Stolz: macht sexy…!

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Stolz: macht sexy…!

„Ein gesundes Selbstbewusstsein entsteht dadurch, dass wir uns selbst konfrontieren, uns selbst herausfordern dazu, zu tun, was richtig ist, und uns dadurch Respekt vor uns selbst verdienen…“

David Schnarch (1946 – 2020)

                                                                          

Ich liebe den Stolz…!

Wann immer ich ihn erleben oder bezeugen darf, wärmt und weitet er mir das Herz…
Neben Dankbarkeit, Begeisterung und Rührung gehört der Stolz zu meinen absoluten Lieblings-Gefühlen… Ganz unabhängig davon, ob ich ihn selbst empfinde, oder ob er mir aus dem Gesicht oder aus der Stimme anderer Menschen entgegen strahlt…

Stolz nämlich ist weit mehr als nur ein gutes Gefühl…

Gesunder Stolz ist psychologisch überaus mächtig… Und darüber hinaus unter gewissen Umständen geradezu unignorierbar sexy…

Ähnlich wie der Neid gehört auch der Stolz zu jenen Gefühlen, die in unserer Kultur einen zweifelhaften Ruf genießen… Der schlechte Ruf des Neids liegt darin begründet, dass viele von uns ihn gleichsetzen mit seiner degenerierten Form: der Missgunst…

Auch unser Verständnis des Stolzes ist korrumpiert… Auch ihn verwechseln viele von uns mit seiner degenerierten Gestalt… Und diese Verwechslung hat nicht nur Auswirkungen darauf, was wir sagen, sondern vor allem darauf, was wir fühlen…

Gesunder, natürlicher Stolz ist eine emotionale Antriebskraft, die sowohl uns Menschen als einzelne als auch die uns umgebende Gemeinschaft oder Kultur umso mehr erblühen lässt, je mehr Menschen in dieser Gemeinschaft oder Kultur eben diesen gesunden, natürlichen Stolz empfinden und ausstrahlen…

Um die positive Wirkung des Stolzes wirklich erfassen zu können allerdings, braucht es zunächst eine möglichst scharfe Definition und einige präzise Abgrenzungen…

                                                                          

Nicht alles, was Stolz genannt wird, ist Stolz…
Wie unsaubere Sprache unser Empfinden beeinflusst…

Die grandioseste Täuschung ist die Sprache.
Wir sagen gar nicht das, was wir fühlen,
sondern das, was wir von uns erwarten…

Gerhard Roth (1942 – 2023)

                                                                          

Beginnen wir mit einer einfachen, aber relevanten Wahrheit:

Gesunder, natürlicher Stolz beruht immer allein auf uns selbst und unserem eigenem Handeln…

Wir können nicht stolz auf etwas sein, was ein anderer Mensch oder eine Gruppe anderer Menschen getan hat, sei dies ein Freund oder eine Freundin, ein Elternteil, ein Kind, eine Regierung oder eine Sportfrauschaft…

Wir können beeindruckt sein von dem, was andere Menschen tun, begeistert, ergriffen, gerührt, ermutigt, erleichtert oder auch inspiriert… Vielleicht werden wir sogar ein kleines bisschen neidisch…

All dies sind sehr gesunde, natürliche und sogar wertvolle Reaktionen darauf, wenn ein eine Person (oder eine Gruppe von Personen), mit der wir uns verbunden fühlen, etwas geleistet hat oder uns vorlebt, das wir toll finden…

Viele Menschen verwechseln diese Gefühle mit Stolz, weil es ihnen immer wieder genau so vorgemacht wurde durch Menschen, die uns (oder anderen Menschen in unserem Beisein) sagten: „Ich bin stolz auf dich…!“, während das, was sie wirklich fühlten, möglicherweise Begeisterung war oder Ergriffenheit, Erleichterung oder Neid…

Der Satz „Ich bin stolz auf dich…!“ verschleiert also die wahren Gefühle, und darüber hinaus dimmt er ihre emotionale Intensität, indem er eine wertvolle Erfahrung eines Menschen auf eine reine Bewertung durch einen Anderen verkürzt…

Natürlich klingt der Satz: „Ich bin stolz auf dich…!“ auf Anhieb erstmal schön… Da ist jemand, der oder die uns oder unser Tun positiv bewertet… Und das ist doch toll…!

