Zutat 2:
Aufrichtigkeit und Vertrauen

Sex ist sehr unkompliziert, wenn man von keinem Komplex,
sondern von einem Bedürfnis geleitet wird.“

Georges Simenon ( Schriftsteller )

Sex berührt uns tief. Unsere Sexualität ist integral mit unserem Selbstempfinden als Mann oder als Frau (oder als *) verbunden. Viele Menschen in unserer heutigen Kultur haben Schwierigkeiten mit den sexuellen Dimensionen ihrer Identifikation als Mann, als Frau oder *.

Je tiefer wir uns unserem Gegenüber öffnen, desto intensiver und nährender wird unsere sexuelle Erfahrung miteinander sein. Uns wirklich zu öffnen bedeutet jedoch, uns wirklich zu zeigen. Ganz. All das, was wir sind.

Mit allem, was wir sind. Unsere Gefühle, unsere Wünsche und Sehnsüchte, unsere Gedanken und Ideen, unsere Ängste, unsere (bisherigen) Grenzen, unser Unvermögen, unsere Unvollkommenheit und Unsicherheit, unsere persönliche Geschichte und die Vision, die wir von unserer Zukunft haben. Wenn wir uns wirklich öffnen, dann zeigen wir damit auch, wo und wie wir verletzbar sind. Uns zu öffnen bedeutet, uns verletzlich zu machen. Darum braucht es Vertrauen. Dies scheint so offensichtlich, und doch erkennen nur wenige von uns die Bedeutung dieser Erkenntnis.

Das Vertrauen, aus dem heraus Aufrichtigkeit entsteht, ist das Vertrauen in uns selbst. Ich vertraue mir selbst, dass ich dich gut und klug gewählt habe. Und selbst wenn nicht, sollte mir dies bewusst werden, werde ich schon einen Weg finden, damit auf gute und selbstbestimmte Weise umzugehen. Wenn ich dies mit jeder Zelle meines Körpers weiß, dann gibt es nichts, was ich in der kommenden Erfahrung mit dir zu befürchten hätte.

So kann ich mich dir frei und ganz zeigen: meinen Körper, meine Wünsche, meine Ideen, meine Gefühle, meine Grenzen, meine Wahrheit …

Sollte ich erkennen, dass du mit meinem Körper, meinen Wünschen, Ideen, Gefühlen und Grenzen oder meiner Wahrheit nicht gut umgehst, dann werde ich meine Schlüsse daraus ziehen. Ich bin in der Lage, sowohl mein Leben als auch meine sexuelle Kraft auch ohne dich in vollen Zügen zu genießen.

Sollte ich jedoch erkennen, dass auch du all dies, die Schönheit und den Schatten, in mir und in dir, annimmst und ehrst, so kann ich dir furchtlos alle Türen öffnen. Wenn ich dich und mich als aufrecht, wahrhaftig und ganz erlebe, was sollte mich davon abhalten, mich in diese Erfahrung mit dir von ganzem Herzen, mit fliegenden Fahnen, blind und frei hineinzustürzen?


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