Trennung: Abschied und Neubeginn

Trennungsschmerz

Erste Hilfe für den emotionalen Notfall!

Es soll Menschen geben, die haben ihn noch nie erlebt: den das Herz zerreißenden Schmerz der frisch Verlassenen. Vielleicht, so ließe sich vermuten, waren sie es in ihrem Leben immer selbst, die eine Liebesbeziehung verließen, wenn diese eine Feuerprobe nicht überstand. Oder sie gingen übereilt aus Angst vor dem Konflikt an sich. Vielleicht, auch das ist möglich, haben sie nie wirklich geliebt, haben sich nie ganz und gar geöffnet (einem Anderen oder auch sich selbst). und wurden von daher auch nie durch die Worte oder Taten eines Anderen so tief in ihrem Selbstempfinden gestört.

Wir anderen wissen, wie sich das anfühlt. Wir haben die Symptome an Leib und Seele erfahren. Aber leider vergessen auch wir nur allzu leicht, wie es sich damals angefühlt hat, in diesem schwarzen loch ohne Perspektive, Halt und Schutz.

Wenn in unserem Freundeskreis oder in unserer Familie ein Mensch durch dieses Tal der Tränen geht, dann ist es wichtig, dass wir uns erinnern!

Lasst die Verlassenen nicht allein!

Wenn ein Paar sich trennt, dann bedeutet das für mindestens einen der Beteiligten in aller Regel heftigen Schmerz. Meist ist Schmerz auf beiden Seiten, aber fast immer geht der Wunsch nach getrennten Wegen nicht von beiden (noch-noch- oder schon-ex-) Partnern gleichermaßen aus. Das bedeutet, bei allem Schmerz: Einer der beiden hat eine Entscheidung getroffen. Dem anderen zerrinnt eine ganze Welt.

Nicht selten kommen bereits zu diesem Zeitpunkt andere Liebespartner mit ins Spiel. Das ist nicht verwunderlich. Oft liegt der Gedanke an eine Trennung bereits über Monate oder sogar Jahre in der Luft. Die Angst vor diesem Schritt wiegt schwer. Da kann so ein aus dem Nichts auftauchender Ritter oder Räuber auf hohem Ross oder eine von Verführung flüsternde Zauberin das Zünglein an der Waage sein.

(Stilblüte billigend in Kauf genommen!)

Das Gedankentheater im Kopf eines frisch Verlassenen spielt eine finstere Szene nach der anderen: Szenen von Verrat, von Entwürdigung, von Einsamkeit und ewiger trostloser Leere. Der Körper reagiert mit heftigen Stresssymptomen.

Der Klassiker sind schwere Verdauungsstörungen. Durchfall ist geradezu vorprogrammiert. Manchmal kommt es zu abrupter Übelkeit und Erbrechen. Störungen des Appetits (Hungern vs. Fressattacken), des Hormonzyklus und der Libido sind ebenfalls häufig körperliche Begleiterscheinungen. Mattheit und Erschöpfung sind energetische Folgen der heftigen psychischen und physischen Prozesse im Innern des oder der Verlassenen.

Wir haben das alles erlebt. Erinnern wir uns!

Bitte nicht aufmuntern!

Kennst du diese Situation? Wir haben einen großen Verlust erfahren. Wir fühlen uns innerlich wie niedergestreckt. Das Leben drückt uns mit gnadenloser Schwere zu Boden. In manchen Momenten kostet allein das Atmen übermenschliche Kraft.

Und dann treffen auf eine Freundin, die die „happinez“ oder „emotion“ abbonniert hat und mit Begeisterung liest. Sie sieht, dass es uns nicht gut geht. Sie möchte uns so gern etwas Gutes tun. Schließlich schaut sie uns milde an und sagt: „Mensch! Sieh es doch auch einmal von der guten Seite…!“

Solches Aufmunterungsbestreben kommt selten in den ersten vierWochen nach dem Trennungsakt auf. In dieser Zeit kommt den frisch Getrennten zumesit viel Mitleid zu. Seltener ist wiklich heilsames Mitgefühl. Wenn aber erst drei, vier oder sechs Monate ins Land gegangen sind, dann sind die Energie-Reservoirs der bis dato stetig Mitleid gebenden Freunde schließlich aufgebraucht. (Bei Freunden, die stattdessen Mitgefühl schenken, ist dies übrigens nicht der Fall!) Es wird erwartet, dass der oder die Leidende sich endlich zusammenreißt und wieder nach vorne schaut. Häufig findet dies seinen Ausdruck in einem hilflosen Appell an das positive Denken.

„Sieh es doch mal positiv!“ ist eine wundervolle Ermunterung, wenn wir uns mit einer Freundin verlaufen haben. Oder wenn jemand sich mit einer Erkältung ein paar Tage Ruhe gönnen darf oder muss. Auch, wenn ein Freund Theaterkarten geschenkt bekommt für ein Stück, dass ihn nicht interessiert, setzt diese Botschaft positive Gedanken in Gang. Aber sage diesen Satz mal zu jemandem, dessen Haustier gerade vom Bus überfahren wurde, dessen Zwillingsschwester eine schwere Krankheit diagnostiziert wurde, oder die gerade ihr Haus bis auf die grundmauern niederbrennen sieht. Das zumindest ist das level an gefühlter Katastrophe, über das wir hier sprechen.

