Zutat 1:
Freiheit und Selbstbestimmtheit

„Nichts ist trauriger als eine Frau,
die sich aus anderen Gründen auszieht
als für die Liebe.“
Juliette Gréco ( Schauspielerin )

Beginnen wir mit einer vermeintlichen Selbstverständlichkeit:

Guter Sex ist immer und ohne Ausnahme freier, freiwilliger und selbstbestimmter Sex. Das bedeutet an erster Stelle natürlich: Jeder Sex, den wir gegen unseren Willen oder gegen den Willen einer anderen Person haben, kann niemals guter Sex sein.

Das betrifft nicht nur das grässliche Thema »Vergewaltigung und Nötigung«. Es gibt bereits subtilere Formen von unfreiem Sex, bei denen sich keine der Parteien in unserem Rechtssystem strafbar macht.

Weitere verbreitete Formen von unfreiem Sex sind:

Sex aus Pflichtgefühl: Wenn wir mit unserem Partner schlafen, weil »es halt dazugehört«.

Sex aus Mitleid: Wenn wir mit unserem Partner schlafen, weil »er/sie es halt braucht« – und damit er/sie Ruhe gibt.

Sex aus Berechnung: Wenn wir mit einem Menschen schlafen, um diesen »uns gewogen« zu stimmen, um ihn oder sie von einem Thema oder einer Tätigkeit abzulenken oder in eine psychologische Bringschuld zu versetzen. Ebenso: Sex als Handelswährung für den Erwerb kultureller, finanzieller oder sozialer Vorteile.

Sex als Ego-Booster: Wenn wir mit einem Menschen Sex haben, der uns eigentlich nicht interessiert, es aber dennoch tun, weil wir uns davon eine Stärkung des Selbstwertempfindens versprechen. Z.B. Sex mit dem Ex, mit der besten Freundin der Ex oder mit einem Menschen, mit dem wir nur deswegen Sex haben, weil er oder sie besonders hübsch, wohlhabend, angesehen, einflussreich oder exotisch ist.

Sex als »besser als nichts«: Wenn wir unsere Sexualität auf eine Weise oder mit einem Menschen leben, die bzw. der uns nicht nährt und befriedigt, es aber »halt das Einzige ist, was wir uns erlauben können oder dürfen«.

„Selbstbestimmtheit“ geht noch einen großen Schritt weiter als „Freiheit“. Selbstbestimmtheit heißt: Nicht nur, dass wir miteinander schlafen oder spielen, ist meine wie deine freie und eigene Entscheidung, auch das, was wir miteinander machen und erleben, bestimmen und gestalten du und ich aktiv und bewusst mit. Selbstbestimmtheit verlangt von uns, im Rahmen unserer Möglichkeiten 100% Verantwortung zu übernehmen für das eigene Leben und für die eigenen Erfahrungen. Das kann nicht jede/r. Aber jede/r kann es lernen.

Wer schlechten Sex hat, weil seine/ihr Partner/in offensichtlich keine Gedanken lesen kann, übernimmt nicht nur keine Verantwortung für die eigene Lust und Freude, sondern sabotiert dadurch auch subtil oder direkt die Freude und Lust des anderen. Wer nicht gut für sich selbst sorgt, versaut nicht nur seinen eigenen Sex, sondern auch den seines Partners oder seiner Partner.

Wenn es dir also schwerfällt, die ganze Verantwortung für dich und deine Erfahrungen zu übernehmen, dann musst du dich nicht wundern, wenn deine Sexualpartner nicht gerade gierig danach sind, dich ins Schlafzimmer zu zerren.

Falls du andererseits ein Faible dafür hast, dir Sexualpartner zu suchen, die nicht gut darin sind, für sich selbst einzutreten, dann musst auch du dich nicht wundern, wenn das Maß deiner sexuellen Erfüllung sich auf Dauer eher im unteren Drittel einpendelt.


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