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Trennung mit Kindern: Das lange Manöver

Trennung mit Kindern: Das lange Manöver

Was du als Vater (oder Mutter) tun kannst, auch wenn du dein Kind nur viel zu selten siehst

Die statistischen Zahlen sprechen eine ermutigende Sprache. 95% der Sorgerechtsklärungen vor deutschen Familiengerichten enden derzeit mit dem Ergebnis des geteilten Sorgerechts.

Es hat sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten vieles getan.

Und doch empfinden sich viele getrennte (oder auch nicht getrennte) Väter als Elternteile zweiter Klasse. Weil die Zeit, die ihnen von Seiten der Mütter oder der Gerichte für ihr Sein mit ihren Kindern als angemessen zugebilligt wird, in ihren Augen zu kurz ist, um eine tragfähge Beziehung als Vater zu ihren Kindern herzustellen. Weil es immer nur Wochenende- und Urlaubssituationen sind, die sie mit ihren Kindern teilen. Weil ihre Kinder im Zuhause des Vaters eben nicht zuhause sind, sondern immer nur mal wieder „zu Besuch“.

Viele Männer fühlen sich in ihrer Rolle als Vater ihrer Kinder entwertet und marginalisiert. Sie möchten eine tragfähige Beziehung zu ihren Kindern aufbauen. Allein: Sie wissen nicht, wie.

Wie kann ich eine tragfähige Beziehung zu meinen Kindern aufbauen, wenn ich diese nur jedes zweite Wochenende sehe? Wie kann ich als ganzer Vater, als ganzer Mann, als ganzer Mensch, im Leben meiner Kinder präsent sein, anstatt in die üblichen (und würdelosen) Rollen des Freizeitpapas und Sugar-Daddys abzugleiten?

In der Tat: Das ist nicht einfach. Allerdings ist es auch nicht unmöglich.

Dieser Artikel lädt dich ein, deine Perspektive zu verändern. Und auf diese Weise möglicherweise Handlungsmöglichkeiten und Strategien zu entdecken, die dir vielleicht bislang verborgen waren.

Im Namen des Vaters

Nur zu gerne hätte ich diesen Artikel über Eltern, die ihre Kinder nicht sehen können oder dürfen, geschlechtsneutral formuliert. Mütter und Väter sind durch dasselbe emotionale Band mit ihren Kindern verbunden. Mütter und Väter erleben denselben Schmerz, wenn ihnen ihr Kind entzogen und entfremdet wird. Mütter und Väter sehnen sich gleichermaßen nach einem lebendigen Miteinander, Austausch und Alltag mit ihren Kindern.

Doch was wissenschaftlich längst ein alter Hut ist, hat kulturell noch einen weiten Weg vor sich. Bis heute gilt in vielen Familien und vor den meisten staatlichen Institutionen der Vater als ein Elternteil zweiter Klasse. Seine erzieherische Aufgabe besteht darin, die Mutter nach besten Kräften zu unterstützen. Er mag da draußen, in seinem Job, ein großer Held sein. In seiner elterlichen Rolle ist der Vater bestenfalls eine ungelernte Hilfskraft.

Wenn selbst die Lebensrealität vieler Kinder aus vermeintlich „heilen“ Familien faktisch ohne Vater auskommt, weil dieser wöchentlich 40-60 Stunden in der Woche im Büro, in der Werkstatt oder in der Praxis verbringt und seine Kinder daher werktags nur zum Frühstück und mit etwas Glück auch zum Abendbrot sieht, dann muss es uns nicht wundern, dass dieses Missverhältnis in vielen getrennten Elternschaften noch weit eklatanter ausfällt.

In aller Regel ist es in Deutschland in solchen Fällen die Mutter, bei der die Kinder gemeldet und zuhause sind. Die Mehrheit der getrennt lebenden Väter beschränkt sich (freiwillig oder unfreiwillig) auf zwei Wochenenden im Monat und grob die halben Ferien. Manchen Vätern gar wird der Umgang mit ihren Kindern von Seiten der Mütter und mancher Behörden gänzlich untersagt.

Leider ist auch das gegenteilige Phänomen statistisch betrachtet männlich: Der Vater, der sich entzieht. Der seine Sachen packt und die Mutter mit den Kindern, die auch die Seinen sind, zurück lässt und aus seinem Leben verbannt.

So viele Ängste, so viel Scham und so viel verletzter Stolz auch in vielen Fällen hinter solchen Geschichten liegen mögen: Ein solches Verhalten ist verantwortungslos und unehrenwert. Und es ist traurig. Nicht nur für die Kinder dieser Väter (und Mütter), sondern auch für sie selbst. Denn wie die Beziehung zu unseren Eltern so sind auch jene zu unseren Kindern untrennbar mit unserer Identität verbunden. Blenden wir diese aus, so blenden wir einen Teil dessen aus, was wir sind.

Ebenso erbärmlich und verantwortungslos ist das Verhalten jener Mütter, die die Väter ihrer Kinder aus niederen Motiven, aber niemals ohne Anspruch auf die alleinige Definitionshoheit über das Kindeswohl, aus dem Leben dieser Kinder drängen.

Welche Auswirkungen genau das Fehlen eines Elternteils auf die Identitätsbildung und emotionale Entwicklung eines Kindes hat, wird gerade erst erforscht. Als sicher kann allerdings bereits jetzt schon gelten, dass es diese inneren Prozesse nicht eben fördert, wenn nur ein Elternteil da ist, an dessen Weltbild und Umgang mit dem Leben wir uns orinentieren können. Darüber hinaus können wir davon ausgehen, dass es emotional einen großen Unterschied macht, ob dieser fehlende Elternteil verstorben ist oder noch lebt – und dennoch als Lücke im System erlebt wird. Ebenso können wir zwar einen Stiefelternteil durchaus „wie einen Vater“ oder „wie eine Mutter“ lieben. Und doch macht das Wissen darum, dass sie biologisch dies eben nicht sind, einen subtilen, aber dennoch spürbaren emotionalen Unterschied.

Inzwischen existiert eine Reihe von Organisationen, die es sich zum Auftrag gemacht haben, Vätern zu helfen, die denen der Zugang zu ihren Kindern durch die Mütter oder andere Instanzen erschwert oder verhindert wird:

Initiativen der Väterhilfe in Deutschland

Väteraufbruch
Väternotruf
Väter helfen Vätern
Trennungsväter

Am Ende dieses Artikels findest du eine Auflistung von Organisationen der Väterhilfe in Deutschland, in Österreich und der Schweiz.


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