Die Macht des Sex

„Generell kann man sagen, dass Sexualität einen therapeutischen Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden von Menschen hat. So aktiviert regelmässige Sexualität nachweislich das Immunsystem. Sie vermindert Herzkrankheiten. Sie macht schön und hält jung. Und: Sie wirkt antidepressiv.“ Ernst Pöppel (Universität München).

„Wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, entsteht aus unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken formen wir die Welt.“
Siddharta Gautama, indischer Philosoph (563 – 483 v. Chr.)

 

Sex hält fit und schön!

„Ich spreche von Menschen mit Feuer in den Augen. Man braucht sie nur anzuschauen, um zu wissen, dass sie gut sind.“
Lee Iacocca, amerikanischer Manager (* 1924)

 

Über die positiven Auswirkungen einer regen Sexualität wurde viel geschrieben.

Es braucht kein Sport- oder Medizinstudium, um zu begreifen, dass die wechselnden Bewegungsformen, Körperhaltungen und Intensitäten, die beim leidenschaftlichen Sex zum Einsatz kommen, hochgradig förderlich sind für die körperliche Fitness, Kondition und Gelenkigkeit.

Die freudige Lust und Leidenschaft beim Sex beschleunigt unseren Puls und vertieft den Atem. Die Muskeln im Beckenboden, im Rücken und Nacken werden gelockert. Dadurch wird der Körper nicht nur geschmeidiger, auch die Haltung wird aufrechter und stabiler. Regelmäßiger Sex ist der beste (und mit Abstand schönste!) Schutz vor Verspannungen, Nacken-, Kopf- und Rückenschmerzen und Migräne.

Genussvoller Sex regt darüber hinaus den Fluss der Lymphe an. Diese ist unter anderem für den Abtransport von Schadstoffen und Abbauprodukten zuständig. Ihr beschleunigter Fluss schützt Haut und Gefäße. Sex schützt unseren Körper also vor Falten und Cellulite. Die Haut strafft und glättet sich durch die verbesserte Versorgung der fein verzweigten Blutgefäße unter unserer Haut.

Das Östrogen, das beim Sex den weiblichen Körper flutet, verbessert die Zellregeneration, schiebt die Collagenbildung an, strafft das Bindegewebe und regt den Haarwuchs an. Darüber hinaus senkt regelmäßiger Sex massiv die Gefahr von Frustmahlzeiten und anderen körper- oder attraktivitätsschädigenden Verhaltensweisen.

Der schottische Neuropsychologe David Weeks befragte 3.500 Menschen nach einer Vielzahl von Lebensfaktoren. Darunter nach ihrer Sexualität. Fazit von Weeks und seinen Kollegen: Teilnehmer der Studie, die dreimal oder öfter pro Woche Sex hatten, wirkten bis zu 10 Jahre jünger als Menschen, die von einem weniger aktiven Sexleben berichteten.

Bei Männern ist es das Testosteron, das denselben Beauty-Effekt hervor bringt. Die Nummer 1 unter den männlichen Sexualhormonen stärkt den Muskelaufbau und verbessert die Struktur und Geschmeidigkeit der Haut.

Sex hält fit und schön.

Übrigens erforschen Wissenschaftler in Houston, Graz und Berlin gerade einen verheißungsvollen Stoff, der nicht nur die Zellalterung verlangsamt und die Haut strafft, sondern darüber hinaus auch vielfältigen Schäden am Gehirn vorbeugt und als heißer Kandidat auf das Heilmittel für Demenz gehandelt wird. Der Name dieses verheißungsvollen Jungbrunnens lautet Spermidin. Dreimal darfst du raten, wo genau sich die höchsten Konzentrationen finden. Gegen Leberkrebs schützt Spermidin übrigens auch. Empfohlene Einnahme? Oral.

 

Sex stählt den Körper!

„Es ist unglaublich, wie viel Kraft die Seele dem Körper zu leihen vermag.“

Wilhelm von Humboldt, preußischer Gelehrter (1767 – 1835)

 

Der positive Effekt des Küssens und anderer Körperflüssigkeitstransfers auf das Immunsystem wurde bereits erwähnt. Nach Angaben der Universität Essen verdoppelt sich nach ausgiebigem Sex die Anzahl der weißen Blutkörperchen und der körpereigenen Killerzellen im Blut. Ähnliche Ergebnisse veröffentlichte der Mediziner Tillmann Krüger (damals: ETH Zürich, heute: MH Hannover) in der Zeitschrift „Psychologie heute“. Direkt nach einem Orgasmus ist die Anzahl der Killerzellen um 150% erhöht.

Bereits ein- bis zweimaliger Sex pro Woche steigert den Immunglobulin-A-Wert um 30%. Dies maß der Psychologe Carl Charnetski von der Wilkes University in Pennsylvania.

Ein ausgiebiges und lebendiges Sexleben stärkt also das Immunsystem und die Abwehrkraft des Körpers. Wer oft (lustvollen und befriedigenden!) Sex hat, geht gut gelaunt und aufrecht durch seinen Tag, während seine weniger glücklichen Mitmenschen sich von Erkältung zu Erkältung schniefen.

 

Sex vs. Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs…

„Wer lang leben will muß die erste Aufmerksamkeit seiner Seele schenken, damit diese nicht krank wird; zweitens muß er sorgen, daß der Leib, soviel als möglich und notwendig ist, im besten Zustande erhalten werde. Wenn die erste Aufgabe gelöst ist, so sorgt für den Leib!“
Sebastian Kneipp, bayrischer Priester (1821 – 1897)

 

Menschen mit einem aktiven und glücklichen Sexualleben erkranken statistisch signifikant seltener an Herzinfarkt und Schlaganfall.

