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Ja zu allem, was ich bin!

Die psychischen Grundbedürfnisse des Menschen

„Die Zeit wird kommen, wo unsere Nachkommen sich wundern, dass wir so offenbare Dinge nicht gewusst haben.“
Lucius Annaeus Seneca (4 v. Chr – 65 n. Chr.)

In a nutshell

Neben den physischen Grundbedürfnissen nach materiellen und energetischen Ressourcen haben wir Menschen (und andere Lebewesen) weitere Bedürfnisse psychischer Natur.

Das Nahrungsfeld unserer Psyche ist nicht Materie oder Energie, sondern Information.Unsere Psyche ist eine komplexe immaterielle Struktur zur Verarbeitung von Information. Sie ist evolutionär entstanden. Bereits weit vor Erscheinen des Menschen entwickelten Lebensformen Informationsverarbeitungsstrukturen, die ähnliche Funktionen aufweisen wie die Psyche des Menschen.

Die Entwicklung der Psyche verlief nach Erscheinen erster einzelliger Lebensformen in vier Stufen. Jede dieser Stufen stellte einen evolutionären Quantensprung dar, der substanziell neue Fähigkeiten mit sich brachte. Diese Entwicklungen gab es jedoch nicht zum Nulltarif.

Jede Entwicklungsstufe brachte neue Bedürfnisse mit sich.

Stufe 0: Einzellige Lebensformen

Bedürfnisse:
– Leben (Selbsterhaltung, Existenz, Sein)

Stufe 1:  Mehrzellige Lebensformen

Bedürfnisse:
– Sicherheit (Zuversicht, Stabilität, Schutz, Halt, Loyalität, Treue)
– Wohlbefinden (Unversehrtheit, Gesundheit, Fitness, Erholung)
– Leichtigkeit (Energieeinsparung, Einfachheit, Harmonie)
– Orientierung (Klarheit, Struktur, Ordnung, Regeln, Führung, Kontrolle)

Stufe 2: Tierisches Leben

Bedürfnisse:
– Wirksamkeit (Handlungsfähigkeit, Einfluss, Macht, Souveränität)
– Freiheit (Autonomie, Selbstbestimmtheit, Un-Abhängigkeit)
– Intensität (Lebendigkeit, Leidenschaft, Selbst-Erfahrung, Schönheit, Sinnlichkeit)
– Entwicklung (Wachstum, Entfaltung, Lernen)

Stufe 3: Soziale Tiere

Bedürfnisse:
– Zugehörigkeit (Gesellschaft, Gemeinschaft, Familie, Clan)
– Anerkennung (Wertschätzung, Achtung, Respekt, Bedeutung, Nützlichkeit, Leistung)
– Gerechtigkeit (Fairness, Respekt, Angemessenheit, Gleichwertigkeit)
– Verbundenheit (Intimität, Geborgenheit, Nähe, Vertrauen)

Stufe 4: (Selbst-)Bewusstes Leben

Bedürfnisse:
– Selbsterkenntnis (Bewusstheit, Weisheit)
– Sinn (Berufung, Vision, Mission)
– Integrität (Wahrhaftigkeit, Konsistenz, Authentizität, Würde)
– Augenhöhe (Aufrichtigkeit, Transparenz, Ebenbürtigkeit, Partnerschaft, Kooperation)

Die in diesem Artikel aufgeführte Struktur gibt meine Sicht der stufenweisen Entstehung der Psyche sowie unserer psychischen Bedürfnisse im Laufe der Evolution wieder. Auch jedes Lebewesen selbst bildet im Laufe seiner individuellen Reifung seine Bedürfnisse in meinen Augen voraussichtlich in dieser oder einer sehr ähnlichen Reihenfolge aus.

Physische wie psychische Grundbedürfnisse können nicht direkt, sondern nur indirekt durch Interaktion mit der grobstofflichen Welt befriedigt werden, in dem wir beispielsweise einen Apfel essen, die Heizung aufdrehen oder ein Gespräch führen. Diese Handlungsweisen stellen Strategien dar, die unser System nutzt, um sich seine Bedürfnisse zu erfüllen.

Im Laufe unseres Lebens erlernen wir eine Vielzahl von Strategien, die dazu geeignet sind, uns unsere (physischen oder psychischen) Bedürfnisse zu befriedigen oder aber zu verhindern, dass wir auf zu vielen dieser Ebenen gleichzeitig großen Mangel empfinden.

Unserem bewussten Verstand werden ungenährte Bedürfnisse als innere „Wünsche“ oder „Befürchtungen“ gewahr, die wir uns selbst, unseren Mitmenschen oder „dem Leben“ gegenüber haben. Diese Wünsche oder Befürchtungen sind die Grundlagen unseres Handeln.

Es gibt immer mehrere Wege, um ein offenes Bedürfnis zu befriedigen. Je mehr wir in unserem Leben bereits erlebt und erfahren haben, desto breiter wird unsere Auswahl an potenten Handlungsmöglichkeiten.

Wünsche, die nicht in angemessener Weise zum Ausdruck gebracht werden (können), degenerieren zu häßlichen und oft energieraubenden „Erwartungen“. Diese sind nicht selten Anlass für „Ent-Täuschungen“.


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