03. Entscheidung: Liebe auf Augenhöhe ist kooperativ.

Ich gehe diese Liebe mit dir ein, weil ich mit dir einen gemeinsamen Entwicklungsweg beschreiten will, der mein Glück und dein Glück gleichermaßen mehrt. Darum werde ich dir in deiner Entwicklung dienen, selbst wenn ich manche deiner Wünsche vielleicht nicht verstehe. Ich will dich, so gut ich es kann, auf deinem Weg unterstützen, damit du wächst, gedeihst und blühst und dadurch immer schöner, kraftvoller und leuchtender wirst.

Ebenso werde ich den Weg meiner Entfaltung und Entwicklung weiter beschreiten. Damit ich selbst wachse, gedeihe und blühe. Ich wünsche mir dein Wohlwollen und deine Unterstützung dabei.

Augenhöhe kennt nicht das Prinzip von Befehl und Gehorsam. Augenhöhe kennt die Prinzipien des Wünschens, des Verhandelns und des Schenkens. Kooperation basiert auf Freiwilligkeit und Partnerschaftlichkeit. Jede Machtdemonstration und jedes Drohgebärden wirkt daher ebenso zersetzend wie jedes Flüchten und sich Entziehen.

Die Entschlossenheit zur Kooperation zeigt sich im Konflikt. Während kontrahierende Partner versuchen werden, den jeweils anderen Partner zu besiegen (durch Überredung, Bestechung, Drohung, Missachtung und andere Mittel …), werden kooperative Partner nach einer Lösung Ausschau halten, die die Interessen und Bedürfnisse beider Partner bestmöglich berücksichtigt und integriert.

Eine kooperative, gemeinsame Lösung für einen offene Fragestellung in der Liebe zu finden, ist nicht immer einfach. Deratige Lösungen zeigen sich nämlich in aller Regel nicht gerade zu Beginn eines partnerschaftlichen Konflikts. Die hieraus entstehende Spannung auszuhalten, ist etwas, das viele von uns nie gelernt haben. Darum braucht Liebe auf Augenhöhe immer wieder: Mut.

04. Entscheidung: Liebe auf Augenhöhe ist mutig.

Die meisten von uns haben weder in ihrem Elternhaus noch in der Schule gelernt, besonders bewusst, aufrichtig oder kooperativ zu agieren.

Mich einem anderen Menschen zu zeigen, wie ich bin, setzt mich der Gefahr aus, dass diesem Menschen das, was er sieht, vielleicht nicht gefällt. Vielleicht gibt es Dinge, die ich an mir selbst nicht mag. Vielleicht schäme ich mich für Teile meiner Selbst und möchte sie dir am allerliebsten ganz und gar nicht zeigen. Es trotzdem zu tun, braucht Mut.

Dir einen Wunsch zu äußern, setzt mich der Gefahr aus, dass du „Nein!“ sagen könntest. Vielleicht habe ich das in meiner Geschichte oft erlebt. Vielleicht hat mir das oft weh getan. Im Angesicht dieser alten Erfahrungen dennoch zu wünschen, braucht Mut.

Jedes Wachstum, jede Entwicklung bedeutet immer auch ein Risiko. Das braucht Mut.

Kooperativ zu bleiben, auch wenn Ärger im Raum ist, ist leicher, wenn wir unseren eigenen Ärger tief durchdrungen haben. Trotzdem braucht es immer wieder: Mut.

Die fünfte Entscheidung ist die Entscheidung zur Entschlossenheit.

05. Entscheidung: Liebe auf Augenhöhe ist entschlossen.

Ich will es nicht beschönigen: All das, was hier beschrieben ist, nicht nur als prinzipiell richtig („aber…“) abzunicken, sondern bewusst und konsequent zu leben, ist anstrengend. Immer wieder.

Das braucht Entschlossenheit. Immer wieder.

Und es braucht Loyalität. Nicht die Loyalität eines Hundes oder Soldaten, der erzogen wurde, willenlos zu gehorchen. Sondern die Loyalität eines erwachsenen, bewussten Menschen, der sich entschieden hat und zu dieser Entscheidung steht. Nicht die Loyalität unserem Liebespartner gegenüber, sondern die Loyalität gegenüber der Beziehung zwischen uns, die zu gleichen Teilen von uns beiden und unserem Commitment geformt und getragen wird.

Irgendwann, wenn sich die ersten Früchte zeigen (Mehr Tiefe, mehr Vertrauen, mehr Leichtigkeit, mehr Lust), wird es leichter. Viel leichter sogar. Augenhöhe ist, wie alles andere, das wir in unserem Leben gelernt haben oder lernen können auch, eine Frage des Trainings.Irgendwann wird das, was zu Beginn noch schwierig war, selbstverständlich und leicht. Bis dahin ist es allerdings wahrscheinlich ein kleines Stück Weg. Und dieser wird nicht durchgehend ein bequemer und fröhlicher Spaziergang sein.

Damit uns dieser Weg weiterhin lockt, braucht es die Qualität der Lust.

Auch das Ja zur Lust basiert auf einer Entscheidung.


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