No risk, no fun? Die Sache mit den Geschlechtskrankheiten

In der aktuell geführten Debatte um das Für und Wider von Monogamie im Vergleich zu offeneren Beziehungsformen gibt es in der Tat eine Kategorie, in der die klare sexuelle Exklusivität alle anderen Liebeskonzepte unanfechtbar in den Sack steckt. Die Rede ist von der Gefahr der Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten.
Diese Gefahr ist in monogamen Beziehungen naturgemäß gleich null, sofern nicht andere Übertragungswege wie kontaminierte Spritzen oder Blutkonserven ins Spiel kommen. Jede/r weitere Sexualpartnerin oder Spielgefährte, die oder der auf meiner Seite ins Spiel kommt, bedeutet ebenso naturgemäß ein Risiko für alle anderen Sexualpartnerinnen. Wer eine nicht-exklusive Beziehungsform pflegt, unabhängig davon, ob offen oder heimlich, sollte sich dieses Risikos besser bewusst sein.
„Häh? Na logisch ist das wichtig! Darum nehmen wir doch Kondome! Alles klar?“ Leider nein.
Was genau ist eigentlich „guter“ Sex?

Dieser Artikel ist eine stark gekürzte Fassung des Kapitels „Was genau ist eigentlich „guter“ Sex?“ aus meinem Buch „untervögelt – Macht zu wenig (guter) Sex uns Menschen hässlich, krank und dumm?“. Es erscheint im März 2019 im Verlag Fischer & Gann.
Sex kann uns auslaugen oder erfüllen, verbinden oder trennen, verletzen oder heilen. Wer mehr Sex von der Art hat, die die eigenen Ressourcen eher auszehrt als nährt, wird nicht dieselbe pulsierende Lebendigkeit ausstrahlen wie jemand, der oder die das Schlafzimmer immer wieder erfüllt und satt verlässt.
„Gut gemachter“ Sex ist Nahrung für Körper und Psyche. „Guter Sex“ nährt unsere Bedürfnisse nach Sicherheit, Wohlbefinden, Wirksamkeit, Freiheit, Intensität, Zugehörigkeit, Anerkennung, Verbundenheit – und manchmal sogar Selbsterkenntnis, Augenhöhe und/oder Entwicklung.
Was genau aber macht den Unterschied aus?
Zärtlichkeit und Lust sind besondere Formen der Kommunikation. Sich einem Menschen körperlich zu öffnen, auf äußeren Druck oder aus innerem Verantwortungsgefühl heraus, fühlt sich immer irgendwie falsch an. Das beginnt bei »Gib Oma doch ein Küsschen!« und ist bei »Du willst es doch auch, Baby!« noch nicht am bitteren Ende.
Liebe auf Augenhöhe: 7 Entscheidungen für eine neue Dimension von Partnerschaft

In dieser Woche titelte die ZEIT (Nr 24 vom 08. Juni 2017) mit einer erstaunlich emotionalen Fragestellung. „Was ist Liebe auf Augenhöhe?“, fragte sie bedeutungsschwer. Wow; dachte ich. Ich halte diese Frage in der Tat nicht nur für intellektuell interessant und herausfordernd, sondern darüber hinaus für hochgradig richtungsweisend und bedeutsam.
Die Welt hat zwar bedeutend größere und dringendere Probleme als unser partnerschaftliches oder erotisches Miteinander, aber wenn wir es wirklich schaffen wollen, miteinander eine Weltkultur des Friedens, des Mitgefühls und der Kooperation zu manifestieren, dann begnnt dieser Weg in unseren kleinsten Einheiten des Miteinanders: