Das Kind: Ich vertraue dir.

Wenn wir einen Menschen lieben, dann aktiviert das ganz ursprüngliche Bedürfnisse nach Geborgenheit und Angenommensein. Wir wünschen uns, dass der Andere uns so annimmt und liebt, wie wir sind. Wir können diese kindlichen Wünsche noch so sehr psychologisch oder spirituell durchleuchtet und entlarvt haben, es ändert nichts daran, dass sie tief in unserem Inneren aktiv und wirksam sind. Das Kind in uns weiß nichts über Neurobiologie oder Weisheitslehren. Das Kind weiß, dass es gerne ein Zuhause haben möchte. Eines, wo auch noch jemand anderes ist. Und wo es sich geliebt, geborgen und willkommen fühlt.

Das Kind in uns ist voller kindlicher Impulse, Bedürfnisse und Ideen. In seiner Welt gibt es kein Morgen. Es ist spontan, verspielt, emotional. Der Schmerz ist jetzt da, und die Freude will jetzt zum Ausdruck kommen. Dadurch bringt es viel Spontaneität und Lebendigkeit in die Beziehung ein. Es ist aber manchmal auch trotzig. Und ob es uns gefällt oder nicht: Die Liebe des Kindes ist eine abhängige Liebe.

Viele Menschen haben Schwierigkeiten mit dem inneren Kind in sich oder ihrem Partner. Sie spüren die Bedürftigkeit und Abhängigkeit dieses Teils und lehnen sie ab. Das ist zumeist aus ihrer Geschichte heraus leicht verständlich. Viele von uns haben schicht unangenehme Erfahrungen gemacht.

Möglicherweise wurden unsere eigenen Bedürfnisse in der Kindheit fortwährend missachtet, so dass wir gelernt haben, unsere Bedürfnisse zu unterdrücken und den damit verbundenen Schmerz zu betäuben. Oder aber (bzw. nicht selten: und/oder!) wir litten unter beständigen Manipulationen durch unsere nahesten Bezugspersonen, die uns gelehrt haben, dass Wünsche in Wirklichkeit Erwartungen sind, deren Nicht-Erfüllung unangenehme Konsequenzen hat.

Glücklich, das heimische Irrenhaus vermeintlich endlich verlassen zu haben, lehnen manche Menschen alles ab, was auch nur von Weitem nach Bedürftigkeit oder Abhängigkeit riecht. Nicht selten allerdings nehmen sie den Samen dafür mit in ihr Leben und reinszenieren dort das Drama ihrer Kindheit und Jugend beständig neu.

Dabei ist es nicht das abhängige Kind, das den Fehler macht. Das Kind ist Kind. Für das Kind in uns ist selbstverständlich niemals unser Partner verantwortlich, sondern nur wir selbst. Das ist wahr. Und natürlich ist nur unser Partner für sein oder ihr eigenes inneres Kind in sich verantwortlich.

Ein rebellierendes inneres Kind ist ebenfalls immer ein Zeichen für einen schwachen oder verschollenen König in uns. Das Kind in uns vertraut der eigenen inneren Führung nicht. Darum rebelliert es mit den Mitteln von Trauer oder Zorn.

Ist die innere Königin in ihrer erwachsenen Form entwickelt, so wird diese feststellen, dass das Kind ein starkes Bedürfnis hat und sehr darunter leidet. Und sie wird sehen, dass das Kind gerade nicht besonders gut in der Lage ist, für das zu sorgen, was es braucht. Also wird sie einschreiten und das, wonach sich das Kind sehnt, nach außen hin in einen erfüllbaren Wunsch gefasst zum Ausdruck bringen. Wird der Wunsch dennoch nicht erfüllt kann die innere Königin (oder der innere König) dem Kind Trost, Halt und Beistand sein.

Vielleicht hat das Kind in uns jedoch erfahren, dass es unerwünscht ist und ungeliebt. Darum verkriecht es sich auf dem Dachboden. Oder ist es dort vielleicht sogar eingesperrt, weil ein anderer Teil in uns das ständige Weinen und Brauchen nicht ertrug?

Die Grundessenz des Kindes ist die Verbundenheit. Um sich zu verbinden, braucht es jedoch sowohl die Bereitschaft als auch Fähigkeit des Anderen, diese Verbindung einzugehen. Dadurch ist das Kind vom Anderen abhängig. Und je nachdem, wie der oder die Andere sich verhält, reagiert das Kind in uns intuitiv emotional mit Freude, Traurigkeit oder Wut.

Der Schatten dieses Spirits ist die Unmündigkeit. Ein inneres Kind, das über längere Zeit keinen Raum hatte, zu spielen und sich auszuprobieren, verlernt, zu spielen und sich auszuprobieren. Dadurch macht es allerdings kaum positive Erfahrungen, die seine Sicherheit im Umgang mit der Welt stärken. Ein solches Kind verkümmert zu einem traurigen Schatten seiner sonst ursprünglichen Frische und Lebendigkeit.

Das innere Kind ist der verletzlichste Teil in uns. Je nachdem, wie oft es in seiner eigenen Geschichte die eine oder die andere Art von Erfahrungen gemacht hat, desto leichter oder schwerer wird es ihm fallen, einem anderen Menschen zu vertrauen.

Wenn in einer Liebesbeziehung die Kraft des Kindes fehlt, dann fehlen spontane Lebendigkeit und Freude. Es fehlen Abenteuerlust, Verspieltheit und Neugier. Eine weitere Qualität des Kindes ist die Erfahrung absoluter Geborgenheit durch bedingungsloses Vertrauen in den Menschen, den wir lieben.

Das Kind im Anderen sucht das Kind in uns. Es sucht jemanden, mit dem es spielen kann oder toben. Oder auch schon mal jemanden zum Streiten. Und für all das eignet sich am allerbesten das Kind in uns. Allerdings gibt nicht immer das Kind in uns die klügste Antwort auf das, was das Kind in unserem Liebsten von sich gibt.

Das Kind spricht:

Spiel mit mir! Guck mal, was ich kann! Komm mal her! Hast du mich noch lieb? Ich hab dich sooo dolle lieb! Jetzt sind wir Tiere und treffen uns im Wald! Erzählst du mir eine Geschichte? Ich will auf deinen Arm! Noch ein bisschen kuscheln! Hast du mich noch lieb?

Du bist der/die tollste ( Setze hier deinen Namen ein! ) der Welt!

Das Kind: Zusammenfassung

Grundessenz: Verbundenheit

Schatten: Unmündigkeit

Hüter/in der Sphäre: Spiel

Lichtkräfte:
Neugier → Wer bist du denn?
Freundlichkeit → Ich mag dich.
Offenheit → Ich vertraue dir.
Leichtigkeit → Spiel‘ mit mir!

Schattenkräfte:
Abhängigkeit → Ich brauche dich!
Opfer → Ich fürchte dich!

Assoziationen: kindlich, unreif, gefühlvoll, sensibel, verletzlich, schwach, abhängig, bedürftig, verspielt, ungestüm, schüchtern, unsicher, verspielt…


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