George Davey Smith und seine Kollegen an der University of Bristol veröffentlichten 1997 eine Studie im british medical journal. Sie belegen: Männer (zwischen 45 und 59 Jahren) mit einem aktiven Sexleben (>= 2* / Woche) haben ein um die Hälfte (!!!) verringertes Sterberisiko!

Eine Forschergruppe um Jennifer Rider an der Harvard Medical School belegte: Männer, der mehr als dreimal wöchtentlich zum Höhepunkt kommen, haben ein um 20% geringeres Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, als solche, die nur drei bis viermal im Monat ejakulieren. Voraussichtlich ist hierfür das Testosteron verantwortlich. Je aktiver, glücklicher und erfüllter das Sexleben einer Frau ist, desto geringer ist ihr Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Grund hierfür ist vor allen Dingen die reiche Produktion an Östrogen.

 

Sex macht schlau!

„Unsere größten Ängste sind die Drachen, die unsere tiefsten Schätze bewahren.“
Rainer Maria Rilke, österreich-ungarischer Lyriker (1845 – 1926)

 

Wissenschaftler der Universitäten in Seoul und Maryland veröffentlichten 2013 eine Studie, in der sie nachwiesen, dass die Gehirne von Ratten, die über ein reges Sexualleben verfügten, deutlich mehr neue Hirnzellen bildeten als die ihrer abstinent gehaltenen Artgenossen.

Erst im Februar diesen Jahres (2017) präsentierten Forscher aus Montreal (Kanada) die Ergebnisse von Untersuchungen an 78 heterosexuellen Frauen unter dreißig. Ihre Studie ließ keinen Zweifel offen: Diejenigen Frauen, die ein reges Sexualleben hatten, schnitten in allen Gedächtnis- und Merkfähigkeitstests besser ab als jene, die nur selten Sex hatten.

Noch jünger sind die im Fachmagazin „Journals of Gerontology“ dokumentierten Untersuchungen von Hayley Wright und seinem Forschungsteam von den Universitäten Oxford und Coventry. Sie belegen denselben Effekt, den zuvor auch ihre Kanadischen Kollegen veröffentlichten, allerdings bei Probanten beiderlei Geschlechts und im Alter zwischen 50 und 83 Jahren.

 

Sex macht reich!

„Wer sich zwischen den Sternen bewegt, kann nur noch lächeln über die kostbaren Fußböden der Reichen.“
Lucius Annaeus Seneca, römischer Philosoph (4 v. Chr – 65 n. Chr.)

 

David Blanchflower (Dartmouth College, New Hampshire) und Andrew Oswald (Universität Warwick) verglichen die Daten und Aussagen von 16.000 erwachsenen Amerikanern in Bezug auf die Zufriedenheit in ihrem Leben. Dafür maßen sie allen möglichen Lebensfaktoren (Arbeit, Beziehung, Gesundheit) positive oder negative Geldwerte zu.

Umgerechnet in ideelle Werte entspricht eine aktive Sexualität (hier nur: >=4*/Monat) einem fiktiven Einkommens-Plus von umgerechnet rund 40.000 Euro pro Jahr. Einmal wöchentlich Sex statt einmal im Monat bringt damit wöchentlich genausoviel mehr an Lebenszufriedenheit wie ein wöchentlicher Barscheck in Höhe von 770 Euro. Welchen ideellen Reichtum würden Blanchflower und Oswald wohl jenen Liebenden zumessen, die sich dreimal wöchentlich oder öfter in Wonnen paaren?

 

Sex macht gesund. Oder?

„Das Bewusstsein bestimmt das Sein.“
Georg Wilhelm Friedrich Hegel, deutscher Philosoph (1770 – 1831)

„Alles in der Welt ist merkwürdig und wunderbar für ein paar wohlgeöffnete Augen.“
José Ortega y Gasset, spanischer Philosoph (1883-1955)

 

Die Datenlage spricht bei grober Sichtung eine eindeutige Sprache. Von allen Seiten her schallt es: Sex ist gut für die Gesundheit! Doch die Ergebnisse lassen auch einen anderen Schluss zu. Falls dieser allerdings zutrifft, dann stehen wir vor ein paar hochinteressanten Fragen.

Die Studienerkenntnisse lassen sich allesamt auch umgekehrt lesen. Dann liest sich ihr Fazit nicht: Sex macht schön, schlau und gesund, sondern:

Zu wenig (oder zu schlechter) Sex macht hässlich, krank und dumm!

Ryan und Jethá führen uns unmissverständlich vor Augen, dass unsere Körper (männliche wie weibliche!) dazu ausgelegt sind, ständig sexuell aktiv zu sein. Nicht nur im Sinne unserer eigenen Freude und Gesudheit: Es stärkt darüber hinaus unsere sozialen Bande und unser Commitment zur Gemeinschaft.

Rekapitulieren wir vor diesem Hintergrund noch einmal die Botschaft aller mir bekannten klinischen Studien zum Thema: Menschen, die seltener als 3-4* Sex pro Woche haben, zeigen bereits erste Verluste in Lebendigkeit und Fitness, in Selbstvertrauen, Freude und Immunabwehr.

Je seltener und unbefriedigender der Sex eines Menschen ist, desto höher ist sein Risiko für Schlaganfälle, Herz- und Kreislauferkrankungen, diverse unschöne Formen des Krebs, Depression, Demenz und vielen weiteren körperlichen und seelischen Leiden.

Die Daten liegen auf dem Tisch.
Was machen wir nun daraus?


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