Betrachten wir nun aber einmal die emotionale Wirkung dieser Aussage im Vergleich mit ein paar potenziell interessanten Alternativen…

Stellen wir uns vor, ein Mensch, der für uns wichtig ist, würde statt: „Ich bin stolz auf dich…!“ einen der folgenden Sätze zu uns sagen:

„Ich war begeistert, als ich gesehen habe, wie du…!“

„Es hat mich gerührt, als ich gehört habe, wie du…!“

oder auch:

„Ich war vorhin echt neidisch auf dich, als ich dich dabei beobachtet habe, wie du…!“

Möglicherweise vielleicht gefolgt von einem überzeugten: „Du kannst echt stolz auf dich sein…!“

Wenn du die Chance hättest, auch Worte wie diese zu hören, würdest du stattdessen wirklich lieber hören wollen: „Ich bin stolz auf dich…!“…?!

Diese unsaubere Verwendung des Wortes „Stolz“ hat Auswirkungen auf unsere Psyche…
Sie führt dazu, dass wir danach streben, Dinge zu tun, die andere Menschen (unsere Eltern, unsere Kinder, unsere Freund:innen…) beeindrucken oder stolz auf uns machen, anstatt jene Dinge zu tun, mit denen wir uns selbst beeindrucken oder stolz machen könnten…

Allerdings gibt es im Umgang mit dem Stolz noch eine weitaus gefährlichere Verwechslung mit noch weit größeren Auswirkungen auf unser Denken, unser Fühlen und unser Selbstwertempfinden…

                                                                          

Wenn Stolz degeneriert…

Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz… Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt… Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen… Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein… Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen…

Arthur Schopenhauer (1788 – 1860)

                                                                          

Ich wiederhole an dieser Stelle, weil dies wichtig ist:

Dinge, Umstände oder Ereignisse, die nicht auf unserem eigenem Handeln beruhen, können, dürfen und sollen sogar überaus wundervolle Gefühle in uns auslösen… Freude, Rührung oder Staunen beispielsweise… Begeisterung, Erleichterung oder auch Neid… All diese Gefühle sind psychologisch sehr gesund und nährend…

Ganz besonders hervorheben und unterstreichen möchte ich an dieser Stelle die von vielen Menschen allzu leichtfertig unterschätzte Dankbarkeit

Wann immer wir etwas Gutes erleben, das nicht in unserem eigenen Tun begründet liegt, hilft Dankbarkeit uns dabei, uns als beschenkt zu erleben… Sei dies durch die Menschen um uns herum, durch eine göttliche Instanz oder auch das Leben selbst… Gerade weil wir uns das Gute, das wir erfahren, eben nicht durch unser eigenes Tun verdient haben, bedeutet dies, dass wir um unserer selbst wegen wertvoll sein müssen… Warum sonst würden unsere Mitmenschen oder unser Leben uns derart beschenken…?

Apropos Dankbarkeit:

Da das Empfinden von Stolz immer auf unserem eigenen Tun beruht, können wir auch nicht stolz sein auf Besitztümer oder Zugehörigkeiten welcher Art auch immer…

Schopenhauers Worte einleitende Worte nahmen als ein besonders frappierendes Beispiel den sogenannten „Nationalstolz“ bereits voraus…

Ich möchte an dieser Stelle keine politischen Themen vertiefen, sondern lediglich eine einfache Frage stellen… Diese lautet:

Ist Stolz wirklich eine gesunde emotionale Reaktion auf die Tatsache, in einem bestimmten Land dieser Erde geboren oder von diesem aufgenommen worden zu sein…? Oder wäre nicht stattdessen Dankbarkeit für eben diesen Umstand eine weit gesündere emotionale Reaktion…?

Und gilt nicht bei Lichte betrachtet genau dasselbe für unsere Religion oder Weltanschauung, für unseren Körper, für unser Geschlecht oder sexuelle Orientierung, für unsere Familie und für jede Art von nicht selbst erworbenem Wohlstand, Rang oder Ruhm…?

