Die vier Hüter:innen der Liebe: König/Königin, Kind, Engel und Tier

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Die vier Hüter der Liebe: König/Königin, Kind, Engel und Tier

Die vier Hüter:innen der Liebe

König/Königin, Kind, Engel und Tier

                                                                          

Einleitung: Die Illusion der Eindeutigkeit

                                                                          

Seit fast 20 Jahren nun (Stand 2026) arbeite ich als Therapeut und Coach, seit über 10 Jahren mit dem Schwerpunkt „Liebe, Partnerschaft und Sexualität“. Ich helfe Menschen in schwierigen Lebenssituationen und unterstütze sie darin, sich selbst und ihre Welt mit neuen Augen zu sehen.

Einer der Ansätze, die ich hierbei als besonders fruchtbar und wirksam erlebe, ist die Arbeit mit inneren Anteilen oder, wie ich sie nenne: den „inneren Instanzen unserer Psyche“. Dieses Modell nimmt die vielfältigen Widersprüche und Ungereimtheiten unserer Psyche nicht nur zur Kenntnis, sondern es bejaht sie, gibt ihnen eine Stimme und ein Gesicht.

Innere Konflikte erkennen wir aus diesem systemischen Blick heraus als Konflikte zwischen zwei (oder mehr) inneren Persönlichkeitsanteilen, die mit den ihnen jeweils zur Verfügung stehenden Mitteln darum ringen, unser Verhalten in die eine oder in die andere Richtung zu steuern. Je nachdem, welcher unserer Anteile gerade Zugriff auf unser Bewusstsein und unsere Entscheidungen hat, werden wir äußerlich recht vergleichbare Situationen intuitiv möglicherweise sehr unterschiedlich interpretieren und entsprechend sehr unterschiedlich reagieren.

Diese systemische Sicht auf unsere Gedanken, Gefühle und Impulse gibt uns ein neues und leichteres Verständnis für Phänomene, Situationen oder Interaktionen, die uns aus unserer Vorstellung unserer Psyche als „eindeutigem, geschlossenen Ganzen“ heraus geradezu als unverständlich und verwirrend erscheinen müssen.

Hier ein paar kleine Beispiele:

Helen ist eine kluge und selbstbewusste Frau. Sie liebt ihren Mann und ist sehr zufrieden in ihrer Ehe. Sie haben eine gute Zeit miteinander und streiten niemals. Warum dann empfindet sie eine so starke Anziehung zu dem neuen Kollegen in ihrer Abteilung? Wenn er den Raum betritt, klopft ihr Herz, und sie bekommt Gedanken, von denen sie ihrem Mann nicht erzählen mag. Was ist mit Helen los?

Jens ist ein durchaus erfolgreicher Geschäftsmann in seinen Vierzigern. Er ist ist ein liebevoller und verständiger Vater und ein fürsorglicher Ehemann. Doch manchmal bricht aus ihm ein Choleriker hervor, der seiner Frau und seinen Töchtern regelrecht Angst macht. Was genau ist es nur, das in solchen Situationen aus dem ansonsten so gutherzigen Jens hervorbricht?

Melanie arbeitet als Büroangestelle im Controlling eines mittelständischen Betriebs. Ihre Kollegen kennen sie als „graue Maus“, die auf Firmenfeiern um punkt halb elf verschwunden ist. Mehrmals im Jahr fährt Melanie auf überregionale BDSM-Treffen. Die Menschen, die sie dort erleben, sagen ganz andere Dinge über sie. Führt Melanie ein Doppelleben?

Ist Helen treu oder untreu?
Ist Jens friedfertig oder gefährlich?
Ist Melanie schüchtern oder frivol?

So lange wir im Blick auf uns selbst oder andere die Vorstellung eines „eindeutigen Ganzen“ im Kopf haben, zerschellt unser Bild der Dinge immer wieder an der Vielschichtigkeit des Lebens. Wenn wir nun jedoch beginnen, den Menschen als System zu betrachten, löst sich der Widerspruch auf. Das zuvor scheinbar zwingende Entweder-Oder wird durchscheinend, und wir erfahren die große, befreiende Gleichzeitigkeit des Sowohl-Als-Auch.

                                                                          

Das Universum in uns

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit den inneren Anteilen in anderen Menschen und nicht zuletzt in mir selbst. Dabei fasziniert es mich bis heute, wie zutiefst menschlich und oft leicht nachvollziehbar diese innerpsychischen Teilaspekte sich in ihren Reaktions- und Verhaltensweisen immer wieder zeigen.

Es ist fast so, als gäbe es in unserem geistigen Feld ein eigenständiges Universum, das bewohnt und belebt ist von beständig miteinander und gegeneinander kommunizierenden und interagierenden Wesenheiten. Ein Feld, das wir beobachten, und in das wir eingreifen können. Denn es ist möglich, mit diesen Anteilen in uns in Kontakt und sogar bewusst mit ihnen in Verhandlung zu treten.

