionale Wunde, die uns in unserem Leben bislang jemals zugefügt wurde…
Das ist nicht gemein von der Liebe… Denn die Liebe kann und will uns heilen… Und jede Heilung alter Wunden oder Muster beginnt damit, dass wir uns ihrer gewahr werden… Dazu müssen wir sie bemerken… Das ist in aller Regel auf Anhieb erstmal eher unangenehm…
Anmerkung: Nachgewiesenermaßen gibt es in Sachen persönliches wie auch gemeinsames Wachstum auch weitaus weniger leidvolle Wege als das Lernen durch wiederholten Schmerz, aber in einer Gesellschaft wie der unseren, in der vieles ganz gezielt darauf ausgelegt ist, Menschen von ihren wahren Bedürfnisse und Gefühlen abzulenken, braucht es möglicherweise deutlichere Signale, als dies in einer Kultur aus selbst-bewussten, einfühlsamen und integeren Menschen nötig wäre…
Kurzum: Die Liebe wird uns, wenn wir den Mut haben, uns ihr wirklich zu stellen, immer wieder in Konflikte oder Krisen führen, die das Zeug dazu haben, uns über unsere vergangenen Erfahrungen und gewohnten Muster hinaus immer tiefer in uns selbst hinein wachsen zu lassen… Der Beginn dieses Wachstums ist allerdings ebenso verständlicher- wie auch bedauerlicherweise immer wieder sehr schmerzhaft…
Ob uns dies gefallen mag oder nicht:
Wir werden insbesondere in den Menschen, die uns lieben, immer wieder sehr, sehr unangenehme und unbequeme Gefühle auslösen… Und umgekehrt werden auch die Menschen, die wir lieben, immer wieder Dinge sagen oder tun, die uns innerlich aufwühlen oder erstarren lassen…
Konflikte oder Krisen sind kein Zeichen dafür, dass zwei Menschen einander nicht gut tun würden… Konflikte oder Krisen sind ein Zeichen dafür, dass etwas heilen, wachsen oder sich weiter entwickeln will…
Die Art und Weise, wie zwei Menschen mit den zwischen ihnen aufkommenden Konflikten oder Krisen umgehen ist es, was darüber entscheidet, ob jene die Beziehung zwischen diesen beiden Menschen stetig weiter auszehren, oder ob sie immer wieder zu neuem Wachstum in zuvor ungeahnte Tiefen führen…
Der Trick besteht also ganz ausdrücklich nicht darin, zu versuchen, alle potenziellen Konflikte zu weiträumig zu umschiffen… Das ist, wie bereits erwähnt, nicht nur unmöglich, sondern wäre uns und unserer eigenen Entwicklung und Entfaltung darüber hinaus auch überhaupt nicht dienlich…
Merkt euch (so früh wie möglich): Der Versuch, Konflikte zu vermeiden, ist und bleibt eine Falle, auch wenn sie sich selbst noch so lautstark als Lösung anpreist…
Der Trick langfristig glücklicher Liebesbeziehungen besteht darin, aktiv und bewusst, geradezu komplizinnenhaft, dafür zu sorgen, dass die Menge der von euren Körpern jeweils ausgeschütteten Glücks- und Lusthormone stetig größer ist als die der in eurem Miteinander jeweils produzierten Stresshormone…
Das passiert nicht von alleine…
Die hierfür notwendige Strategie oder Haltung ist allerdings bei Lichte betrachtet auch nicht besonders kompliziert…
Virtuos:innen der Liebe:
Was genau machen langfristig glückliche Liebespaare eigentlich anders…?