All diese Dinge sind nicht die Früchte unseres eigenen Handelns, sondern beruhten unter’m Strich auf potenziell (mindestens teilweise) glücklichen Umständen und Zufällen… Aus diesem Grunde kann Stolz nicht der korrekte Name für diese Art von emotionalen Regungen sein…

Selbstverständlich können wir uns selbst stolz machen durch unseren Umgang mit eben diesen Dingen…

Dem entsprechend steht auch das Wort „PRIDE“ (deutsch: „Stolz“) in der LGBTQIA+Bewegung eben nicht für: „Ich bin stolz auf meine sexuelle Identität oder Orientierung…!“ sondern für: „Ich bin stolz auf meinen selbst-bewussten und würdevollen Umgang mit meiner sexuellen Identität oder Orientierung…!“ Gerade diese Bewegung ist daher in meine Augen ein beeindruckend positives Beispiel für einen selbst-bewussten Umgang mit ihrer Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Menschen, die aus Gründen, die nicht in ihren Händen lagen, in gewissen Details anders sind als der gewohnte Wald-und-Wiesen-HeteroCis-Mainstream um sie herum…

Weiterhin beinhaltet Stolz als Gefühl ausschließlich eine Botschaft an uns selbst über uns selbst… Diese Botschaft des Stolzes an uns selbst über uns selbst lautet:

„Ich bin gut so, wie ich bin…!“

Beinhaltet das Gefühl, das wir empfinden, wahlweise eine Botschaft über einen anderen Menschen oder an einen anderen Menschen, ist auch dies daher ein sicheres Zeichen dafür, dass es sich bei diesem Gefühl nicht um Stolz handeln kann…

Hier kommt die degenerierte Form des Stolzes ins Spiel:

Der Hochmut

Hochmut gedeiht insbesondere in den Psychen jener Menschen, die nur selten gesunden Stolz empfinden… Er preist sich selbst als Rettungsanker für den eigenen Selbstwert an… Hat er sich einmal eingenistet jedoch, vergiftet der Hochmut jene, die ihn empfinden, fortwährend und fortschreitend…

Die Botschaft des Hochmuts nämlich lautet:

„Ich bin besser als du (oder er oder sie)…!“

oder auch:

„Wir sind besser als die…!“

Halten wir uns die folgende psychologische Wahrheit vor Augen:

Ein Mensch, der stolz ist auf sich selbst, empfindet kein Verlangen danach, sich selbst oder anderen Menschen gegenüber zu demonstrieren, dass nochmals andere Menschen weniger bedeutsam, wichtig oder gar wert wären als er oder sie… Dieses Verlangen entsteht meiner Erfahrung nach grundlegend nur in Menschen, die gerade eben nicht davon überzeugt sind, wertvoll oder wichtig zu sein… Warum sonst sollten sie so viel Aufwand betreiben, um auf Dinge hinzuweisen, die mit ihnen selbst nichts zu tun haben…?

Auch dies ist ein sehr einfaches Unterscheidungsmerkmal zwischen gesundem Stolz und giftigem Hochmut: Gesunder Stolz zeigt sich als ein warmes, helles Strahlen, das einen Menschen umgibt… Hochmut zeigt sich wahlweise eiskalt und bitter oder polternd und lärmend…

Dies vor Augen ist es im Grunde gar nicht so schwer, Stolz und Hochmut recht klar und eindeutig zu unterscheiden…!

Eine Gesellschaft, Gemeinschaft oder Familie voller hochmütiger Menschen ist erfüllt von Kälte, Groll und Bitterkeit, übertönt von oberflächlichem Getöse…

Eine Gesellschaft, Gemeinschaft oder Familie voller selbst-bewusst stolzer Menschen dagegen ist erfüllt von Wärme, von Herzlichkeit und Wohlwollen, begleitet von Neugier und Humor…

Da wir nun unterschieden haben, was Stolz ganz sicher nicht ist, können wir uns endlich dem widmen, was ich gesunden, natürlichen Stolz nenne…

Dieses Gefühl nämlich ist sowohl ein Booster für unser Selbstwertempfinden als auch für unser persönliches Wachstum…

Wir müssen es nur lassen…

Was ist Stolz, und was macht er mit uns…?