                                                                          

Hinweis: Im Namen der Wahrhaftigkeit möchte ich anmerken, dass die „Kräfte“, „Anteile“ oder „Instanzen“, von denen ich in diesem Artikel schreibe, physikalisch nicht existieren. Es ist lediglich so, „als ob“ sie existieren würden. Die metaphorische Beschreibung innerer Anteile als Wesenheiten oder „Spirits“ ist lediglich ein bildliches Modell, eine Übersetzung innerpsychischer Prozesse in eine Sprache, die wir mit unserem Bewusstsein erfassen, deuten und mit dem wir interagieren können. Das ist vielleicht nicht wissenschaftlich präzise, aber es ist wirklich überaus praktisch.

                                                                          

Zurück ins Bild:

Wer mit diesem psychischen Universum in sich selbst oder Anderen in Kontakt tritt, entdeckt bald eine große Fülle ganz verschiedenartiger innerer Anteile oder Kräfte, die unsere Gedanken, Wahrnehmungen und Interaktionen im Alltag deutlich prägen. Der Grundgedanke innerer Anteile ist der Alltagspsychologie wohlbekannt. Wobei die meisten Menschen diesen Ansatz meiner Erfahrung nach bedauerlicherweise nur halbherzig verfolgen.

Nicht wenige „Therapeut:innen“ oder „Coaches“ beispielsweise sprechen mit großer Selbstverständlichkeit von „dem inneren Antreiber“, „der inneren Kritikerin“ oder „dem (einen) inneren Kind“… Und übersehen dabei einerseits, dass es in uns nicht eines, sondern mehrere ganz unterschiedliche Kinder gibt, und dass „Antreiben“ oder „Kritisieren“ zwar Verhaltensweisen sind, aber nicht Grundhaltungen dem Leben gegenüber. Es gibt innere Anteile in uns, die uns antreiben oder kritisieren, aber keiner von diesen ist „die Antreiberin“ oder „der Kritiker“. Dieser Unterschied mag fein erscheinen, aber er ist doch folgenschwer in Bezug auf unseren Umgang mit diesen inneren Instanzen oder Stimmen…

Krieger:in, Spieler:in, Strateg:in oder nicht zuletzt auch die oder der alte Weise dagegen sind meiner Auffassung nach fest verankerte Archetypen in uns, die uns, wenn wir erst mit ihnen Freundschaft geschlossen haben, in unserem Leben von innen heraus mit Rat oder sogar Tat unterstützen können. Dies ist in meinen Augen ein überaus wertvolles und in vielerlei Hinsicht hilfreiches Feature unserer Psyche.

Von all den mannigfaltigen Stimmen in uns kommt meinem heutigen Verständnis unseres Liebes-Spiels nach vier inneren Instanzen eine besondere und hervorgehobene Bedeutung zu. Jede dieser vier Instanzen inkorporiert grundlegende und entscheidende Qualitäten unseres Selbstempfindens als liebendes und geschlechtliches Wesen.

Jede dieser Instanzen ist, so könnte man sagen, als Hüterin oder Hüter für eine wesentliche Sphäre unserer Liebesbeziehungen zuständig. Je mehr wir diese jeweiligen Anteile in uns erkannt, erfahren und integriert haben, desto schöner und erfüllter wird dieser Aspekt unserer Liebe erblühen. Je weniger wir uns diesem Anteil in uns gewidmet und ihn entfaltet haben, desto kümmerlicher sieht es voraussichtlich in diesem Feld unserer Liebe aus.

Ich nenne diese Instanzen:

Den König oder die Königin,
(all) die inneren Kinder,
den Engel und
das Tier.

                                                                          

Die vier Hüter:innen der Liebe

Viele Paare, die mit mir das Gespräch suchen, kommen irgendwann an das Thema Abhängigkeit versus Unabhängigkeit. Eine:r der beiden fühlt sich durch die oder den andere:n eingeengt und begrenzt und beschreibt ihn oder sie als „abhängig und klammernd wie ein Kind!“ Der andere Partner beschreibt ersteren dagegen als kühl und emotional distanziert. Beide argumentieren abwechselnd, warum sie sich genau so fühlen, wie sie sich fühlen. Dahinter steckt bei beiden der schlichte Wunsch, sich in all dem, was sie sind, was sie wahrnehmen und spüren, angenommen und geliebt zu fühlen.

Zwei Dinge übersehen sie dabei:

Zum einen macht, wenn wir unentwegt versuchen, dem anderen das Recht auf seine Gefühle abzusprechen, es genau diesem Anderen in aller Regel nicht gerade leichter, uns als besonders liebenswerte Wesen wahrzunehmen und mit einem Herzen voller Liebe zu betrachten. Diesen Gedanken in einem Konflikt zur Verfügung zu haben, kann grundsätzlich sehr hilfreich sein.

Zu Anderen beruht das in unserer Kultur verbreitete Diktat der Unabhängigkeit auf einer bloßen Illusion. Wir glauben, es wäre möglich, in einer intimen Beziehung voneinander unabhängige Wesen zu bleiben. Ich persönlich glaube: Das ist es nicht.

Ein zweites Thema, das mir immer wieder begegnet, ist vom Geben und Nehmen. Wer gibt wie viel wovon? Im Haushalt, mit den Kindern, im Job oder im Schlafzimmer. Wer nimmt wie viel? Und wovon? Wer will ständig Sex? Wer gibt sich nicht hin? Wer ist zu grob oder zu empfindlich worin genau?