„Glück ist kein Geschenk der Götter;
es ist die Frucht einer inneren Einstellung…“
Wenn wir uns das Verhalten von Menschen in langfristig glücklichen Liebesbeziehungen anschauen, wird uns allen vermutlich recht schnell deutlich, warum genau diese Menschen in Sachen Liebe und/oder Lust an der Seite ihrer oder ihres Liebsten eigentlich derart glücklich sind…
Schauen wir hin:
Menschen in langfristig glücklichen Liebesbeziehungen machen einander ständig Komplimente… Sie tun einander unentwegt irgendwelche kleinen Gefallen… Sie sagen und zeigen einander in ihrem ganz alltäglichen Umgang miteinander wieder und wieder unübersehbar und unignorierbar, wie wertvoll, schützenswert, besonders, bezaubernd oder verführerisch sie einander finden… Sie unterstützen einander nach besten Kräften in ihren jeweiligen Projekten und Visionen… Außerdem küssen, umarmen, berühren und bekuscheln sie einander geradezu andauernd… (Letzteres kann für Kinder in gewissen Altersstufen potenziell schwer zu ertragen sein…)
Ganz nüchtern betrachtet führt dieses Verhalten dazu, dass diese Menschen in der Gegenwart der oder des Anderen immer und immer wieder mit intensiven positiven Gefühlen konfrontiert sind… Regelmäßig schütten die Drüsen in den Körpern dieser Art von Liebenden im Beisein ihrer oder ihres Liebsten Glücks- und Lusthormone aus… Was in ihnen den unwillkürlichen Impuls auslöst, sich für das empfangene Glück möglichst zügig auf die eine oder andere Weise zu revanchieren…
Eine der direkten Folgen dieser Art des Umgangs miteinander besteht darin, dass diese Liebenden einander gegenüber fortan noch leichtfertiger Komplimente aussprechen, ihre Unterstützung anbieten oder die eine oder die andere Art von kleinen Gefälligkeiten erweisen…
Was soll ich sagen…? Ich denke, ihr vermutet es bereits:
Menschen in dieser Art von Beziehungen berichten weit über die üblich angenommene Zeit der Verliebtheit hinaus, dass die Drüsen in ihren Körpern allein beim Gedanken an diesen besonderen Menschen einen erquicklichen Cocktail aus Glücks- und Lusthormonen zusammenrühren und in ihren Körper aussenden… Der Beziehungs-Garten dieser Art von Paare wächst, gedeiht und blüht scheinbar ganz von alleine in immer wieder neuen Farben und Düften…
Dieser Garten wächst, gedeiht und blüht allerdings nur scheinbar ganz von alleine… In Wirklichkeit stecken dahinter solides Herz- und Handwerk und manchmal sogar echte Liebes-Kunst…
Ein kleines Erinnermich an dieser Stelle:
Dankbarkeit ist bedeutend mehr als die höfliche Floskel, als die sie leider vielen von uns beigebracht wurde… Dankbarkeit ist eine Kraft, deren Wirkmacht in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen wir gar nicht überschätzen können… In diesem kleinen Special Feature gehe ich noch etwas tiefer auf die Dankbarkeit und einige ihrer wundervollen Wirkungen ein…
Da das Prinzip der emotionalen Konditionierung und ihre Auswirkungen auf unser Beziehungsleben nun also hoffentlich hinreichend ausgeleuchtet wurden, können wir uns nun der Frage stellen:
Wie können wir dieses Wissen in unserem Sinne nutzen…?
Virtuos lieben: Was bedeutet das…?
„Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen,
Unglück oft durch Vernachlässigung kleiner Dinge…“
Der Unterschied zwischen Handwerk und Virtuosität ist kein struktureller, aber dennoch ein grundlegender… Die Handwerkerin wie die Virtuosin vollführen in ihrem Tun auf den ersten Blick exakt dieselben Handlungen… Allerdings ist ihre innere Haltung eine unterschiedliche… Bei näherer Betrachtung erkennen wir: Sie tun zwar dieselben Dinge, aber auf eine völlig unterschiedliche Art und Weise…
Virtuosität ist ohne jeden Zweifel das Ergebnis ausgiebiger Übung und Verfeinerung unserer jeweils relevanten Fertigkeiten… Um die Mühen, die hierfür nötig sind, allerdings bereitwillig auf uns zu nehmen, braucht es einen inneren Antrieb, eine Leidenschaft, eine Sehnsucht oder Faszination…
Der erste Schritt vom Handwerk zu echter Virtuosität liegt (in der Liebe ebenso wie in allen anderen Kunstfertigkeiten auch) in unstillbarer Begeisterung und Neugier auf das, worum auch immer es in dieser Sache auch immer gehen mag…
Virtuos:innen am Klavier spielen dieselben Tasten wie alle anderen Klavier-Spieler:innen auch… Sie erzeugen dabei exakt dieselben Klänge… Und doch verweben sie Töne und Tonfolgen zu immer neuen und teils abenteuerlichen Melodien, die uns Zuhörenden unvermittelt ins Mark gehen… Um dies zu können, ist es notwendig, eben diese Melodien überhaupt für möglich zu halten… Darüber ist es definitiv hilfreich hierfür, die exakte Lage, den präzisen Klang und Druck-Widerstand jeder einzelnen Taste ihrer Klaviatur zu kennen, als wären sie Teile ihres eigenen Körpers…
Auch Virtuos:innen der Liebe geben sich nicht mit dem zufrieden, das nachzubeten oder nachzuleben, was ihnen von Anderen in Sachen Liebe oder Lust gepredigt oder vorgelebt wurde… Sie fragen sich, was möglich ist – oder was möglich werden könnte… Und auch sie kennen die „Klaviatur“ ihrer Liebespartnerschaft sehr genau… Virtuos:innen der Liebe wissen sehr genau, welche Worte, welche Blicke, Situationen oder Eindrücke bei ihren Liebsten Gefühle wie Angst, Ärger, Scham, Freude, Stolz, Dankbarkeit oder auch erotische Lust auslösen… Und sie sind gewillt, auf dieser Klaviatur von Woche zu Woche, von Monat zu Monat und von Jahr zu Jahr immer virtuoser und abenteuerlicher spielen zu lernen…
Wenn wir damit beginnen, die Liebespartnerschaften im Laufe unseres Lebens als Kunstwerke zu betrachten, wird es uns nicht mehr genügen, nebeneinander her Alltag zu organisieren… Es wird uns beschämen, uns als Anteil stetig abwärts verlaufender Konfliktspiralen zu erleben… Und wir werden uns dabei erwischen, wie wir dem Blick unseres Spiegelbildes ausweichen, wenn wir erkennen, dass wir uns in Liebe und/oder Lust mit unbefriedigenden Minimalkompromissen zufrieden geben…
Wenn wir damit beginnen, die Liebespartnerschaften im Laufe unseres Lebens als Kunstwerke zu betrachten, werden wir neugierig… Auf uns selbst… Auf einander… Auf das, was wirklich, wirklich da ist… Und auf das, was potenziell möglich sein oder zukünftig möglich werden könnte…
Wenn wir damit beginnen, die Liebespartnerschaften im Laufe unseres Lebens als Kunstwerke zu betrachten, reicht es uns nicht, unbeholfen oder rein von momentanen Impulsen getrieben aufeinander rumzuklimpern…
Wenn wir damit beginnen, die Liebespartnerschaften im Laufe unseres Lebens als Kunstwerke zu betrachten, dann ist das Ziel all unseres Tuns nicht weniger als echte, lebendige Virtuosität in Sachen Liebe und Lust…
Von musischen und von menschlichen Klangkörpern
„Alles sollte so einfach wie möglich
gemacht werden — aber nicht einfacher…“
Bleiben wir noch einen Augenblick lang lyrisch-metaphorisch…
