Zutat 5:
Aufrichtigkeit und (Selbst-) Vertrauen

„Die große Frage ist: Bist du in der Lage,
von ganzem Herzen JA zu deinem eigenen
Abenteuer zu sagen?“
Joseph Campbell

ex berührt uns tief. Unsere Sexualität ist integral mit unserem Selbstempfinden als Mann oder als Frau verbunden. Viele Menschen in unserer Kultur in dieser Zeit haben Schwierigkeiten mit den sexuellen Dimensionen ihrer Identifikation als Mann oder als Frau.

Je tiefer wir uns unserem Gegenüber öffnen, desto intensiver und nährender wird unsere sexuelle Erfahrung miteinander sein. Das braucht Vertrauen. Jedoch nur in zweiter Hinsicht Vertrauen in den Anderen. In erster Instanz braucht es unser Vertrauen in uns selbst, unsere Entscheidungen und unsere Fähigkeit, mit Schwierigkeiten umzugehen, sollten irgendwo irgendwelche auftauchen.

Dies ist das Vertrauen, aus dem heraus Aufrichtigkeit entsteht. Weil ich mir vertraue darin, dass ich dich gut und klug gewählt habe, und selbst wenn nicht, schon damit umgehen können werde, habe ich in dieser Erfahrung mit dir nichts zu befürchten.

So kann ich mich dir frei und ganz zeigen: Meinen Körper, meine Wünsche, meine Ideen, meine Gefühle, meine Grenzen, meine Wahrheit…

Sollte ich erkennen, dass du mit meinem Körper, meinen Wünschen, Ideen, Gefühlen und Grenzen oder meiner Wahrheit nicht gut umgehst, dann werde ich in der Lage sein, auch ohne dich mein Leben und meine Sexualität zu genießen.

Sollte ich jedoch erkennen, dass auch du all diese Dinge annehmen und ehren kannst, so kann ich dir furchtlos alle Türen öffnen. Wenn ich dich und mich als aufrichtig und ganz erlebe, was sollte mich davon abhalten, mich in diese Erfahrung mit dir blind und frei hinein zu stürzen

Übung: Schaut euch an!

Schau deinem Partner in die Augen, wenn du mit ihm sprichst. Schau ihr in die Augen, wenn ihr schweigt. Nicht nur mal eben schnell, schnell. Sondern so lange, bis du ihn oder sie wirklich siehst.

Wenn wir einander wirklich in die Augen schauen, dann kommt irgendwann der Moment, in dem wir spüren, dieser Kontakt hat eine besondere Qualität. In diesem Augenblick findet Erkennen statt.

Wer etwas zu verbergen hat, wer unlautere Absichten oder eine hidden Agenda hat, ist zu dieser Form von Augenkontakt nicht im Stande. Der Blick solcher Menschen hat nicht die tiefe Offenheit und Arglosigkeit dessen, der einfach da ist und sich zeigt mit allem, was ist.

Lerne die Unterscheidung kennen zwischen einem offenen und einem verschlossenen Blick.

Wenn du mit deiner Partnerin intim bist, schaue sie auch hier mit offenen Augen an. Auch beim Sex kann Erkennen stattfinden. Wenn es das tut, durchläuft unsere Sexualität eine Veränderung: Aus Wohlbefinden wird Wonne. Aus Verbundenheit wird Verschmelzung. Aus Lust wird Begierde.

Alles wird tiefer, wenn wir mit dem Menschen, mit dem wir unsere Sexualität leben, wahrhaftig in Kontakt sind.

Und wenn du zu den Mutigen gehörst, dann probierst du vielleicht sogar mal aus, was passiert, wenn du im Augenblick des Orgasmus deine Augen nicht schließt, sondern öffnest und den Anderen in die Tiefe und bis auf den Grund deiner ungebremsten Freude eintauchen lässt.


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