                                                                          

Hand auf’s Herz:

Du verfügst über eine reiche Lebenserfahrung. Du weißt eine Menge über das Leben. Und du weißt ebenfalls: Es sind deine Entscheidungen, die dein Leben lenken. Du bist unabhängig. Es gibt keinen Menschen, dessen Verlust du nicht in der Lage wärst, zu verarbeiten. Du und niemand sonst bist der Kern und das Maß deines eigenen Lebens.

Nicht nur. Aber auch.

                                                                          

Nochmal Hand auf’s Herz:

Mal unter uns: Manchmal weißt auch du nicht so ganz genau, worum es in deinem Leben gerade geht, oder? Manchmal ist dir das alles zu viel und zu groß und zu kompliziert. Manchmal sehnst du dich nach einer Umarmung oder einem lieben Wort. Manchmal bist du albern. Manchmal fühlst du dich abhängig von dem, was andere Menschen denken, sagen oder tun. Manchmal wünscht du dir jemanden, der dir zeigt, welches der richtige Weg ist. Es ist wahr: Du bist auch heute noch das Kind, das du damals warst. Jedes der Kinder, das du jemals warst, wird für den Rest deines Lebens in dir sein. Ob dir das schmeckt oder nicht: Teile deiner Psyche werden niemals älter sein als 2, 5, 9, 12 oder 16 Jahre alt. Diese Teile in dir werden niemals „erwachsen“, „vernünftig“ oder „verantwortungsbewusst“ sein. Im Gegenteil: Sie sind zutiefst emotional, empathisch, impulsiv und kreativ. Sie leben ganz im Hier und Jetzt und verbinden dich mit den Ur-Quellen der Lebendigkeit in dir. All das ist Teil dessen, was es für dich bedeutet, „ich“ zu sein..

Nicht nur. Aber auch.

                                                                          

Na klar:

Du magst es, wenn du anderen Menschen eine Freude machst und sie dir ihre Freude zeigen. Du stellst dich und deine Wünsche zurück, um andere Menschen glücklich zu machen. Du tust immer wieder dein Bestes, damit es nicht nur dir, sondern auch deinen Liebespartnern, deinen Freund:innen und Mitmenschen gut geht. Du bist ein echter Engel.

Nicht nur. Aber auch.

                                                                          

Andererseits:

Findest du es manchmal auch überaus verlockend, auf alle Etiketten zu pfeifen und einfach dein Ding zu machen. Vielleicht tust du’s sogar. Manchmal hast du Lust, Dinge zu tun, die so manchen deiner Familienangehörigen, Nachbarn oder Kolleg:innen rote Ohren bescheren würden, wenn sie davon wüssten. Vielleicht tust du sie sogar. Manchmal verspürst du eine regelrechte Lust daran, einzufordern, was du willst. Manchmal spürst du das wilde, rohe und ungezähmte Tier in dir. Dieses Tier bist du.

Nicht nur. Aber auch.

                                                                          

Wir sind sowohl groß als auch klein. Wir sind sowohl dreckig als auch edel und rein. Wir sind sowohl schüchtern als auch wild. Wir sind erfahren, fähig zu großen Taten und fühlen uns doch von Zeit zu Zeit unserem Leben machtlos ausgeliefert.

All das sind wir. Und all das suchen wir in unseren Liebespartner:innen. Je nachdem, welches „ich“ dabei auf welches „du“ trifft, wird die Energie in unseren Begegnungen wahlweise sehr harmonisch fließen oder aber ein gehöriges Chaos hervorrufen.

Je tiefer wir die folgenden vier Istanzen oder Grundenergien in uns erfahren und durchdrungen haben, desto klarer und reiner können sich diese in uns integrierten „Instanzen“, „Anteile“ oder „Spirits“ in ihrer ganzen Kraft und Schönheit entfalten. Innere Anteile jedoch, die wir in uns selbst oder anderen Menschen ablehnen oder leugnen dagegen, entwickeln sich oft zu einem unansehnlichen Zerrbild ihrer ursprünglichen Schönheit und Kraft.

                                                                          

Der König / Die Königin:
Ich wähle dich.

Der König / Die Königin ist das Sinnbild all dessen, was in uns bewusst, integer und würdig ist. Wir könnten ihn oder sie auch den erwachsenen Mann / die erwachsene Frau oder den guten Vater / die gute Mutter nennen.

Es ist der Archetyp des weisen Herrschers oder der weisen Herrscherin. Der gute Vater oder die gute Mutter des Reiches und all seiner Einwohner:innen. Diese Königin weiß um ihren Wert und den ihres Landes und gibt nichts davon unter eben diesem Wert hin. Sie ist erfahren im Leben und bewahrt auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf. Der König steht zu sich und zu seinem Wort. Er hat in seinem Tun stets das Ganze und die Zukunft im Blick. Der König weiß, wo er gebraucht wird. Genau dort ist er und gibt gibt das, was gebraucht wird von ihm.

Der König oder die Königin hat als Archetyp in unserer Kultur einen hohen Wert. Die Königin ist selbstbewusst und selbstbestimmt. Der König ist frei. Der König verhandelt mit Gleichgesinnten auf Augenhöhe und kriegt häufig sehr viel von dem, was er will. So möchten wir gerne, dass alle anderen Menschen uns sehen: Als König oder Königin unseres eigenen Lebens.