Stellen wir uns die Gefühle, die wir in einem Menschen auslösen, vor wie Töne, die wir einem Instrument entlocken… Allerdings handelt es sich bei der Art von Instrumenten, von der wir hier sprechen, um lebendige und empfindungsfähige Wesen… Es ist möglich, auf den lebendigen Instrumenten um uns herum sehr angenehme und wohlklingende, geradezu himmlische Töne zu erzeugen, allerdings auch überaus dissonante oder schräge…
Je häufiger jenes Instrument unter unseren Händen harmonische und melodische Klänge von sich gibt, desto bereitwilliger und freudiger wird es sich immer wieder von uns spielen lassen… Je dissonanter und schräger die Geräusche sind, die wir auf ihm produzieren, desto weniger bereitwillig wird sich dieses Instrument fortan in unsere Hände begeben…
Dies ist nicht neu… Es ist lediglich eine bildliche Beschreibung dessen, was ich weiter oben bereits ausgeführt habe… Ich verwende an dieser Stelle die Metapher des Instruments jedoch sehr bewusst, weil wir mit diesem Bild vor Augen im Folgenden erkennen werden, dass wir es in unserem Miteinander als Menschen im Grunde nur mit drei relevanten Arten von emotionalen Tasten oder Knöpfen zu tun haben…
Die Anzahl 3 ist in meinen Augen sehr, sehr übersichtlich… Es handelt sich bei dem, was ich euch hier vermitteln möchte, also keinesfalls um Hexenwerk oder Raketenphysik…
Zumal wir alle diese drei Arten von „Reizen“ oder „Knöpfen“ und ihre emotionalen Auswirkungen, wie wir sehen werden, aus unserem eigenen Leben heraus sehr gut kennen… Ich bezeichne diese drei unterschiedlichen Arten oder Kategorien von emotionalen Schlüssel-Reizen als „Trigger“, „Glimmer“ und „Kinks“…
Um zu verdeutlichen, wie grundlegend die Wirkung dieser „Tasten“ oder „Reize“ ist, spreche ich in den folgenden Absätzen ganz bewusst nicht von Gefühlen, sondern von den Drüsen in unseren Körpern…
Es gibt Reize (Worte, Stimmklänge, Gesichtsausdrücke, Situationen, Eindrücke, Geräusche, Gerüche etc.), die unwillkürlich dazu führen, dass Drüsen in unserem Körper Stresshormone zusammenrühren und ausschütten… Wir sprechen in diesem Fall von „Trigger-Reizen“ oder „Triggern“…
Welche Arten von Reizen, Erfahrungen oder Eindrücken genau das emotionale System eines Menschen in Angst oder Aufruhr versetzen, ist individuell sehr verschieden… Alle Trigger-Reize sind Ausdruck von vergangenen Konditionierungsprozessen… Je nachdem, was genau wir in unserem Leben bislang erlebt (oder überlebt) haben, kann dieselbe Situation, derselbe Eindruck oder derselbe Geruch bei dem einen Menschen unwillkürlich Stress auslösen, in einem anderen Glücksgefühle und in einem dritten möglicherweise erotische Lust…
Ebenso nämlich gibt es Reize (Worte, Stimmklänge, Gesichtsausdrücke, Situationen, Eindrücke, Geräusche, Gerüche etc.), die augenblicklich dazu führen, dass Drüsen in unserem Körper Glückshormone zusammenrühren und ausschütten… Der schönste Ausdruck, den ich für diese Art von Reizen kenne, stammt von der Therapeutin Deb Dana und lautet: „Glimmer“…
Und dann gibt es noch Reize (Worte, Stimmklänge, Gesichtsausdrücke, Situationen, Eindrücke, Geräusche, Gerüche etc.), die unwillkürlich dazu führen, dass die Drüsen in unserem Körper Lusthormone zusammenrühren und ausschütten… Dies ist meine ganz einfache Definition dessen, was wir „sexuelle Vorlieben“ oder eben „Kinks“ nennen…
„Trigger“, „Glimmer“ und „Kinks“: Dies sind die drei Arten von Knöpfen oder Tasten auf unserer Liebes-Klaviatur… Diese drei unterschiedlichen Kategorien von Tasten oder Knöpfen zuerst kennen und auf ihnen bestenfalls schließlich spielen zu lernen ist überaus hilfreich, wenn es uns darum geht, mit einem Menschen an unserer Seite in Sachen Liebe oder Lust möglichst lange möglichst viel Freude, Glück und erotische Lust zu erfahren…