„Mut tut gut…!“

Volksmund

Ich wiederhole an dieser Stelle noch einmal, weil es so wichtig ist:

Gesunder, natürlicher Stolz beruht ausnahmslos immer allein auf unserem eigenem Handeln…

Natürlich hat nicht jede unserer Taten das Zeug dazu, uns mit Stolz zu erfüllen… Damit dies passiert, müssen wir Dinge tun, sagen oder auch denken, mit denen wir uns selbst beeindrucken… Wann immer dies passiert, empfinden wir im Anschluss daran oder manchmal auch bereits währenddessen ganz unwillkürlich gesunden, natürlichen Stolz…

Gesunder, natürlicher Stolz beinhaltet umgangssprachlich die Botschaft:

„Oh, wow…! Das habe ich echt gut gemacht…! Wie geil ist das denn…?!“

In aller Regel gefolgt von einem schmunzelnd geflüstertem:

„Das machen wir mal wieder…!“

Stolz fühlt sich toll an, aber Stolz ist weitaus mehr ist als einfach nur ein gutes Gefühl…
Gesunder Stolz flutet unseren Körper mit Glückshormonen wie Serotonin, Dopamin oder Testosteron… Diese Botenstoffe fühlen sich nicht nur überaus angenehm an, sie weiten auch unsere Sinne und schärfen unsere Wahrnehmung…

Wann immer wir wirklich stolz sind auf uns selbst, brennt sich diese Erfahrung spürbar und nachhaltig in unser Bewusstsein und in unser Gedächtnis ein…

Nahezu immer bleibt im Nachklang dieses Gefühls mindestens eine gewisse Neigung zurück, eben jene Tat oder Herangehensweise, mit der wir uns selbst beeindruckt haben, in Zukunft erneut zum Einsatz zu bringen… Möglicherweise vielleicht sogar noch ein kleines bisschen mutiger als dieses Mal…

Wer immer wieder Dinge tut, mit denen er sich selbst beeindruckt und daraufhin Stolz empfindet, wird eben diese Dinge zwangsläufig immer wieder und dadurch schließlich immer mutiger und bewusster, geschmeidiger und gezielter tun…

Aus dieser Perspektive heraus wird deutlich:

Gesunder, natürlicher Stolz ist eine emotionale Antriebskraft, die uns dazu anhält, uns stetig weiter zu entwickeln… Gesunder Stolz motiviert uns dazu, das, was wir gut gemacht haben, zu wiederholen – und bestenfalls auszubauen… Gesunder Stolz treibt uns dazu an, unser eigenes Potenzial immer weiter zu entfalten…

Dies und nicht weniger als dies ist die psychologische Wirkung von gesundem und natürlichem Stolz…

Aber ich lege noch einen drauf:

                                                                          

Stolz macht sexy…!

Sex-Appeal ist etwas, was man tief im Inneren spürt.
Ich kann ihn ebenso gut voll bekleidet rüberbringen,
beim Äpfelpflücken oder wenn ich im Regen stehe.

Audrey Hepburn (1929 – 1993)

                                                                          

Stellen wir uns einen Menschen vor, der (ohne jede Form von Überheblichkeit und Geltungssucht) stolz ist auf etwas, was er gerade getan hat… Wie würde ein solcher Mensch wohl vor uns stehen…?

Wenn wir stolz auf uns selbst sind, richtet sich unser Körper auf… Unser Rückgrat wird gerade… Unser Atem strömt bis tief in den Bauch hinein… Unsere Mundwinkel werden ganz unwillkürlich umspielt von einem heiteren Lächeln, und unsere Augen strahlen…
Menschen, die frei von Hochmut stolz sind auf auf ihre eigenen Taten, umgibt ein unübersehbares und zugleich ansteckendes Leuchten…

Dadurch, dass wir uns selbst (auf Basis der Beobachtung unseres eigenen Tuns) als wertvoll und bedeutsam erkennen, ändert sich auch unser Blick auf die Menschen, die uns umgeben… Da wir Zeuge oder Zeugin unserer eigenen Größe wurden, werden wir unwillkürlich neugierig auf die Größe und Begabungen der Menschen, die uns umgeben…