Die archetypischen Kräfte des Königs oder der Königin in uns sind nicht Macht oder Dominanz über jemanden oder etwas. Es sind Würde, Entschlossenheit und Integrität.

Leider haben aber nicht alle Menschen gelernt, eine derart erwachsene Form des Königs oder der Königin zu entwickeln. Statt der Verantwortung für ihr Handeln lehrten ihre Vorbilder sie, ihre Macht zu missbrauchen, um andere zu unterdrücken und zu beherrschen. Sie wurden zu Tyrannen und Despotinnen. Dies sind die Schattenformen des Königs und der Königin: pervertierte, degenerierte, aus unterdrücktem Zorn oder unterdrücktem Schmerz entstandene Zerrbilder all dessen, was Selbstbewusstheit und Selbstbestimmheit bedeuten könnten.

Solche Menschen erzeugen in ihrem direkten Umfeld und darüber hinaus beständige Kämpfe um Macht oder Recht und erschaffen dadurch Unmengen an unnötigem emotionalem Leid. Ihr Regime endet oft sehr plötzlich und auf unschöne Weise. Doch das ist nur ein schwacher Trost.

Andere Menschen scheinen bislang noch über so gar kein Königs- oder Königinnenbewusstsein zu verfügen. Sie ordnen sich gewohnheitsmäßig unter. Sie überlassen ihr Schicksal den Entscheidungen Anderer und erheben ihre Stimme auch dann nicht, wenn sie etwas Wertvolles oder gar Entscheidendes zu sagen hätten. Auch diese Menschen haben eine Königin oder einen König in sich. Nur ist der Thron in ihnen von einer schwachen und unentschlossenen Witzfigur besetzt, die das Land im Stich lässt, und über die das eigene Volk spottet und flucht.

Wenn diese Menschen doch einmal für ihre Interessen eintreten, so hat dies oft etwas sehr Kindliches. Ihre Wünsche haben wahlweise etwas unterwürfig Bettelndes, oder aber sie werden trotzig, fordernd oder kämpferisch vorgebracht. Wenn die Königin nicht bereit ist, die Verantwortung für das eigene Leben, die eigenen Erfahrungen und Beziehungen zu übernehmen, füllen kindliche Anteile in uns dieses Machvakuum. Das kann nicht gut sein für unser Leben, unserer Erfahrungen und Beziehungen; und es kann nicht gut sein für die inneren Kinder in uns.

Der König sucht in seinem Gegenüber die Königin. Und sie sucht ihn. (Schwule und lesbische Könige und Königinnen suchen natürlich jeweils ihresgleichen. Logisch.) Gemeinsam ist ihr Heimatfeld das Feld der bewusst gestalteten Partnerschaft. Auf Augenhöhe führen sie die Beziehung mit dem Ziel größtmöglicher Mehrung des Glücks aller Seiten.

Das zumindest kann passieren, wenn erwachsene Könige und Königinnen miteinander in Kontakt sind.

                                                                          

Der König / Die Königin spricht:

„Die Liebe ist eine Entscheidung.

Ich habe dich gewählt und mich für dich entschieden. Ich kenne mich gut und weiß auf mich zu achten. Ich weiß, dass jeder und jede von uns gleich wichtig ist. Darum bevorzuge ich Entscheidungen, die uns beide unserem Glück näher bringen. Ich habe jederzeit gleichzeitzig meine, deine und unsere Ziele im Blick, so dass ich im Stande bin, dich zu führen, wenn du nicht mehr weißt, wo du bist oder wohin du mit mir kommen wolltest.

Ich weiß, dass ich nicht vollkommen bin, und dass du es nicht bist. Wir beide haben Fehler gemacht und werden wieder Fehler machen, aberwir werden bestenfalls immer neue, immer abenteuerlicherer Fehler machen. Dadurch wird das Leben interessant und Entwicklung überhaupt erst möglich. Was immer mir und uns geschehen wird: Ich bin gewillt, in der Lage und bereit dazu, diesen Weg des Wachstums und der Liebe mit dir gemeinsam zu gestalten und zu gehen.“

                                                                          

Die inneren Kinder:
Lass uns spielen…!

Wenn wir einen Menschen lieben, dann aktiviert das ganz ursprüngliche Bedürfnisse nach Geborgenheit und Angenommensein. Wir wünschen uns, dass die oder der Andere uns so annimmt und liebt, wie wir sind. Mit allem, was wir sind. Wir können diese kindlichen Wünsche noch so sehr psychologisch oder spirituell durchleuchtet und entlarvt haben, es ändert doch nichts daran, dass sie tief in unserem Inneren aktiv und wirksam sind. Die inneren Kinder in uns wissen nichts über Neurobiologie oder Weisheitslehren. Die Kinder in uns wissen, dass sie sich nach einem Zuhause sehnen. Eines, in dem sie sich geliebt, geborgen und wirklich willkommen fühlen.