Für ein virtuoses Spiel in Liebe und Lust allerdings reicht es nicht aus, zu wissen, dass es diese drei Arten von emotionalen Schlüssel-Reizen gibt… Wir brauchen darüber hinaus ein möglichst feines Gespür dafür, wo genau jede einzelne dieser Tasten liegt, wie genau es sich anfühlt, sie zu berühren und wie viel Energie jede einzelne von ihnen braucht, um von uns (bewusst oder unbewusst) aktiviert zu werden…
Betrachten wir die Sache ganz pragmatisch:
Trigger, Glimmer und Kinks: Eine Frage von Timing und Präzision
„Sei sehr, sehr vorsichtig damit,
was du in diesen Kopf hinein tust,
denn du wirst es dort niemals jemals
wieder herausbekommen…!“
Je präziser wir wissen, welche Worte, Stimmklänge, Gesichtsausdrücke, Situationen, Eindrücke, Geräusche, Gerüche und so weiter und so fort die Drüsen im Körper unserer oder unseres Liebsten in einen akuten Notfallmodus versetzen, desto leichter wird es uns gelingen, unnötige Konflikte zu vermeiden und uns in den wirklich notwendigen Konflikten ineinander einzufühlen und partnerschaftlich nach einer gemeinsamen Lösung zu forschen…
Dies ist, wie weiter oben ausgeführt, mitnichten eine Aufforderung zur grundsätzlichen Vermeidung von Konflikten in eurem Miteinander… Konflikte, ja Krisen sogar, sind nicht selten notwendige Impulse zu Wachstum und Entwicklung… Konflikte zu vermeiden, bedeutet Wachstum und Weiterentwicklung zu vermeiden… Wer dieses Ziel verfolgt, wird in seinem Leben, in Liebe oder Lust niemals dauerhaft glücklich werden…
Machen wir uns indes nichts vor: Die allermeisten Konflikte in unserem Leben sind bei Lichte betrachtet weder wachstumsfördernd noch notwendig… Sie basieren auf Missverständnissen, gegenseitigen Projektionen, auf Unbeholfenheit und/oder Unachtsamkeit im Umgang mit uns selbst oder mit einander… Wie viel an Freude und Glück, Liebe und Lust könnte frei werden, wenn es uns gelänge, allein Menge der unnötigen Konflikte radikal zu reduzieren…? Und selbst die aus dem einen oder anderen Grund heraus notwendigen Konflikte bedeuten keinesfalls zwingend emotionales Drama oder Eskalation…
Je präziser wir wissen, worin genau die Stress-Schlüsselreize unseres Gegenübers liegen, desto leichter wird es uns fallen, sie oder ihn liebevoll anzunehmen, wenn er oder sie urplötzlich aggressiv oder verängstigt reagiert… Je tiefer wir durchdrungen haben, welche Signale oder Botschaften sie oder ihn unwillkürlich in Alarm versetzen, desto leichter fallen uns Mitgefühl und Wohlwollen einander gegenüber selbst in emotional aufwühlenden Konflikten oder Krisen…
Wenn wir nun außerdem ebenso präzise und genau wissen, welche Reize oder Erfahrungen unwillkürlich dazu führen, dass die Drüsen in ihrem oder seinem Körper augenblicklich und unwillkürlich Glücks- oder gar Lust-Hormone zusammenbrauen und in den Körper ausstoßen, dann versetzt uns dies darüber hinaus in die Lage, eben diese Schlüsselreize immer wieder ganz bewusst und gezielt dafür zu nutzen, in unserem oder unseren Lieblingsmenschen Gefühle wie Begeisterung, Geborgenheit, Heiterkeit, Vorfreude, Stolz, Dankbarkeit oder eben auch erotische Lust und Leidenschaft auszulösen…
Dies ist keine Einladung zu heimlicher Manipulation… Beziehungen sind und bleiben Kooperationsspiele, in denen es nur wahlweise zwei Gewinner:innen oder zwei Verlierer:innen geben kann…
Hier geht es darum, zu erahnen, was möglich wird, wenn zwei Menschen, die einander lieben, das hier beschriebenen Konditionierungs-Prinzip bewusst berücksichtigen und in ihrem Miteinander gezielt zum Einsatz bringen…