Menschen, die stolz sind auf sich selbst, strahlen Selbstvertrauen, Offenheit, Neugier und Humor aus – Eigenschaften, die nicht ohne Grund beim Dating und Verlieben durch die Bank eine wichtige Bedeutung haben…

Selbstvertrauen, Offenheit, Neugier und Humor sind Eigenschaften, die auf nahezu jeden Menschen mindestens sympathisch und attraktiv wirken…

Begegnen wir Selbstvertrauen, Offenheit, Neugier und Humor nun allerdings in einem Menschen, der zufälligerweise unseren (bewussten oder unbewussten) Beuteschemata auch nur halbwegs entspricht, wird aus „sympathisch und attraktiv“ ganz unwillkürlich ein „unignorierbar sexy“…!

Aus guten Gründen empfehle ich Menschen, die ihre eigene Attraktivität erhöhen wollen daher, immer mal wieder Dinge zu tun, mit denen sie sich selbst stolz machen oder, wie ich es sage: „ihr Spiegelbild beeindrucken“…

Das warme Leuchten gesunden Stolzes ist unübersehbar, es ist ansteckend und es ist zum Fingerlecken sexy…!

Apropos „Stolz ist ansteckend“:

                                                                          

Stolz als Motor gesellschaftlichen Fortschritts und Wohlstands

Auf die Füße kommt unsere Welt erst wieder,
wenn sie sich beibringen lässt, dass
ihr Heil nicht in Maßnahmen, sondern
in neuen Gesinnungen besteht…

Albert Schweitzer (1875 – 1965)

                                                                          

So wie die Scham uns konfrontiert mit unserer eigenen Unvollkommenheit oder Begrenztheit, konfrontiert uns der Stolz mit unserer eigenen Größe…

Dieses Empfinden eigener Größe, Begabtheit oder Wirksamkeit erzeugt in uns ein Bestreben, auch andere Menschen in ihrer eigenen Größe zu sehen oder auf dem Weg dorthin zu unterstützen… Ist es nicht so…?

Sollte diese Annahme korrekt sein, ließe sich daraus Folgendes schließen:

So giftig der Hochmut für die Psyche des Menschen und die Gemeinschaft um ihn herum ist, so gesund und nährend ist der Stolz auf beiden Ebenen…

Stellen wir uns eine Gesellschaft vor, in der alle Menschen immer wieder stolz sind auf das, was sie getan, erreicht oder geschaffen haben…

Stellen wir uns eine Gesellschaft vor, in der alle Menschen immer wieder in Kontakt sind mit ihrer eigenen Größe, Bedeutung oder Wirkung…

Stellen wir uns eine Gesellschaft vor, in der die Menschen im Angesicht ihrer eigenen Größe ganz selbstverständlich auch ihre Mitmenschen als wertvoll, als bedeutsam und unterstützenswert betrachten und behandeln…

Was wäre das für eine Gesellschaft…?

Ich sehe vor mir eine Gemeinschaft aus Menschen, die sich selbst und einander immer wieder neu dazu anhalten, Dinge zu tun, mit denen sie sich selbst beeindrucken und stolz machen…

Vielleicht dadurch, dass die trockenes Land fruchtbar machen…

Oder dadurch, dass sie ihren Kindern liebevolle und einfühlsame Eltern sind…

Vielleicht dadurch, dass sie Bücher schreiben, Songs komponieren oder Kunstwerke schaffen…

Vielleicht dadurch, dass sie einen bescheidenen, aber bedeutenden Beitrag zur Lösung einer bedeutsamen Frage finden…

Vielleicht auch dadurch, dass sie bei sich im Ort ein kleines Handwerk oder Geschäft eröffnen und mit Erfolg betreiben…

Oder dadurch, dass sie anderen Menschen weiter geben, was sie selbst im Laufe ihres Lebens gelernt oder erfahren haben…

Ich sehe vor mir eine Gesellschaft aus Menschen, die nicht nur Freude daran haben, sich selbst immer weiter zu entwickeln, sondern aus dem Empfinden eigener Größe heraus genährt danach streben, auch die Stadt, die Gemeinschaft oder die Familie, in der sie leben, immer glücklicher, gesünder und lebenswerter werden zu lassen…