Die inneren Kinder in uns sind voller kindlicher Impulse, Bedürfnisse und Ideen. In ihrer Welt gibt es kein Gestern oder Morgen. Sie sind spontan, verspielt, emotional und außerdem sehr leicht zu verunsichern, zu verängstigen oder zu verletzen. Der Schmerz ist jetzt da, und die Freude will jetzt zum Ausdruck kommen. Dadurch bringen unsere inneren Kinder viel Spontaneität und Lebendigkeit in unser Lust- und Liebesleben ein. Manchmal sind sie trotzig, bockig, emotional aufgewühlt oder verwirrt. Und ob es uns gefällt oder nicht: Die Liebe eines inneren Kindes ist immer auch eine abhängige und bedürftige Liebe. Gleichzeitig vermag uns kaum etwas in unserem Leben derart zum Strahlen bringen wie jene Augenblicke, in denen sich unsere inneren Kinder geliebt, geborgen und vergnügt fühlen.

Viele Menschen haben Schwierigkeiten mit den inneren Kindern in sich oder ihren Partner:innen. Sie spüren die Bedürftigkeit und Abhängigkeit dieser Instanzen und lehnen sie auf Grund eben dieser Eigenschaften ab. Das ist aus ihrer ganz eigenen Entwicklungsgeschichte heraus zumeist recht leicht verständlich. Viele von uns haben mit dem unreflektiert-kindlichen Verhalten anderer Menschen ebenso wie mit ihrer eigenen Abhängigkeit überaus unangenehme Erfahrungen gemacht.

Möglicherweise wurden unsere eigenen Wünche und Bedürfnisse in der Kindheit fortwährend missachtet, so dass wir gelernt haben, diese zu unterdrücken und den damit verbundenen Schmerz zu betäuben. Oder aber (bzw. nicht selten: und/oder!) wir litten unter beständigen Manipulationen durch unsere nahesten Bezugspersonen, die uns gelehrt haben, dass Wünsche anderer Menschen in Wirklichkeit Erwartungen sind, deren Nicht-Erfüllung schmerzhafte Konsequenzen nach sich zieht. 

(Wenn du dich von dieser Beschreibung angesprochen fühlst, wirf mal einen Blick auf die deutsche Fassung des A.C.E.-Fragebogens in diesem Blog.)

Glücklich, das heimische Irrenhaus vermeintlich endlich verlassen zu haben, lehnen manche Menschen alles ab, was auch nur von Weitem nach Bedürftigkeit oder Abhängigkeit riecht. Nicht selten allerdings nehmen sie den Samen dafür mit in ihr zukünftiges Liebesleben und reinszenieren dort das Drama ihrer Kindheit und Jugend auf die eine oder andere Art und Weise beständig neu.

Dabei sind es nicht die abhängigen oder ungestümen Kinder in uns, die den Fehler machen. Unsere inneren Kinder sind und bleiben Kinder – bis zum Ende unseres Lebens.

Für diese Kinder in uns und ihr Wohlergehen ist selbstverständlich niemals unser Partner verantwortlich, sondern allein wir selbst. Das ist wahr. Und natürlich ist nur unser Partner oder unsere Partnerin für seine oder ihre eigenen inneren Kinder verantwortlich. Dennoch können wir lernen, die kindlichen Anteile in uns selbst und unseren Mitmenschen zu lieben, selbst wenn wir ihre Stimmungen oder ihr Verhalten ablehnen.

Ein rebellierendes inneres Kind ist immer auch ein Zeichen für einen schwachen oder verschollenen König:innen-Anteil in uns. Wenn die Kinder in uns unserer eigenen inneren Führung nicht vertrauen, rebellieren sie mit den Mitteln von Trauer, Trotz oder Rebellion. Wenn es keine Königin oder keinen König gibt, die oder der sie einen erwachsenen und würdigen Umgang mit der aktuell erlebten Situation zutrauen, werden sie notgedrungen selbst das Ruder an sich reißen und der bestehenden Herausforderung mit ihren (naturgemäß: kindlichen) Mitteln begegnen.

Ist die innere Königin in ihrer erwachsenen Form entwickelt, so wird diese feststellen, dass ein inneres Kind akut unerfüllte Bedürfnisse hat und sehr darunter leidet. Sie wird erkennen, dass dieses Kind gerade nicht besonders gut in der Lage ist, für das zu sorgen, was es akut dringend braucht. Also wird sie einschreiten und das, wonach das Kind sich sehnt, nach außen hin in einen erfüllbaren Wunsch gefasst zum Ausdruck bringen. Wird der Wunsch dennoch nicht erfüllt, ist die innere Königin (oder der innere König) im Stande, diesem kindlichen Anteil liebevoll und nahbar Trost, Halt und Beistand zu schenken.

Vielleicht jedoch haben die Kinder in uns wiederholt erfahren müssen, dass sie unerwünscht sind, bedeutungslos und ungeliebt. Darum verkriechen sie sich auf dem Dachboden oder im Keller unserer Psyche. Vielleicht aber sind sie dort auch eingesperrt, weil ein anderer Teil in uns das ständige Weinen, Sehnen und Brauchen nicht ertrug und sie in ihre finsteren Kerker verbannte.

Die Grundessenz unserer inneren Kinder ist die Verbundenheit. Um sich zu verbinden, brauchen sie jedoch sowohl die Bereitschaft als auch Fähigkeit des oder der Anderen, sich zu öffnen und eine echte Verbindung auf Herzensebene einzugehen. Verbundenheit zuzulassen bedeutet Verletzlichkeit zuzulassen. Dieser Schritt erfordert Vertrauen. Sowohl in unser Gegenüber, als auch insbesondere in uns selbst.