Stellen wir uns daher nun also zwei Menschen vor, die einander überaus anziehend finden und noch dazu wirklich gerne mögen – und die darüber hinaus sehr genau darüber Bescheid wissen, welche Erfahrungen oder Eindrücke die oder den jeweils anderen in Stress versetzen, glücklich machen oder sexuell erregen… Und nun stellen wir uns noch dazu vor, was wohl passieren würde, wenn diese beiden Menschen das jeweilige Wissen übereinander und über sich selbst in ihrem Miteinander ganz bewusst und vorsätzlich dafür nutzen würden, ihre jeweiligen Stress-Knöpfchen so selten und so leise wie möglich zu spielen und die Glücks- oder Lust-Knöpfchen so häufig und so deutlich wie möglich…
Sollte das Bild, das beim Lesen des letzten Absatzes in euren Köpfen erschien, euch verlockend erscheinen, bleibt an dieser Stelle eigentlich nur noch die Frage:
Wie finden wir konkret heraus, worin genau für uns selbst und unseren Lieblingsmenschen die jeweiligen Schlüssel-Reize liegen, die dazu führen, dass die Drüsen in unseren Körpern die eine oder die andere Art von Botenstoffen produzieren…
Diese Frage ist, wie bereits erwähnt, ebenso individuell wie hochkomplex – dafür braucht ihr eine Expertin oder einen Experten in der Sache… Bestenfalls kennt ihr ja jemanden, die oder der sich in dieser Materie besser auskennt als jeder andere Mensch auf Erden… Möglicherweise schlaft ihr ja sogar miteinander… 😉
Schlüssel-Qualitäten: Selbstgewahrsein, Transparenz und Neugier
„Das Vergnügen mag auf Illusion beruhen,
das Glück jedoch beruht allein auf der Wahrheit…“
Nicolas de Chamfort, (1741 – 1794)
Im Grunde ist es gar nicht so schwierig, unsere Trigger, Glimmer und Kinks sowie die unserer Liebsten zu entdecken oder zu erforschen… Da wir nun wissen, wo wir suchen müssen, fällt es uns leichter, sie ausfindig zu machen und frei zu legen…
Wir alle haben im Laufe unseres Lebens emotionale Erfahrungen gemacht, die uns so tief unter die Haut gingen, dass wir sie nie wieder vergaßen… Dies waren wahlweise Augenblicke intensivster Angst, intensivsten Schmerzes, intensivsten Glücks oder intensivster Lust…
Wir können uns wahlweise allein für uns selbst oder aber auch miteinander an diese erinnern und uns dabei fragen:
Was genau in dieser Erfahrung oder diesen Erfahrungen war für mein oder dein damaliges Ich besonders beängstigend, verletzend, beglückend oder erregend…?
Welche Worte, Formulierungen, Berührungen, Blicke, Anblicke oder oder oder gingen dir oder mir dabei besonders tief unter die Haut…
Welche winzigen Teil-Aspekte dieser Erinnerung:en führen allein für sich genommen bereits dazu, dass es sich in unserem Brustraum eng oder weit anfühlt, oder dazu, dass es vielleicht sogar in unserem Beckenraum urplötzlich ein kleines bisschen wärmer wird als zuvor…?
Wir können unsere eigenen Erinnerungen auf diese Weise durchforschen… Wir können dies allerdings auch als Team miteinander tun… Dazu erzählen wir einander von Erfahrungen auf unserem Lebensweg, die uns auf die eine oder andere Weise unter die Haut gingen, und laden einander dazu ein, Vermutungen darüber anzustellen, worin genau wohl die Schlüssel-Reize liegen, die in diesen Erlebnissen in uns aktiviert oder vielleicht sogar angelegt wurden…
Wir können uns selbst und einander in unserem gelebten Miteinander neugierig beobachten… Ein paar erwiesenermaßen hilfreiche Forschungsfragen hierbei könnten sein:
Welche Worte, Formulierungen oder Eindrücke führen immer wieder abrupt zu heftigen Abwehr- oder Fluchtreaktionen…? Welche Erinnerungen oder Assoziationen kommen in solchen Situationen unwillkürlich auf…? Was genau in diesen vergangenen Erfahrungen war besonders schmerzhaft oder überwältigend…?
Welche Filmszenen oder Songs rühren regelmäßig zu Tränen…? Wovon handeln diese, und welche emotional absolut bedeutsame Botschaft vermitteln sie…? Welche Textstelle oder Songzeile geht uns dabei besonders tief unter die Haut…?