Ich persönlich glaube daher, gesunder, natürlicher Stolz bringt nicht nur uns selbst mehr und mehr zum Wachsen, Gedeihen und Blühen, sondern lädt durch unser Vorbild auch die Welt, in der wir leben, zum Wachsen, zum Gedeihen und Blühen ein…

Es ist nachvollziehbarerweise schwer, Stolz zu empfinden, wenn all unsere Kraft und Aufmerksamkeit dabei aufgerieben werden, Monat für Monat irgendwie halbwegs unbeschadet über die Runden zu kommen…

Die Vision einer stolzen Stadt oder Nation benötigt daher eine gerechte Verteilung der finanziellen Mittel sowie begleitend aktive Maßnahmen zur Bekämpfung von Armut und Leid, Einsamkeit, Ausgrenzung und weiteren emotional oder sozial destabilisierenden Faktoren…

Im Kleinen jedoch können wir alle etwas dazu beitragen, mehr Stolz und Selbstvertrauen, Offenheit, Neugier und nicht zuletzt vielleicht sogar Sex Appeal in unser eigenes Leben und in die Welt um uns herum einzustreuen und sanft einzumassieren…

Alles, was wir dafür tun müssen, ist dass wir uns selbst ganz bewusst immer wieder neu herausfordern dazu, das zu tun, was wir für richtig halten, und auf diese Weise uns selbst durch unser eigenes Tun immer wieder neu beeindrucken und dadurch stolz machen…

Mit ein wenig Glück wird unser Vorbild auch die Menschen, die uns erleben, dazu einladen, sich selbst und ihrem eigenen Potenzial Schritt für Schritt immer näher zu kommen…

                                                                          

Challenge:
Beeindrucke dich selbst…!

Tu jeden Tag eine Sache, die dir Angst macht…!

Eleanor Roosevelt (1884 – 1962)

                                                                          

Gesunder, natürlicher Stolz stärkt unser Selbstvertrauen, macht uns offener, wohlwollender und noch dazu attraktiver…

Diese emotionale Kraft jedoch entfaltet sich nur dann, wenn wir selbst etwas getan oder geleistet haben, womit wir uns auf die eine oder andere Weise beeindruckt haben…

Wenn wir von uns selbst ernüchtert sind oder gar schämen, wird kein gutes Zugerede von außen uns dazu bringen, Stolz zu empfinden…

Sind wir selbst jedoch aufrichtig beeindruckt von dem, was wir getan haben, wird keine Schelte oder Strafe von außen dazu führen, dass wir uns stattdessen dafür schämen…

Auch werden weder Besitz, noch Rang oder Zugehörigkeit welcher Art auch immer uns jemals mit Stolz erfüllen können… Bestenfalls erfüllen sie uns mit heilsamer Dankbarkeit und dem Wunsch, der Welt etwas von dem Glück, das wir erfahren haben, zurück zu geben… Schlimmstenfalls erfüllen sie uns mit Hochmut und einem giftigen Verlangen danach, andere Menschen auszugrenzen und abzuwerten…

Vor dieser Falle sollten wir uns daher tunlichst hüten…!

Gesunder, natürlicher Stolz aber entfacht in uns ein Feuer, das uns dazu anhält, uns selbst und unserer ganzen Größe und Schönheit von Tag zu Tag und von Lebensjahr zu Lebensjahr Schritt für Schritt näher und näher und näher zu kommen…

Genau aus diesen Gründen liebe ich den Stolz…

Ganz egal, ob es mein eigener Stolz ist, den ich empfinde, oder ob er mir aus dem Gesicht oder aus der Stimme anderer Menschen entgegen strahlt…!

Abschließen möchte ich meine Gedanken über den Stolz mit zwei kleinen, aber potenziell sehr wirksamen Fragen zum Mitnehmen…

Sie lauten:

Womit genau hast du dich zuletzt selbst beeindruckt…?

und:

Womit genau könntest du dich selbst potenziell als Nächstes beeindrucken…?

In diesem Sinne, ihr Lieben:

Macht euch selbst stolz…!

Und lasst euch überraschen, was danach geschieht…!

#makepridegreatagain

                                                                          

💜💙💚💛🧡❤️

                                                                          

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