Der Engel: Ich diene dir.

Wir mögen nach außen hin noch so abgebrüht oder verdorben erscheinen: In uns allen drin ist ein Engel, für den es das Größte ist, wenn er einen anderen Menschen glücklich macht. Es ist das Lächeln oder Lachen im Gesicht unseres Liebsten, das für diesen Teil in uns als Belohnung vollkommen reicht.

Psychologisch betrachtet macht diese Kosten-Nutzen-Rechnung in den meisten Fällen durchaus Sinn. Kosten doch die meisten Gefallen, die wir unserem Liebsten (oder einem anderen Menschen) tun können, kaum nennenswert Zeit, Aufmerksamkeit oder Energie. Im Gegenzug erfahren wir – einen ebenfalls wohlwollenden Partner vorausgesetzt – ein direktes positives Feedback in Form eines Lächelns, eines Kusses, einer Umarmung oder eines Dankeschöns.

Auch den Engel gibt es in Schattengestalt. Dann tritt er auf als der- oder diejenige, die sich für den Anderen weit über alle gesunden Grenzen hinaus aufopfert oder ausliefert, damit der Andere zufrieden ist oder sich zumindest nicht beschwert.

Der Schatten des Engels zeigt sich bei Menschen, die große Angst vor Konflikten haben. Sie hatten keine positiven Vorbilder dafür, dass ein Konflikt auch der Nährboden für gemeinsames Wachstum in der Liebe sein kann. Daher verbiegen und verdrehen sie sich, um jedem Konflikt aus dem Weg zu gehen.

In Frage gestellt, zeigen sie mit stolz geschwellter Brust all die Dinge auf, die sie für den Anderen oder die Kinder oder die Familie getan haben und tun, ohne sich je (sic!) darüber zu beklagen. Was in diesem Geist getan wurde jedoch, wurde nicht geschenkt, sondern getan in Gedanken auf einen später einzufordernden Ausgleich.

Verstehen wir uns nicht falsch: Ich bin durchaus der Meinung, dass nicht alles, was wir dem Anderen Gutes tun, ein Geschenk sein muss. Manche Dinge binden ein hohes Maß an Zeit, Aufmerksamkeit und/oder Energie, so dass ihnen im Sinne der Augenhöhe einen wie auch immer gearteten Gegenwert zukommen sollte. Das allerdings sind keine Geschenke der Engel. Das sind Gaben, über die Könige und Königinnen miteinander verhandeln.

Der Engel in uns jedoch dient aus der Freude am Dienen heraus. Er ist es, der die Dinge nicht nur gut macht, sondern schön. Der Engel bezahlt die Rechnung, weil es ihm eine Freude ist. Er ist es, der das Essen kocht oder sich frisch rasiert, bevor der oder die Liebste zu Besuch oder nach Hause kommt.

Der Engel in uns ist in der Lage, alles in unserem Gegenüber mit den Augen der Liebe zu sehen. Das macht ihn zu einem unersetzlichen inneren Berater in jeder Form von Beziehungskonflikt. Wenn wir allerdings so richtig schön wütend sind, kann die Stimme unseres inneren Engels durchaus lästig sein.

Da ein erwachsender Engel in der Lage ist, in allem, was ist, das Gute zu sehen und zu ehren, kann der Engel in uns jeden Spirit unseres Partners als Aspekt des Göttlichen sehen. Der Engel in uns findet sein Gegenstück im Anderen von ganz allein.

Der Engel spricht:

Ich diene dir. Dein Freude ist mein Glück. Ich schenke mich dir mit meinen besten Gaben hin. Ich schenke dir mein Wohlwollen und meine Energie. Ich schenke dir meine Aufmerksamkeit und meine Zeit. Ich schenke dir die Bereitschaft, dir und deinem Glück auf die beste Weise zu dienen, die mir auf würdige und verantwortliche Weise möglich ist.

Nicht, weil du es dir verdient hättest. Nicht, weil du der Tollste oder die Schönste wärst. Nicht einmal, weil du mich brauchst. Sondern allein, weil du bist, wie du bist.

Der Engel: Zusammenfassung

Grundessenz: Demut

Schatten: Selbstmitleid

Hüter/in der Sphäre: Beistand

Lichtkräfte:
Loyalität → Ich ehre dich.
Güte → Ich diene dir.
Fürsorge → Ich achte auf dich
Nachsicht → Ich vergebe dir.

Schattenkräfte:
Selbstaufgabe → Ich opfere mich!
Retterhaltung → Ich weiß, was du brauchst!

Assoziationen: rein, heilig, ätherisch, geschlechtslos, dienend, wohlwollend, mitfühlend, empathisch, fürsorglich, hingebungsvoll…


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