Bei welchen Tätigkeiten oder in welchen Situationen blühen wir auf und kommen in unser ganzes Strahlen…? Was genau an diesem Tun oder Erleben ist es, das uns darin unvermittelt auflädt und nährt…? Welchen potenziell kleinen Ereignissen oder Umständen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu…?
Worauf in unserem Leben sind wir stolz…? Wem genau beweisen wir dadurch was genau…? Und wann oder wodurch haben wir gelernt, wie wichtig diese Eigenschaft, Fähigkeit oder Haltung ist…?
Wem oder wofür sind wir in unserem Leben besonders dankbar…? Was genau sagt uns der Auslöser unserer Dankbarkeit uns über uns selbst oder unser Leben…?
Welche Worte, Handlungen oder Sinnesempfindungen erregen uns in unserem Sexualleben immer wieder ganz besonders…? Welche Assoziationen, Erinnerungen, Gedanken oder Gefühle werden dabei unwillkürlich in uns ausgelöst…? Welcher Eindruck oder Subtext dieser Arten von Erfahrungen macht uns besonders scharf…?
Falls Pornos ein Thema sind: Welche Szenen genau schauen wir uns immer wieder an…? Was haben diese Szenen gemeinsam…? Welche direkte oder indirekte Botschaft steckt für uns in oder hinter dem, was wir dort sehen…?
All dies sagt uns etwas darüber, worin genau unsere jeweils ganz eigenen und persönlichen Trigger, Glimmer und Kinks bestehen, und auf welche Weise diese absichtlich oder auch unabsichtlich aktiviert werden können…
Je besser wir unsere eigenen Trigger, Glimmer und Kinks kennen, desto versierter und präziser sind wir in der Lage, unseren Liebespartnern oder Liebespartnerinnen zu vermitteln, was genau sie tun können, um uns in (unnötigen) Stress, in Glückszustände oder auch in Lustzustände zu versetzen… Auf diese Weise helfen wir einander in der Liebe wie in der Lust gegenseitig dabei, die emotionale Klaviatur unseres Miteinanders im Laufe der Zeit immer sicherer, bewusster und virtuoser zu spielen…
So unromantisch und unerotisch dies auch klingen mag:
Menschen, die ihr Lust- und Liebesleben entschlossen und bewusst in dieser Weise angehen, konditionieren sich in diesem Prozess selbst und gegenseitig auf intensive Gefühle von Glück und Genuss in Gegenwart ihrer oder ihres Liebsten…
Die Folgen dieser Art von bewusster, wechselwirksamer Konditionierung allerdings sind allen Berichten zu Folge immer wieder überaus romantisch und nicht selten hochgradig lustvoll und erotisch…
Der langen Rede kurzer Sinn:
Zusammenfassung
„Die größte Gefahr für die meisten von uns
besteht nicht darin, sich zu hohe Ziele zu setzen
und daran zu scheitern, sondern darin,
sich zu niedrige Ziele zu setzen
und damit Erfolg zu haben…“
Michelangelo Buonarroti (1475 – 1564)
In allen zwischenmenschlichen Beziehungen unseres Lebens wirken das „Thorndikesche Wirkungsgesetz“ und die Macht der Konditionierung…
Je nachdem, welche Art von Gefühlen wir wahlweise regelmäßig oder wiederholt hochintensiv in der Gegenwart eines Menschen empfinden, wird unsere Psyche über kurz oder lang erlernen, eben diesen Menschen (=“Reiz“) als Quelle eben dieser Art von Gefühlen (=“emotionale Reaktion“) anzusehen… Dies ist nichts anders als ein klassischer Konditionierungsprozess…
Dieser Prozess läuft fortwährend und unablässig im Hintergrund aller sozialen Beziehungen in unserem Leben… Nirgendwo sind die Auswirkungen dieser Konditionierung deutlicher sichtbar als in Sachen Liebe oder Lust…
In den meisten Fällen führt dieser Prozess bedingt durch Unbeholfenheit und/oder Unachtsamkeit im Umgang miteinander dazu, dass ehemals Liebende sich eines Tages urplötzlich wahlweise als Fremde oder als Feinde wiederfinden…
