Untreue verhindern heißt ihr den Nährboden nehmen

Ich oute mich auch an dieser Stelle wieder als Weder-Noch-Sowohl-Als-Auch: Ich bin weder ein Verfechter der offenen und polyamoren Liebesstile, noch bin ich ein Anhänger der exklusiven Monogamie. Und dennoch sehe ich in beiden Liebeswegen neben großer Herausforderungen ein wundervolles Potenzial.

Es gibt eine Reihe guter Gründe dafür, sich mit seinem Partner auf eine sexuelle Exklusivität zu vereinbaren. Dann ist die sexuelle Treue ein Teil des sich selbst und einander gegebenen Commitments. In so einem Fall ist es nicht von Nachteil, um ein paar Dinge zu wissen, die die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Seitensprüngen und Affairen bekanntermaßen verringern oder aber erhöhen können.

Untreue gedeiht auf dem Boden von Unzufriedenheit und Unehrlichkeit. Wer sich in seiner Partnerschaft und Sexualität wirklich geachtet, geliebt und wohlgenährt fühlt, den wird kein hübsches Augenpaar, keine sexy Stimme und kein knackiges Hinterteil dazu bewegen können, all dies in Frage zu stellen oder über Bord zu werfen.

Wenn du dafür sorgen möchtest, dass dein Partner dir gegenüber in jeder Hinsicht treu und loyal ist, dann sei du ihm in jeder Hinsicht treu und loyal!

Damit meine ich: Interessiere dich für deinen Partner! Reagiere neugierig, offen und interessiert auf das, was er ir über seine Gefühle, Wünsche oder Sehnsüchte erzählt! Sei mutig: Frage ihn von dir aus, wovon er sich mehr oder weniger wünscht! Höre ihm zu, wenn er darüber spricht, was ihm fehlt, oder wonach er sich sehnt!

Widerstehe dem Impuls, dich gegen seine offenen Bedürfnisse oder Sehnsüchte abzuschotten, ihn abzuwerten dafür oder gar zu bestrafen! Bleibe in der Liebe!

Ich weiß aus eigener Praxis: Das ist manchmal leichter gesagt als getan.

Das Spiel selbst macht uns zu Verlierern

Nur wenige von uns hatten in ihren prägenden Jahren Vorbilder dafür, was es heißen kann, in einer Liebesbeziehung Bedürfnisse und Wünsche partnerschaftlich zu kommunizieren. Die meisten von uns haben bereits früh gelernt, dass es im Leben und insbesondere in der Liebe an erster Stelle um Gewinnen und Verlieren geht.

Zwar bezeichnet unsere Kultur die Liebe als ein Spiel. Jedoch ist es für die meisten von uns ein Spiel, das wir nicht mit-, sondern gegeneinander spielen. Es geht um dich oder mich, um deine Wünsche oder meine, um dein Glück oder meins.

Ein solches Spiel lädt nicht gerade ein zu Ehrlichkeit, zu Mitgefühl und Partnerschaft. Es lädt ein zu Konkurrenz, zu Manipulation, zu Machtdemonstrationen und Drohgebärden. Und da dieses Spiel mit jeder Runde mindestens einen Verlierer erzeugt, tränkt es den Boden der Beziehung beständig mit Unzufriedenheit.

Es ist das Spiel selbst, das den Nährboden erschafft für Unzufriedenheit und Unehrlichkeit. Der Seitensprung ist aus dieser Perspektive betrachtet nicht nur nicht verwunderlich. Er ist eine zwangsläufige Folge dessen, wie wir in unserem Alltag und im Schlafzimmer miteinander interagieren.

Es ist das Spiel selbst, das uns zu Verlierern macht.

Es wird Zeit für ein neues Spiel.


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