Häufig auftretende Schattenaspekte unserer inneren Kinder sind Unmündigkeit, Impulsivität, Naivität und nicht zuletzt emotionales Drama.

Innere Kinder, die über längere Zeit keinen Raum hatten, zu spielen und sich auszuprobieren, verlernen, zu spielen und sich auszuprobieren. Dadurch machen sie fortan kaum mehr positive Erfahrungen, die ihr Vertrauen in sich selbst und ihre Sicherheit im Umgang mit der Welt stärken. Solche Kinder verkümmern zu traurigen Schatten ihrer sonst ursprünglichen Frische und Lebendigkeit.

Unsere inneren Kinder sind die verletzlichsten Teile unserer Psyche. Je nachdem, wie oft wir in unserer eigenen Geschichte die eine oder die andere Art von Erfahrungen gemacht haben, desto leichter oder schwerer wird es uns fallen, einem anderen Menschen zu vertrauen. Wenn in einer Liebesbeziehung die Kraft der inneren Kinder fehlt, dann fehlen spontane Lebendigkeit und Freude. Es fehlen Abenteuerlust, Verspieltheit und Neugier. Eine weitere Qualität jener kindlichen Anteile in uns ist die Erfahrung absoluter Geborgenheit durch bedingungsloses Vertrauen in einen Menschen, den wir lieben.

Die Kinder in unseren Mitmenschen suchen die Kinder in uns. Und umgekehrt. Sie suchen nach jemandem, mit der oder dem sie spielen können, kuscheln oder toben. Und niemand in uns kann all dies so gut wie unsere inneren Kinder.

Allerdings geben die kindlichen Anteile in uns nicht immer die hilfreichsten Antworten auf das, was kindliche Anteile in unserer oder unserem Liebsten von sich gibt. Darum ist es klug, sie in solchen Momenten nicht alleine zu lassen.

                                                                          

Die inneren Kinder in uns sprechen:

„Spiel mit mir! Guck mal, was ich kann! Komm mal her! Hast du mich noch lieb? Ich hab dich sooo dolle lieb! Jetzt sind wir Tiere und treffen uns im Wald! Erzählst du mir eine Geschichte? Ich will auf deinen Arm! Noch ein bisschen kuscheln! Hast du mich noch lieb?

Du bist der/die tollste ( Setze hier deinen Namen ein! ) in der ganzen Welt!“

                                                                          

Der Engel:
Ich diene dir.

Wir mögen nach außen hin noch so abgebrüht oder verdorben erscheinen: In uns allen drin existiert ein Engel, für den es das Größte ist, wenn er (oder sie) einen anderen Menschen glücklich macht. Es ist das Lächeln oder Lachen im Gesicht unserer Mitmenschen, das diesen Teil in uns glücklich macht und nährt.

Psychologisch betrachtet macht diese Kosten-Nutzen-Rechnung in den meisten Fällen absolut Sinn. Kosten doch die meisten Gefallen, die wir unserer oder unserem Liebsten (oder einem anderen Menschen in unserem Leben) tun können, kaum nennenswert Zeit, Aufmerksamkeit oder Energie. Im Gegenzug erfahren wir – einen ebenfalls wohlwollenden Partner vorausgesetzt – ein direktes positives Feedback in Form eines Lächelns, eines Kusses, einer Umarmung oder eines Paares strahlender Augen.

Auch den Engel gibt es nicht nur in einer Licht- sondern auch in einer Schattengestalt. In dieser tritt er auf als der- oder diejenige, der oder die sich für andere Menschen weit über alle gesunden Grenzen hinaus aufopfert oder ausliefert, damit diese zufrieden sind oder sich doch zumindest nicht beschweren. 

Der Schatten des Engels zeigt sich insbesondere bei Menschen, die große Angst vor Konflikten haben. Sie hatten in ihrem Leben möglicherweise niemals positive Vorbilder dafür, dass und wie ein Konflikt auch der Nährboden für gemeinsames Wachstum in der Liebe sein kann. Daher verbiegen und verdrehen sich solche Menschen bis hin zur Unkenntlichkeit, um jedem Konflikt in ihrem (Liebes-) Leben weitestmöglich aus dem Weg zu gehen.

In Frage gestellt, zeigen sie mit stolz geschwellter Brust all die Dinge auf, die sie für den Anderen oder die Kinder oder die Familie (oder…) getan haben und tun, ohne sich je (sic!) darüber zu beklagen. Was in diesem Geist getan wurde jedoch, wurde nicht geschenkt, sondern geschah kühl berechnend in Gedanken auf einen später einzufordernden Ausgleich.

Verstehen wir uns nicht falsch: Ich bin durchaus der Meinung, dass nicht alles, was wir einem oder einer Anderen Gutes tun, ein Geschenk sein muss. Manche Dinge binden ein hohes Maß an Zeit, Aufmerksamkeit und/oder Energie, so dass ihnen im Sinne der Augenhöhe ein wie auch immer gearteter Gegenwert gegenüber stehen sollte. Dies allerdings sind keine Geschenke der Engel. Dies sind Gaben, über die Könige und Königinnen miteinander verhandeln.