Es ist jedoch auch möglich, eben diesen Prozess dafür zu nutzen, dass Liebe und Lust in einer romantischen Partnerschaft über Wochen, Monate, Jahre und sogar Jahrzehnte stetig wachsen, gedeihen und immer neue Blüten treiben…
Hierzu allerdings braucht es ein sehr bewusstes und partnerschaftliches Vorgehen (mindestens) zweier Menschen, die als sturmfeste Kompliz:innen der Liebe gemeinsam innerlich auf Forschungsreise gehen, ihre jeweils unterschiedlichen emotionalen und/oder erotischen Schlüssel-Erfahrungen und Schlüssel-Reize entdecken und erkunden und schließlich damit herumexperimentieren, was sie auf diesen Expeditionen über sich selbst oder über einander gelernt haben…
Virtuosität in Sachen Liebe oder Lust ist weniger eine Frage der Willenskraft als eine Frage der Neugier und Aufmerksamkeit auf kleine, für den Rest der Welt möglicherweise unbedeutende Details… Sie ist weniger eine Frage der Worte oder Taten als eine Frage unserer inneren Haltung uns selbst und einander gegenüber…
Überdies ist Virtuosität in Liebe oder Lust niemals allein, sondern immer nur in intimer Verbundenheit mit (mindestens) einem anderen Menschen erreichbar…
Liebesbeziehungen sind Kooperationsspiele, in denen es immer nur wahlweise zwei Gewinner:innen oder zwei Verlierer:innen geben kann… Virtuosität ist in diesem Spiel keine Auszeichnung, die ein einzelner Spieler oder eine einzelne Spielerin erreichen könnte, sondern ein Team-Level, das sich immer nur gemeinsam erreichen lässt…
Diese Art von virtuoser Liebe wünsche ich jeder und jedem von euch da draußen…!
Ich weiß, sie ist möglich…
Von nicht weniger spreche ich, wenn ich sage:
#MAKELOVEGREATAGAIN
Ich weiß, der Ansatz dieses Textes ist sehr nüchtern und spröde…
Wird auch nur annähernd klar, wie viel an Glück und erotischer Lust möglich werden, wenn wir ihm folgen…?
Was kommt dir in den Sinn, wenn du diese Zeilen gelesen hast und nachwirken lässt…?
Hinterlasse mir gerne einen Kommentar…!
Du hast Lust, dich selbst im Umgang mit (Selbst-) Liebe oder Lust professionell begleiten oder supporten zu lassen…? Ein Erstgespräch mit mir ist immer kostenlos und unverbindlich, oft sehr persönlich und manchmal bereits auf Anhieb hilfreich…
Nimm gerne hier KONTAKT mit mir auf…!
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Glücksprägungen: Von Triggern, Glimmern und Kinks
Was bedeutet: „Liebe auf Augenhöhe“…?
Beziehung oder Partnerschaft…?
Ihr wollt euer Vertrauen in einander vertiefen…?
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Je nachdem, auf welchem Liebes-Level ihr euch miteinander aktuell befindet, wählt ihr das eine oder das andere Set an Fragen::
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Deeper Shit: Die Langzeit-Liebende-Edition
Ihr wollt das Abenteuer Wahrhaftigkeit und Transparenz mit eurer oder eurem Liebsten wagen…?
Hier findet ihr ein Spiel aus 24 Fragen, die euch möglicherweise unter die Haut gehen, vielleicht aber auch dabei helfen, genau dort ein kleines bisschen mehr Ordnung und Frieden zu schaffen… Je nachdem, wie ihr ganz persönlich die Sache mit der Sexualität angeht, gibt es diese „24 indiskreten Fragen“ in zwei unterschiedlichen Geschmacksrichtungen:
24 indiskrete Fragen für monogame Liebespaare
24 indiskrete Fragen für nichtmonogame Liebespaare
Ihr wollt mehr Tiefgang in der Liebe und Lust…?
Werft sehr gerne mal einen Blick in meinen Paar-Fragebogen
„sexuelle Vorlieben, Phantasien und Gelüste“…!
Wenn ihr Lust habt, nehmt sehr gerne auch teil an meiner
anonymen Online-Umfrage: „Liebe, Lust und Leidenschaften“…!
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