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„The sexy 6“

Was genau ist eigentlich „guter“ Sex?

„Ein Kuß, der das Herz nicht berührt, langweilt den Mund.“
Blaise de Montluc

Dieser Artikel ist eine stark gekürzte Fassung des Kapitels „Was genau ist eigentlich „guter“ Sex?“ aus meinem Buch „untervögelt – Macht zu wenig (guter) Sex uns Menschen hässlich, krank und dumm?“. Es erscheint im März 2019 im Verlag Fischer & Gann.

Sex kann uns auslaugen oder erfüllen, verbinden oder trennen, verletzen oder heilen. Wer mehr Sex von der Art hat, die die eigenen Ressourcen eher auszehrt als nährt, wird nicht dieselbe pulsierende Lebendigkeit ausstrahlen wie jemand, der oder die das Schlafzimmer immer wieder erfüllt und satt verlässt.

„Gut gemachter“ Sex ist Nahrung für Körper und Psyche. „Guter Sex“ nährt unsere Bedürfnisse nach Sicherheit, Wohlbefinden, Wirksamkeit, Freiheit, Intensität, Zugehörigkeit, Anerkennung, Verbundenheit – und manchmal sogar Selbsterkenntnis, Augenhöhe und/oder Entwicklung.

Was genau aber macht den Unterschied aus?

Zärtlichkeit und Lust sind besondere Formen der Kommunikation. Sich einem Menschen körperlich zu öffnen, auf äußeren Druck oder aus innerem Verantwortungsgefühl heraus, fühlt sich immer irgendwie falsch an. Das beginnt bei »Gib Oma doch ein Küsschen!« und ist bei »Du willst es doch auch, Baby!« noch nicht am bitteren Ende.

In manchen Augenblicken dagegen strebt alles in uns danach, einen Menschen, mit dem wir eine Erfahrung teilen, zärtlich oder lustvoll zu berühren. Es fühlt sich geradezu falsch an, es nicht zu tun. Dies sind Situationen, in denen wir uns mit einem Menschen besonders verbunden fühlen. In diesen Situationen fließen Vertrauen und Wohlwollen in Strömen. Nicht, weil wir uns streicheln und küssen. Wir streicheln und küssen uns, weil jede unserer Zellen überläuft vor Fülle und Freude.

Es geht also nicht allein darum, uns in unserem Leben mehr Raum für Sex zu reservieren. Das sollten wir durchaus tun. Allerdings sollten wir uns hierbei immer wieder vor Augen führen, dass die Auswahl unserer Sexualpartner*innen und somit die körperliche und emotionale Qualität unserer sexuellen Erfahrungen ein aussagefähiger Indikator für das Maß an Liebe und Selbstfürsorge ist, mit der wir uns durch unser Leben bewegen. Unser schlechter Sex sagt nicht nur etwas über unseren Partner oder unsere Partnerin aus. Vor allem sagt es etwas über uns und unsere Entscheidungen.

Die Qualität unseres Sexuallebens ist die Antwort auf die Frage, wie offen wir dafür sind, uns selbst zu begegnen: unseren Wünschen, Gefühlen und Impulsen. Relevant ist selbstverständlich, was unsere Körper miteinander machen. Um Dimensionen relevanter jedoch ist es, wie offen und bereitwillig wir sind, uns unserem/unseren Partner*innen gegenüber voll und ganz zu offenbaren, mit allem, was wir sind. Ebenso, wie bereitwillig wir auch ihm oder ihr in die Augen schauen in dem Wunsch, ihn oder sie ganz zu sehen, mit allem, was er ist, oder allem, was sie wünscht.

Im Grunde ist richtig guter Sex überhaupt keine Hexerei. Ich glaube, es braucht lediglich sechs Zutaten:


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