Zutat 5:
Ein gesundes Selbstbewusstsein

Ich denke, die Bereitschaft, ein selbstbestimmtes Sexualleben
zu führen, geht einher mit den Fähigkeiten zu Introspektion
und logischem Denken. Diese Fähigkeiten erfordern
ein gewisses Maß an Intelligenz.“

Annalisa Rose ( Sexshop-Mitarbeiterin)

Nicht nur mein körper, auch meine Psyche ist alles andere als makellos. Vielleicht habe ich irrationale Ängste oder Selbstzweifel. Vielleicht habe ich Schwierigkeiten im Umgang mit meinen Gefühlen oder traue mich nicht zu sagen, was ich will.

So wenig hilfreich all dies auch sein mag, um uns wirklich fallen zu lassen, all dies ist Teil dessen, was wir sind. All dies lassen wir an und in uns, auch wenn wir unsere Kleider ausziehen – ebenso wie unseren Körper.

Wir können uns mögen oder nicht. Zumindest jetzt gerade sind wir genau so, wie wir jetzt gerade sind: unfertig, auf dem Weg, unvollkommen, auf der Suche … und in all dem: durch und durch Mensch und absolut liebenswert.

Selbstbewusstsein bedeutet nicht, immer groß und stark sein zu müssen. Selbstbewusstsein bedeutet, uns selbst so anzunehmen und anzuerkennen, wie wir sind. Unsere Stärke ebenso wie unsere Schwäche, unsere Autonomie ebenso wie unseren Wunsch nach Nähe, unsere Antworten wie unsere offenen Fragen.

Selbstbewusstsein bedeutet nicht Überlegenheit. Selbstbewusstsein bedeutet, uns selbst mit all dem, was wir sind und was zu uns gehört, anzunehmen und zu ehren. Das bedeutet nicht, dass wir schon fertig wären.

Selbstbewusstsein bedeutet, für unsere Sehnsüchte und Ideen ebenso einzutreten wie für unsere Grenzen und Ängste. All dies ist Teil von dem, was wir sind. Was wir jetzt sind. Dies bedeutet nämlich keinesfalls, dass wir morgen dieselben Wünsche oder Ideen hätten, dieselben Grenzen oder Ängste.

Dies bedeutet übrigens auch nicht, dass wir für unsere Wünsche oder Grenzen kämpfen, sie durchboxen oder sonst wie erzwingen müssten. Es bedeutet lediglich, sie unserem Gegenüber mitzuteilen und ihm oder ihr dadurch Gelegenheit zu geben, darauf zu reagieren. Dies können wir mit ein bisschen Übung sogar ganz liebevoll und ohne Druck tun.

Selbstbewusstsein bedeutet, uns das Recht zuzugestehen, genießen zu dürfen. Wir dürfen uns dem anderen und seinen Berührungen hingeben, wir dürfen mit jeder Zelle empfangen und uns an den Erfahrungen laben, die unser Liebster oder unsere Liebste uns schenkt.

Selbstbewusstsein bedeutet, mir selbst das Recht zu geben, meinem Partner oder meiner Partnerin Freude und Wonne zu schenken. Mir herauszunehmen, ihn zu erregen, sie heiß zu machen, es ihm oder ihr zu besorgen.

Ein gesundes Selbstbewusstsein bedeutet, uns selbst von ganzem Herzen die Erlaubnis zu geben, ein echter Leckerbissen im Bett zu sein. Und uns an diesem Zustand mit ebenso ganzem Herzen zu erfreuen. »Selbstverständlich bin ich eine gute Liebhaberin. Und ohne jeden Zweifel ein erlesenes Einzelstück.«


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