Gibt es den Weihnachtsmann…?

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Weihnachten…

Für die einen das Fest der Liebe und der Familie. Für die anderen das Fest von Konsumrausch und erzwungener Scheingeselligkeit…

Worum geht es an Weihnachten wirklich, jenem teils heidnischen, teils christlichen Fest des Lichts, das wie zufällig genau in die dunkelste Zeit unseres Jahres fällt…?

Und wer genau ist eigentlich dieser Weihnachtsmann…? Gibt es ihn, oder gibt es ihn nicht…? Und wenn es ihn gibt, wer ist es, und welchen Auftrag hat er eigentlich genau…?

Seit ein paar Jahren geistert eine Geschichte durch’s Netz, die mich jedesmal beim Lesen tief berührt… Es ist die Geschichte eines Briefes einer Tochter an ihre Mutter. Die Tochter fragt: „Bist du der Weihnachtsmann, Mama…?“ Die Antwort ihrer (höchstwahrscheinlich fiktiven) Mutter geht mir, seit ich diese Geschichte kenne, jedesmal unter die Haut.

Der einzige (in meinen Augen leider aber wirklich dumme) Nachteil an dieser ansonsten wunderschönen Geschichte ist der, dass der Vater des Mädchens in der Antwort ihrer Mutter in Bezug auf Weihnachten nur eine beschämend marginale Nebenrolle spielt… Das mag vor zwanzig Jahren noch zeitgemäß gewesen sein. Heute allerdings ist es das meiner Auffassung nach längst nicht mehr. Ich habe mir daher die Freiheit genommen, diese Geschichte ein kleines bisschen abzuwandeln und in die heutige Zeit zu übertragen, in der immer weniger Väter noch Lust darauf haben, in den Leben ihrer Kinder lediglich eine Nebenrolle oder Randexistenz einzunehmen.

Diese Geschichte geht raus an alle Mütter und alle Väter, die ihr Mutter- oder Vatersein nicht (nur) als eine Pflicht, sondern vor allem immer wieder als eine Quelle der Freude und des Glücks empfinden…

Und natürlich an das ganze „Team Weihnachtsmann“…!

Gibt es den Weihnachtsmann…?

Eines Morgens im Dezember schrieb die siebenjährige Martha ihren Eltern einen Brief. Sie faltete ihn säuberlich zusammen und legte ihn auf den Küchentisch, bevor sie sich aufmachte in die Schule.
In diesem Brief standen lediglich zehn Worte. Sie lauteten:

„Liebe Mama, lieber Papa,
Seid ihr der Weihnachtsmann?
Eure Martha“

Es vergingen mehrere Tage, ohne dass Martha auf ihren Brief von ihren Eltern eine Antwort erhielt… Schließlich jedoch fand sie eines Nachmittags nach der Schule auf ihrem Kopfkissen einen Umschlag mit ihrem Namen darauf, umrahmt von einem großen Herz. Sie öffnete den Brief und las:

„Liebe Martha,

vielen, vielen Dank für deinen mutigen und aufrechten Brief. Darin fragst du uns: „Seid ihr der Weihnachtsmann?“

Wir haben uns ein wenig Zeit gelassen mit unserer Antwort an dich, und wir danken dir sehr für deine Geduld mit uns. Wir möchten dir deine Frage gerne ebenso aufrichtig und mutig beantworten. Dafür aber mussten wir miteinander erstmal herausfinden, wie unsere wirklich aufrichtige und wahrhaftige Antwort auf diese Frage eigentlich lautet, und wie wir sie für dich in Worte fassen. Wir haben miteinander daher in den vergangenen Tagen oft über deine Frage gesprochen. Und uns dazu entschieden, dir nun auch einen Brief zu schreiben.

Sind wir der Weihnachtsmann…?

Nein, liebe Martha, wir sind nicht der Weihnachtsmann. Um noch genauer zu sein: Der Weihnachtsmann, den du dir früher, als ein kleines Mädchen, vorgestellt hast, den gibt es nicht.