Der Engel in uns jedoch dient aus reiner Freude am Dienen heraus. Er ist es, der die Dinge nicht nur gut macht, sondern schön. Der Engel bezahlt die Rechnung, weil es ihm eine Freude ist, dies zu tun. Er ist es, der das Essen kocht oder sich frisch rasiert, bevor der oder die Liebste zu Besuch oder nach Hause kommt. Nicht aus Angst vor Konflikt oder Ablehnung heraus, sondern weil ihn selbst das Glück und die Freude seiner Mitmenschen beglücken, nähren und mit tiefem Sinn erfüllen.

Ein erwachsener Engel in uns ist in der Lage, alles in uns selbst, in der Welt und in unseren Mitmenschen mit den Augen der Liebe zu sehen. Das macht ihn zu einem unersetzlichen inneren Berater in jeder Form von Beziehungskonflikt. Er mag nicht besonders gut darin sein, auf liebevolle Weise klare Grenzen zu ziehen. Dies ist eher eine Aufgabe für die Königin oder den König in uns. Aber er kann uns stetig daran erinnern, das gute Herz in unseren Liebsten (oder Mitmenschen) zu sehen, selbst (und insbesondere) wenn sie gerade nicht dazu im Stande sind, uns dieses besonders deutlich zu zeigen.

Der Engel in uns findet sein Gegenstück im Anderen von ganz allein.

                                                                          

Der Engel spricht:

„Ich diene dir. Dein Freude ist mein Glück. Ich schenke mich dir mit meinen besten Gaben hin. Ich schenke dir mein Wohlwollen und meine Energie. Ich schenke dir meine Aufmerksamkeit und meine Zeit. Ich schenke dir die Bereitschaft, dir und deinem Glück auf die beste Weise zu dienen, die mir auf würdige und verantwortliche Weise möglich ist.

Nicht, weil du es dir verdient hättest. Nicht, weil du die oder der Tollste oder die Schönste wärst. Und schon gar nicht, weil du mich brauchst. Sondern allein, weil du bist, wie du bist. Weil ich dich liebe. So, wie du bist.“

                                                                          

Das Tier:
Ich will dich!

Stellen wir uns für einen Augenblick lang vor, die Urkraft unserer Leidenschaft und Lebendigkeit stünde in Gestalt eines wilden und ungezähmten Tieres vor uns. Welches Tier haben wir vor Augen? Vielleicht sehen wir ein Raubtier mit Krallen oder Fell oder ein Tier mit Hufen, vielleicht etwas Fliegendes oder ein Wesen aus dem Meer.

Das Tier in uns ist wild und ungezähmt. Es fragt nicht, ob es darf. Dieses Tier nimmt sich, was es will. Das Tier in uns verkörpert die selbstverständliche Entschlossenheit und Wollenskraft des Lebens selbst.

Das Tier in uns hat ebenso wie unsere inneren Kinder nur einen sehr begrenzten Zeithorizont. Ein Impuls, der aufkommt, will hier und jetzt gelebt oder zumindest zum Ausdruck gebracht werden. Das Tier in uns pfeift auf Konventionen. Das Tier in uns ist wild, ungezähmt und gierig. Das ist nicht immer besonders angemessen oder klug. Manchmal jedoch fühlt sich genau das von innen wie von außen geradezu unbeschreiblich sexy an.

Das Tier in uns ist die Verkörperung all unserer Sehnsucht nach Leidenschaft, Lebendigkeit und Selbstbejahung.

Die Welt des Tieres ist wie die des Kindes funktionsbedingt eine stark egozentrische. Für den Blick auf das gemeinsame Wir fehlt die Weitsicht der Königin oder die Herzensgüte des Engels. Greifen diese nicht regulierend ein, kann es zu schweren Grenzüberschreitungen kommen, da das Tier in seinem Hunger Widerstand nur als ein zu überwindendes Hindernis sieht.

Das Tier in uns sucht das Tier im Anderen, mit dem es raufen und an dem es sich reiben kann. Im Spiel der Leidenschaft und in der Reibung des Anderen spüren wir die Kraft des Tieres im Anderen und in uns selbst.

Ein ungezügeltes hungriges Tier kann sehr ungestüm oder sogar gefährlich werden. Sowohl für uns selbst als auch für unser Gegenüber. Darum haben viele Menschen ihr eigenes Tier bereits früh hinter Gitter oder an eine feste Leine gebracht. Das erschien ihnen als die beste Lösung. Leider beraubten sie ihr inneres Tier dadurch nicht nur seiner Freiheit, sondern nicht zuletzt darüber hinaus seiner Würde. Und wundern sich, dass es heute apathisch in die Leere blickt und bemitleidenswert den gesenkten Kopf hin und her schaukelt.

Es ist ein schrecklicher und folgenschwerer Irrglaube, dass wir das Tier in uns beherrschen oder zähmen müssten! Ein beherrschtes Tier wird wahlweise sich selbst aufgeben oder aber beständig nach der Lücke im Zaun suchen. Und es wird sie finden. Ein „erfolgreich“ gezähmtes Tier mag hübsch anzusehen und leicht zu frisieren sein. Vielleicht kann es sogar Kunststücke. Ob seiner Harmlosigkeit und Charakterlosigkeit allerdings hält die Faszination an ihm jedoch in der Regel nicht allzu lange an.