Versuche der Aufmunterung in Zeiten der Krise sind zweifellos gut gemeint. Allerdings sind sie nicht nur nutzlos, sondern verschlimmern alles nur. Denn die von dir so freundlich unterstützte Person erlebt sich selbst ja bereits jetzt als machtlos einem qualvollen Schicksal ausgeliefert. du demonstrierst ihr nun, dass das Leid, in dem sie sich windet, mühelos überwunden werden könnte. wenn sie es nur wirklich wollte. Dadurch ist sie nun nicht mehr nur Opfer, sondern darüber hinaus an ihrem Zustand selbst und allein Schuld. Na danke!

Emotionale Erste Hilfe

Für viele Menschen bedeutet eine (ungewollte) Trennung einen schweren emotionalen Ausnahmzustand. Unter Einfluss beachtlicher Mengen an Stresshormonen im Blutkreislauf sind Fragen neu zu beantworten, die für die Orientierung im Leben von massiver Bedeutung sind.

Warum passiert mir dies? Womit habe ich das verdient? Was bin ich wert? Wer hat mich lieb? Wo und wie werde ich wohnen? Wann und wie werde ich mit meinen Kindern sein? Was wird meine Familie sagen? Wo finde ich Schutz und Beistand? Werde ich je wieder lieben können?

Hinzu kommen die oben beschriebenen Körpersymptome. Das Gehirn verarbeitet emotionales Leid in den gleichen Schaltzentralen wie körperlich empfundenen Schmerz. Aus Sicht unseres Gehirns also ist das, was wir in diesen Zuständen empfinden, Realität.

Unter diesem enormen Druck kollabiert der erwachsene Geist. Wir fallen zurück in kindliche Verhaltensmuster wie Selbstanklage, Opfer-Denken, unkontrollierter Konsum von Dingen, Substanzen oder Erfahrungen und andere.

Gemessen an unserer geistigen Tiefe und Erkenntnisfähigkeit sind wir schlagartig nur noch zwölf, sieben oder vielleicht vier Jahre alt. Manchmal noch jünger. Die meisten von uns haben genug Routine und / oder Selbstbeherrschung, dass wir unser „offizielles“ Leben (Arbeit, Haushalt, Kindesversorgung, soziale Verpflichtungen) halbwegs in der Spur halten. Aber hinter den Fassaden brechen Wände und Decken ein.

Was ein Mensch mit Trennungstrauma wirklich braucht

Das Durchleben einer Trennung kommt einem Zeugungsprozess gleich. Wir stehen vor einer Neugeburt. Aber wir glauben noch nicht an ein Leben nach diesem. Panisch halten wir uns an unserer Vergangenheit fest. Doch der Geburtskanal des Lebens presst uns unerbittlich voran.

Menschen in diesem desolaten Zustand brauchen Halt. Sie brauchen ein „Du bist nicht allein!“, ein „Ich hab dich lieb, so wie du bist!“ oder ein „Hier darfst du dich ausruhen!“. Es sind urkindliche Bedürfnisse, die ans Licht kommen. Manche Menschen brauchen in einer solchen Phase viel Aufmerksamkeit. Mehr, als ein Mensch alleine leisten kann. Darum ist es sehr hilfreich, wenn der oder die Trauernde ein soziales Netz hat, in das er oder sie sich hinein vertrauen kann. So kann das – in dieser Phase völlig normale – kindliche Verlangen von der Liebe und Anteilnahme mehrerer Menschen genährt werden.

Es ist sehr hilfreich, wenn wir diese Menschen sprechen lassen. Über ihre Gefühle, über die Vergangenheit, über den Schmerz. Das bloße Aussprechen der Gedanken hilft ihnen bereits dabei, sich innerlich zu sortieren. Lade alle Gefühle ein! Gefühle helfen bei der Verarbeitung des Durchlebten. Wut, Angst, Trauer, Eifersucht, Neid, Rachsucht, Scham – lade all das ein, was sich zeigen und mitteilen will! Verzichte darauf, das hier Gesagte für bare Münze zu nehmen. Sei einfach liebevoller Zeuge dessen, was dieser Mensch gerade durchlebt..

Zeige diesen Menschen, dass sie dir wertvoll sind! Verbringe Zeit mit ihnen, sei es am Telefon oder direkt. Lade sie zum Essen ein. Oder überrede sie zu einem Besuch im Theater, in der Disko oder in der Sauna. Und ja: Bringen gerne eine Flasche Wein mit. Du wirst ja kaum eine ganze Kiste mitbringen.

Rufe dir in Erinnerung, wie du dich das letzte Mal gefühlt hast, als du in deinem Leben an einem solchen Punkt gestanden hast. Rufe dir das immer wieder und detailliert vor Augen. Dann erkennst du: Diese Menschen sind gerade in einem heftigen Notfall. Und dann fällt es dir wahrscheinlich gar nicht mehr so schwer, über die eine oder andere Verhaltensauffälligkeit oder mentale Barriere hinweg zu sehen. Diese Menschen brauchen kein Mitleid von uns. Sie brauchen unser Mitgefühl.

Manchmal kann es eine gute Idee sein, professionelle Unterstützung zu empfehlen. am besten natürlich zu jemandem, den du selbst schätzt oder mit dem du sogar selbst bereits gute Erfahrungen gemacht hast.

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