Es stimmt: Wir sind es, die Jahr für Jahr die Geschenke für dich auswählen, sie einpacken und unter unseren Tannenzweig legen. Wir tauschen uns aus darüber, was dir eine Freude machen könnte, wir besorgen diese Dinge, verpacken sie und freuen uns schon im Tun auf deine leuchtenden Augen am Weihnachtsabend… Ebenso haben es in unserer Kindheit unsere Eltern für uns getan und in ihrer Kindheit ihre Eltern für sie…

Eines Tages, so stellen wir uns vor, wirst vielleicht auch du Kinder haben… Und vielleicht hast auch du dann dieselbe Freude daran, deine Kinder zu beschenken, wie wir sie heute daran haben, es mit dir zu tun… Wir beide glauben zutiefst: Du wirst es lieben. Ebenso wie wir.

Du wirst es lieben, dir zu überlegen, wie du sie beschenken kannst. Du wirst es lieben, deine Geschenke vor deinen Kindern zu verstecken, bis der Tag gekommen ist. Und du wirst es lieben, zu sehen, wie die Augen deiner Kinder leuchten werden, wenn die Stunde der Bescherung da ist…

All das allerdings macht dich allerdings nicht zum Weihnachtsmann.

Der Weihnachtsmann ist größer als irgendeine Person auf Erden, und sein Werk geht weit über das Leben eines oder auch hunderter Menschen hinaus. Was er macht, ist einfach, aber es ist sehr wirkungsvoll und mächtig. Der Weihnachtsmann bringt den Menschen bei, an etwas zu glauben, das sie nicht sehen, nicht berühren oder anfassen können.

Das ist eine überaus große und wichtige Aufgabe. Wir alle brauchen unser gesamtes Leben über immer wieder die Fähigkeit, zu glauben: an uns selbst und unsere Fähigkeiten, an unsere Freunde und unsere Familie… Außerdem brauchen wir immer wieder auch die Kraft dazu, an Dinge zu glauben, die wir nicht anfassen, nicht messen oder beweisen können… Nicht zuletzt und immer wieder an die Liebe – jene unfassbare Macht, die dich und dein Leben immer wieder zum Strahlen bringen wird – selbst in Stunden tiefster Dunkelheit… Der Weihnachtsmann ist ein Lehrer, und wir beide waren seine Schüler.

Jetzt kennst du das Geheimnis, wie er so viele Kinder auf der Welt an nur einem Tag beschenken kann. Er hat die Hilfe von all jenen Menschen, deren Herzen er einst mit Freude füllen konnte.
Mit unserem ganzem Herzen helfen Menschen wie wir dem Weihnachtsmann dabei, ein Werk zu vollbringen, das keinem Menschen auf der Welt alleine möglich wäre.

Also nein, liebe Martha, wir sind nicht der Weihnachtsmann. Der Weihnachtsmann ist so viel mehr als ein einzelner Mensch überhaupt sein kann. Der Weihnachtsmann ist Liebe, Magie, Hoffnung und Glück. Der Weihnachtsmann ist das lebendige Symbol dafür, dass ein jeder und eine jede von uns das Recht dazu hat, sich willkommen, geliebt und beschenkt zu fühlen – einfach nur, weil er da ist und sein Bestes gibt dafür, der Mensch zu sein, der er oder sie ist.

Du siehst, liebe Martha, den Weihnachtsmann, den gibt es nicht. Und es gibt ihn doch. Wir beide, deine Eltern, sind ein Teil seines Teams – und vielleicht bist du es eines Tages auch.

Wir lieben dich für immer, liebe Marta…!

Deine Mama und dein Papa
(„Team Weihnachtsmann“)“

2 Responses

  1. Oh wow was für eine wunderschöne Geschichte!
    Sie trifft mich direkt ins Herz, den wir haben einen 4 jährigen Sohn, bei dem wir jedes Jahr überlegen, dass wir ihm keinen Weihnachtsmann vor lügen möchten, aber ihm doch den Zauber von Weihnachten gleichzeitig beibringen wollen.
    Ich denke diese Geschichte macht es jetzt viel einfacher

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