Sei im Leben deines Kindes präsent!

Sei da! Das heißt nicht nur: Halte dich an die ausgemachten Zeiten. Es heißt: Sei da! Sei präsent! Sei ganz und gar da, damit dich deine Kinder spüren können. Sei mit allem da, was du bist und was du fühlst. Sei im Leben deiner Kinder präsent!

Die meisten Väter sehen ihre Kinder nicht gar nicht. Sondern schlicht selten. „Zu selten“, könnten wir guten Gewissens sagen. An dieser Stelle jedoch ist bedeutsam, dass der Kontakt grundsätzlich möglich ist. Nutze diesen Kontakt! Nutze das, was möglich ist!

Nutze das, was an Kontakt möglich ist, um zu deinem Kind eine tragfähige Beziehung aufzubauen!

Genau das haben leider viele Väter und Mütter von den eigenen Vätern und Müttern nie gelernt. Eine tragfähige Beziehung basiert nicht auf bunten Geschenken und möglichst viel Spaß. Eine tragfähige Beziehung basiert auf echtem und authentischem In-Kontakt-gehen. Sie basiert auf Verlässlichkeit und Aufrichtigkeit. Und nicht zuletzt auf liebevoller Aufmerksamkeit und Annahme.

Es mag sein, dass dir derzeit ein Umgang, wie er für Vater und Kind normal und selbstverständlich sein sollte, und wie du ihn dir von ganzem Herzen wünscht, nicht möglich ist. Das heißt aber nicht, dass nichts möglich wäre. Die Möglichkeiten, die dir verbleiben, kannst du nutzen. Und solltest es!

Selbst wenn du dein Kind nicht sehen kannst, so kannst du es vielleicht anrufen. So ein Gespräch ersetzt nicht den realen zwischenmenschlichen Kontakt. Insbesondere, so lange die Kinder noch klein sind, werden solche Telefonate eher kurz und thematisch belanglos sein. Aber dein Kind bemerkt, dass du den Kontakt zu ihm suchst. Dass es dir wichtig ist.

Vielleicht ist auch das Telefonieren nicht möglich. Vielleicht aber kannst du Briefe oder Postkarten schreiben. Selbst wenn du nichts aus seinem Leben erfährst, so kannst du Ereignisse und Gefühle aus deinem Leben in zunächst einfachen und später komplexeren Worten mit ihm teilen. Und ihm auch dadurch zeigen: Du bist mir wichtig. Ich denke an dich. Ich bin da.

Vertraue auf das Band zwischen euch!

Es sind zumeist nicht Ereignisse oder Menschen, die unser Leben formen, sondern unsere Beziehungen zu den Ereignissen und Menschen in unserem Leben. Hierbei kommt der Beziehung zu unseren beiden biologischen Eltern eine herausragende Rolle zu.

Unser Wissen um unsere genetische Herkunft aus zwei lebendigen Wesen und ihrer Alchemie erzeugt ein bleibendes inneres Abbild. Ich bin ein Teil von diesem. Das finde ich gut. Oder auch nicht. Aber es hat mich geprägt. Und ich bin ebenso ein Teil von jenem Anderen. Wenn dieses „Andere“ nicht da ist, so dass keine reale Mensch-zu-Mensch-Beziehung hergestellt werden kann, so bleibt dennoch in uns ein inneres Abbild als Stellvertreter der Person.

Selbst wenn dein Kind dich nicht kennt, so hat es dennoch eine Beziehung zu dir. Über deinen Stellvertreter oder deine Stellvertreterin im Inneren seiner Psyche. Und natürlich ist es unser aller Bestreben, eine derart bedeutsame Beziehung zu einem Teil unserer Identität nicht auf Dauer über Stellvertreter zu führen.

Selbst wenn Mama kein gutes Haar an Papa lässt, so ist doch das, was Mama sagt, für das Kind niemals gleichbedeutend mit eigener Erfahrung. In den ersten Jahren des Lebens mag Mamas Wort für unser Kind Gesetz sein. Aber vertraue auf das Wachstum deines Kindes: Diese übermächtige Bedeutung der Mutter nimmt für dein Kind von Jahr zu Jahr auf ganz natürlichem Wege ab.

Eines Tages erwacht in deinem Kind ganz von allein der Wunsch nach mehr oder echtem Kontakt mit seinem anderen Elternteil. Dafür musst du nichts tun. Du musst nicht kämpfen und niemanden überzeugen. Allein, dass du bist, und dass du „Papa“ bist (oder „Mama“), erzeugt dieses unsichtbare Band zwischen euch als Vater und Kind.

Vielleicht kommt diese Zeit, denn dein Kind fünf oder neun ist. Vielleicht mit fünfzehn im Zuge der jugendlichen Rebellion. Vielleicht mit Anfang zwanzig erst. Den Zeitpunkt hast du nicht in der Hand. Aber du hast in der Hand, wie bereit du dafür bist, wenn dieser Zeitpunkt kommen wird. Und er wird kommen.

Was für ein Vater wirst du deinem Kind bis zu jenem Tage gewesen sein? Ein Vater, der sein Bestes gab und immer wieder zeigte, wie wichtig dieses Kind ihm ist? Oder ein Vater, der sich um anderes gekümmert hat und keinen Platz hatte für sein Kind?

Was immer du deinem Kind an Liebe, Aufrichtigkeit, Freude, Beistand, Mitgefühl, Anerkennung und und und gegeben hast bis dahin, wird die Basis eurer in diesem Augenblick sich neu entfaltenden Beziehung sein.


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