Das Tier in uns muss weder eingesperrt noch angeleint sein, noch müssen wir es mit Substanzen oder Ersatzhandlungen betäuben. Das Tier darf frei sein, sich bewegen, sich räkeln und sich unverschämt und hemmungslos paaren. All das kann und darf sein, wenn die Königin eine Königin ist, zu der auch die Löwin, Bärin oder Antilope in Ehrfurcht aufschaut. Und der König ein König, vor dem sich auch der Wolf, Tiger oder Elefant in Achtung und Ehrfurcht verneigt.

Es ist nicht zuletzt die Kraft des Tieres, die in manchen Liebesgeschichten Leidenschaft und sexuelle Anziehung über Jahre und Jahrzehnte hinweg immer wieder neu mit Leben erfüllt. Um genauer zu sein: Es ist die Kraft zweier Tiere, die einander freudig jagen, erlegen und vernaschen im wechselseitigen Spiel der Lust.

Ein über Jahrzehnte in Ketten gehaltenes Tier wieder auszuwildern, baucht Geduld und klare Führung. Ein gefangenes Tier hat verlernt, sich im Wald oder in der Steppe zurecht zu finden. Vielleicht hat es gelernt, dass die Welt da draußen ein gefährlicher Ort ist, wo es geschlagen und beschimpft wird, und dass es nur in seinem Käfig Ruhe findet.

Hierbei kann es sehr hilfreich sein, wenn das Tier die Witterung eines anderen Tieres aufnimmt, das in der Welt der Wildnis erfahren und zuhause ist. Nicht immer jedoch rührt dieser verlockende Duft von dem Partner her, dem wir uns verbunden fühlen. Was dann passiert, ist entweder davon abhängig, wie neugierig oder aber wie hungrig das innere Tier in uns ist.

                                                                          

Das Tier spricht:

„Ich rieche dich! Ich rieche dein Fleisch, und ich rieche deine ganze irdische Existenz. Ich rieche dein Zögern und deine Scham. Ich rieche deinen Herzschlag, und ich rieche deine Lust. Ich rieche den Mann oder ich rieche die Frau in dir. Ich rieche alles, was in dir fließt und strömt und lebt. Bis hier hin bin ich deiner Witterung gefolgt, um mich an all dem zu laben, was du bist. Ich will dich, und ich bin hierher bekommen, um dich packen und zu nehmen.“

                                                                          

Ehren und Nähren

Die vier inneren Aspekte unserer Psyche, die ich in diesem kleinen Essay beschrieben habe, sind meiner Erfahrung nach von grundlegender Bedeutung für unser Miteinander in der Liebe – und damit nicht zuletzt für deren Tiefe und Stabilität.

Wir alle wollen in unserer Größe und Kraft gesehen werden. Und wir wollen dennoch und gleichzeitig geliebt werden in der ganzen Anmut unserer Unvollkommenheit, Verletzlichkeit und Angst.

Wir alle wollen gesehen werden in unserer Unschuld, Reinheit und Güte. Und wir wollen gewollt werden in unserer ganzen, irdischen, rohen Lebendigkeit und Lebenskraft.

Und all das, genau das, suchen wir in der Liebe in unserem Gegenüber: Das Wilde und das Reine, das Starke und das Schwache. All das wollen wir. Oder nicht…?!

Wenn wir mit unserem oder unserer Liebsten keine Partnerschaft empfinden,…

Wenn uns die Leidenschaft „abhanden kommt“,…

Wenn wir keine fürsorglichen Gefühle mehr für den Anderen empfinden,..

Wenn wir unsere Verletzlichkeiten, Ängste und Wünsche sorgsam vor dem anderen verbergen (oder er/sie die seinen oder ihren vor uns vor uns), …

… dann wird es fraglich, ob es uns möglich sein wird, uns in einer solchen Beziehung jemals wahrhaft glücklich, genährt und erfüllt zu fühlen.

Ehren und nähren wir jedoch bewusst eben diese Aspekte in uns selbst und unsereren Liebespartner:innen, so stellen wir bald fest, dass eben diese Bereiche unserer Beziehung beginnen, zu wachsen, sich zu entfalten, zu gedeihen und zu blühen.

                                                                          

Wenn all das möglich ist…

… warum sollten wir weniger wollen?
… warum sollten wir weniger geben?

 

#makelovegreatagain

 

💜💙💚💛🧡❤️

                                                                          

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Falls dieser Text dir gefallen hat, lies gerne hier weiter:

Wer ist „ich“?

Der Mensch als Objekt, als Prozess und als System

Sechs Schritte zur Selbstliebe

Klüger fühlen

Nicht…! Gut…! Genug…!

 

Ihr wollt das Abenteuer Wahrhaftigkeit und Transparenz mit eurer oder eurem Liebsten wagen…?

Hier findet ihr ein Spiel aus 24 Fragen, die euch möglicherweise unter die Haut gehen, vielleicht aber auch dabei helfen, genau dort ein kleines bisschen mehr Ordnung und Frieden zu schaffen… Je nachdem, wie ihr ganz persönlich die Sache mit der Sexualität angeht, gibt es diese „24 indiskreten Fragen“ in zwei unterschiedlichen Geschmacksrichtungen:

24 indiskrete Fragen für monogame Liebespaare

24 indiskrete Fragen für nichtmonogame Liebespaare

 

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